Konstanzer Anwalt Klaus Frank verteidigt mutmaßlichen Mörder vom Bodensee

Mutmaßlicher Taximörder im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg

Konstanz (wak) Der Konstanzer Rechtsanwalt und Stadtrat Klaus Frank verteidigt den mutmaßlichen Taximörder von Hagnau und hat damit für einen Aufreger in Konstanz gesorgt. Der Pflichtverteidiger stellte denn auch klar: „Ich bin nicht der Komplize des Mörders“. Zu dessen Anwalt wurde der Strafverteidiger über ein Anwaltsnottelefon. Derzeit befindet sich der mutmaßliche Taximörder nicht mehr in Konstanz, sondern im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg. In der U-Haft in Konstanz sei der Tatverdächtige Repressalien von Mithäftlingen ausgesetzt gewesen, sagte Frank.

Mordverdächtiger legt kein Geständnis ab

Wie bereits mehrfach berichtet soll der 28-Jährige Russland-Deutsche im Juni eine 44 Jahre alte Taxifahrerin in Singen vergewaltigt und mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt haben. Einen Tag später stieg der mutmaßliche Täter in Friedrichshafen erneut in ein Taxi, dieses Mal zu einer 32 Jahre alten Taxifahrerin. Von ihr ließ er sich zuerst auf die Mainau und über die Autofähre Konstanz-Meersburg zurück in den Bodenseekreis fahren. In Hagnau nahe des Strandbads tötete der Tatverdächtige die Mutter zweier Kinder dann mit demselben Messer, mit dem er bereits sein erstes Opfer in Singen in den Hals gestochen hatte. Selbst Polizeibeamten waren über die Brutalität der Taten entsetzt. An den Tatorten hatte der Täter DNA-Spuren hinterlassen, die die Polizei dem Mordverdächtigen zuordnete. Anhand von Spuren konnte die Polizei den Mann identifizieren, der in Brandenburg festgenommen wurde. Ein Geständnis hat der Tatverdächtige, der möglicherweise psychisch krank ist, bisher nicht abgelegt.

Dolmetscher wird gebraucht

Klaus Frank rechnet damit, dass der Prozess gegen seinen Mandaten im Oktober oder November beginnt. Frank sagte, der 28-Jährige werde auch weiterhin keine Angaben zu den Taten machen. Strafrechtlich mache es keinen Sinn zu reden, sagte Frank. Der Pflichtverteidiger, der bereits die Interessen des mutmaßlichen Mörders vertreten hat, als im Juni ein Haftbefehl erlassen wurde, hat seinen Mandanten bisher zwei oder drei Mal persönlich getroffen. Voraussichtlich im Juli oder August will Frank seinen Mandanten, der deutscher Staatsbürger ist, erneut treffen. Dabei sei dann auch ein Dolmetscher. Akteneinsicht hatte der Pflichtverteidiger bisher nicht.

Psychologisches Gutachten wird erstellt

Im Konstanzer Untersuchungsgefängnis konnte der Mann nicht bleiben. „Es war zu gefährlich“, sagte Frank. Sein Mandant sei angefeindet worden. Momentan ist der Mordverdächtige Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg untergebracht. Dort wird ein psychologisches Gutachten erstellt. Der Anwalt geht momentan offenbar davon aus, dass der mutmaßliche Mörder psychisch krank ist. Dafür, dass Unbeteiligte nach brutalen Bluttaten wie dem Taximord die Todesstrafe für Angeklagte fordern, habe er kein Verständnis. Das sei in Deutschland mit dem Grundgesetz nicht vereinbar – und in den USA würden zu viele Unschuldige hingerichtet.

Strafverteidiger sieht sich vor großer Aufgabe

Klaus Frank sagte über sich: „Ich bin ein richtig guter Strafrechtler.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf seinen letzten Erfolg, bei dem er einen außergewöhnlichen Freispruch erreicht hatte. Der Fall des Mordverdächtigen sei nicht sein erster Mordfall. Spaß mache es ihm aber nicht, den mutmaßlichen Taximörder zu verteidigen. „Es ist eine große Aufgabe.“ Klar stellte der Pflichtverteidiger auch, dass er nicht Partei ist. Ihm gehe es darum, dass der Mordverdächtige einen fairen Prozess bekommt. Er sei dafür da, dass die Rechte seines Mandanten gewahrt würden. Nur so könne auch vermieden werden, dass Opfer nachträglich noch belastet und ihnen weiterer Schaden zugefügt werde. „Es geht ohne Anwalt nicht“, sagte Frank. Zum Anwalt des Mordverdächtigen wurde er zufällig: Er sei einer von sechs Anwälten, die durch das Anwaltsnottelefon zu erreichen sind. Als es klingelte sei er zufällig da gewesen.

Foto: Strafverteidiger Klaus Frank

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