Konstanzer Basketballer feiern Wiederaufstieg – HolidayCheck sagt tschüs

Nachgefragt bei Christian Lipski, Geschäftsführer HolidayCheck Baskets Konstanz – Trotz des riesigen Erfolgs ist im Mai womöglich Deadline erreicht

Konstanz. Die Konstanzer Basketballer schaffen den Wiederaufstieg und verlieren ihren Namenssponsor. Wir fragten Christian Lipski, Geschäftsführer HolidayCheck Baskets Konstanz,  wie es jetzt weitergeht.

Interview

See-Online: Glückwunsch zum Sieg am vergangenen Samstag. Was bedeutet dieser Erfolg sportlich für die bald nicht mehr HolidyCheck Baskets?

Christian Lipski: Diese Saison ist und bleibt die erfolgreichste, die es für Basketball Konstanz je gegeben hat. Nach dem bitteren Abstieg vor gerade mal einem Jahr jetzt das erste mal überhaupt Meister zu werden und gleichzeitig direkt wiederaufzusteigen, noch dazu mit einer sehr jungen Mannschaft, das ist einfach einmalig. Die Mannschaft hat unglaublichen Charakter gezeigt. Unsere alten Derby-Rivalen aus Schwenningen standen ja vor der genau gleichen Situation und werden nun in die 2. Regionalliga durchgereicht.

See-Online: Erst einmal brauchen wir jetzt einen Crash-Kurs. Erklären Sie uns doch bitte einmal welche Ligen es gibt und wo Konstanz in der kommenden Saison spielt?

Christian Lipski: Mit dem Meistertitel in der Regionalliga Südwest haben wir uns den Aufstieg in die 2. Bundesliga PRO B Süd erkämpft. In der Hauptrunde spielen wir gegen elf weitere Vereine bis nach Leipzig bzw. Köln. Die Endrunde, die sogenannten Play-Offs bzw. Play-Downs, werden dann im K.O.-Modus ausgetragen. Hier steigen dann die 12 Vereine aus der PRO B Nord ein und es geht bis Berlin oder sogar Hamburg. Nach der PRO B, die bereits eine bundesweite Liga ist, gibt es noch die 2. Bundesliga PRO A mit 16. Mannschaften und schließlich die 1. Bundesliga.

See-Online: Haben wir es richtig verstanden, Ihr bisheriger Hauptsponsor kommt Ihnen abhanden? Das ist definitiv so?

Christian Lipski: Man soll bekanntlich nie nie sagen und ich denke, dass es immer einen Weg zurück gibt, momentan ist es aber definitiv: Zum Ende der Saison wird HolidayCheck aussteigen.

See-Online: Kam die Entscheidung Ihres bisherigen Hauptsponsors für Sie vollkommen überraschend? Seit wann ist der Verein informiert?

Christian Lipski: Es gibt Situationen, auf die kann man sich nicht vorbereiten. Bis zum Rückrundenstart im Januar, war der Aufstieg völlig unsicher, das Restprogramm mit vielen Auswärtsspielen sehr schwer. Dann wurde es aber nach und nach immer konkreter und schlussendlich haben wir eine extrem positive Saison hingelegt, spielen wieder überregional und bekommen für unser Konzept und die Leistung von allen Seiten Lob und Aufmerksamkeit. Entsprechend positiv und zufriedenstellend verlief auch die Zusammenarbeit mit unseren Sponsoren. So waren wir doch sehr überrascht, dass unser Namenssponsor den eingeschlagenen, erfolgreichen Weg und den Aufstieg in die PRO B nicht mitgehen wollte.

See-Online: Haben sich auch noch andere Sponsoren verabschiedet?

Christian Lipski: Parallel zur Entscheidung von HolidayCheck hat ein weiterer Sponsor sein Engagement beendet. Bei einem dritten Sponsor ist eine Vertragsverlängerung bedingt durch strategische Unternehmensveränderungen fraglich geworden. Man kann sagen, dass wir dieses Jahr so erfolgreich und als Plattform für Unternehmen so interessant sind wie nie zuvor. Wir haben ein Umfeld geschaffen, das 1.400 begeisterte Zuschauer zum entscheidenden Spiel in die Halle zieht. Trotzdem hat es uns finanziell knüppeldick erwischt.

See-Online: In Ihrer Kampagne sagen Sie, ein guter Etat wäre eine halbe Million Euro. Wofür brauchen Sie das Geld?

Christian Lipski: Ein Großteil es Geldes wird natürlich in die Mannschaft fließen, sprich in Personalkosten. Wir erwarten viel von den Spielern, es wird 2mal täglich hart trainiert, es gibt Repräsentationsaufgaben, Schul-Arbeitsgruppen die geleitet werden müssen, und einiges mehr. Hier wollen wir wenigstens fair sein und niemanden ausnutzen, auch wenn man bei uns mit Basketball spielen nicht reich werden kann. Weitere Kosten die hinzukommen, sind Liga- und Schiedsrichter-Gebühren, Fahrtkosten und auch laufende Betriebskosten wie Mieten, Druckmittel oder Werbekosten.

Noch entscheidender ist für uns, dass wir uns weiterentwickeln, professionalisieren wollen und müssen. Um unsere Organisation zu verbessern, brauchen wir nach und nach einige hauptamtliche Kräfte z.B. für den Vertrieb, den Hallenaufbau oder auch die Spieltagsorganisation.

Auch in die Infrastruktur müssen Investitionen getätigt werden. Das komplette Management wird natürlich weiterhin ehrenamtlich arbeiten, aber gekommen, um zu bleiben genügt nicht mehr. Wir haben realistische und richtige Ziele, jetzt stehenzubleiben würde uns genau so weit zurückwerfen.

See-Online: Wie hoch sind denn die Budgets von anderen Teams, mit denen Sie es in der kommenden Saison zu tun bekommen würden?

Christian Lipski: Die Bedingungen der einzelnen Mannschaften sind je nach Standort sehr unterschiedlich. Genaue Zahlen werden aber meistens unter Verschluss gehalten. Mit unseren Wohnungskosten in Konstanz für einen Spieler, finanzieren andere Vereine glatt drei Wohnungen. Farmteams der Bundesliga-Vereine werden oft einfach durch den großen Bruder „mitfinanziert“. Andere Teams tauschen jede Saison ihren kompletten Kader aus, zahlen Neulingen weniger und sparen dadurch Geld. All das ist aber nicht unsere Philosophie oder an unserem Standort sinnvoll.

See-Online: Wo für steht Basketball in Konstanz, nur für Spitzensport oder auch für Jugendarbeit?

Christian Lipski: Wir sehen das eher ganzheitlich und mit fließenden Übergängen. Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Unsere Jugendarbeit ist im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet aber ohne die 1. Mannschaft, den Anreiz dorthin zu kommen und die Vorbildfunktion, hätten wir deutlich weniger Möglichkeiten Jugendspieler zu motivieren oder auch optimale Trainings anzubieten.

See-Online: Weshalb ist es für Konstanz wichtig, dass es in der Stadt nicht nur Breitensport, sondern auch Spitzensport gibt?

Christian Lipski: Die erste Mannschaft ist unsere Gallionsfigur, unser Motor, der den Basketball in Konstanz voranbringt und der dafür sorgt, dass die Kinder Basketball spielen wollen, dass es eine Perspektive und einen Anreiz für gute Spieler gibt an den See zu kommen und dass wir auch gute Trainer gewinnen können. Ich sage nichts gegen Breitensport, aber die Möglichkeiten auch im Jugend- oder Amateurbereich professionell zu arbeiten und talentierte Spieler bis in die 1. Bundesliga zu bringen, haben wir nur mit einer starken 1. Mannschaft in einer professionellen Liga. Davon profitieren alle!

See-Online: Sie haben gerade eine sehr professionelle und emotionale Kampagne gestartet, mit der sie Unterstützer, Sponsoren und Dauerkartenkäufer suchen. Hat es schon Reaktionen gegeben?

Christian Lipski: Was uns wirklich sehr freut, sind die zahllosen Treuebekenntnisse der Fans und von Basketballkennern aus anderen Regionen, die uns allesamt bescheinigen, dass wir auf breiter Basis ein hohes Niveau an den Tag legen.

Der Dauerkartenverkauf hat bisher rund 6.000 Euro Umsatz eingebracht. Das ist viel, aber es ist noch bei Weitem nicht genug. Das ist die eine Auswirkung der Kampagne.

Die andere ist, dass wir mit dieser fokussierten Ansprache auch potentiellen Sponsoren schnell und auf emotionale Art und Weise unsere Situation nahebringen können. Und das hilft uns bei der Sponsorensuche, denn Entscheidungsträger haben bekanntlich nicht viel Zeit. Bei einem Unternehmen aus Konstanz sind wir auch bereits erfolgreich gewesen. Wer das ist, werden wir am 28. April beim letzten Heimspiel, das zugleich Meisterfeier und Retterspiel sein wird, bekannt geben.

See-Online: Auf Facebook haben wir gelesen, bitte keine Tipps an Euch, die lauten, habt Ihr da oder dort schon gefragt, sondern bitte Hinweise wie, mein Kollege hat im Unternehmen schon einen Mitarbeiter darauf angesprochen und ein Anruf könnte sich lohnen. Hat es solche Tipps und Kontakte schon gegeben?

Christian Lipski: Natürlich gab es viele Hinweise, die spontan kamen und gut gemeint waren. Und in der Tat haben wir ja noch nicht jedes Unternehmen in Konstanz und Umgebung angesprochen. Für noch mehr Kaltakquise ist aber jetzt keine Zeit mehr. Ende Mai ist die sprichwörtliche Deadline. Wir brauchen nun die Gemeinschaft der Fans, die sich, quasi im Sinne der Schwarmintelligenz, Gedanken darüber macht, wer als Sponsor in Frage kommen könnte und diese Unternehmen dann auch aktiv anspricht. Sobald ein Unternehmen auch nur leises Interesse bekundet, sind Jan Mittelstaedt und ich sofort am Start. Und um Ihre Frage zu beantworten: Ja, es gab tatsächlich bereits richtig gute Tipps, denen wir aktuell nachgehen. Einer davon könnte sehr spannend sein.

See-Online: Was passiert, wenn die Kampagne nicht erfolgreich ist? Meinen Sie es ernst? Ist die Rechnung wirklich so einfach: Ohne neuen Hauptsponsor kein Basketball mehr in Konstanz?

Christian Lipski: Basketball wird es weiter geben, dann aber auf dem ursprünglichen, absoluten Amateurniveau mit dem Schwerpunkt auf Breitensport, von dem wir uns seit nunmehr zehn Jahren kontinuierlich verabschiedet haben. Als das Zuschauerevent in der Schänzle-Halle, mit möglichst allen Jugendmannschaften in der Oberliga, wird Basketball in Konstanz nicht mehr existieren.

See-Online: Kann die Stadt etwas tun?

Christian Lipski: Lassen Sie es mich so sagen: Das Einzige, was uns derzeit wirklich hilft, ist finanzielle Unterstützung. Derzeit arbeiten wir mit all unserer Energie an zwei Zielgruppen: Sponsoren und Fans. Aber wir haben absolut nichts gegen eine Ausweitung unserer Zielgruppe.

See-Online: Das Blog unterstützt Ihre Kampagne. Bitte einfach melden, wenn es PR-mäßig etwas zu tun gibt.

Christian Lipski: Ganz herzlichen Dank.

Hier geht’s zur Kampagne der Konstanzer Baskets.

Foto: HolidayCheck Baskets

4 Kommentare to “Konstanzer Basketballer feiern Wiederaufstieg – HolidayCheck sagt tschüs”

  1. Fafnir
    17. April 2012 at 14:55 #

    Wenn das von Konstanzern gegründete und sehr erfolgreiche Holidaycheck (Anteile der Firma wurden den Gründern ein paar Jahre nach der Gründung für 60 Millionen Euro von Burda abgekauft) lieber in Kreuzlingen und Bottighofen Arbeitspätze schafft und dort Steuern bezahlt, ist es nur konsequent, wenn sie auch keinen Konstanzer Verein mehr unterstützen.

  2. Zapfhahn
    17. April 2012 at 16:02 #

    Fafnir: Das würde im Umkehrschluss ja dann bedeuten, dass das Angebot von Holidaycheck auch nur noch von Kreuzlingern und Bottighofern angenommen werden dürfte. Diese Logik sollte vielleicht noch mal stark überdacht werden.

  3. Fafnir
    17. April 2012 at 20:07 #

    Tja. Nicht aus allem kann man eben einen Umkehrschluss ziehen. Aber schön, daß Sie sich zu Wort gemeldet haben.

  4. Tim
    18. April 2012 at 21:52 #

    Es wäre eine Schande, wenn das Sportliche Aushängeschild der Region, seine gesamte Entwicklung der letzten zehn Jahren einfach wieder in die Tonne treten müsste.

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