Konstanzer Biologen vermelden Forschungserfolg bei Autoimmunerkrankungen

Hoffnung für an Diabetes, rheumatoide Arthritis oder Multiple Sklerose Erkrankte – Kristallstruktur des Immunproteasoms offengelegt

Konstanz. Biologen der Universität Konstanz und des Biotechnologie Instituts Thurgau (BITg) erzielten einen weitreichenden Schritt in der Erforschung autoimmuner Erkrankungen: Den Forschungsgruppen um den Konstanzer Immunologen Prof. Dr. Marcus Groettrup und um den Chemiker Prof. Dr. Michael Groll von der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, das sogenannte Im-munproteasom, das eine zentrale Rolle für die Entstehung autoimmuner Krankheiten spielt, erstmalig zu kristallisieren und seine Struktur zu bestimmen. Eine sehr gute Nachricht ist das für an Diabetes, rheumatoide Arthritis oder Multiple Sklerose Erkrankte.

Veröffentlicht in Wissenschaftsjournal Cell

Der Lifescience Standort Konstanz sorgt mit einer Nachricht für Aufsehen. Konstanzer Biologen haben „grundlegende Anhaltspunkte für die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Krankheiten wie Diabetes, rheumatoide Arthritis oder Multiple Sklerose“ gegeben. Das teilte die Universität mit. Die Forschungsergebnisse und die Struktur des Immunproteasoms wurden jüngst im renommierten Wissenschaftsjournal Cell veröffentlicht, heißt es weiter. Die Molekülstrukturen für diese Arbeit sind an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz (SLS) des Paul Scherrer Instituts mittels Synchrotronlichtbestrahlung – einem besonders intensiven Röntgenlicht – bestimmt worden.

Bekämpfung von Autoimmunerkrankungen

Prof. Dr. Marcus Groettrup und seinem Mitarbeiter Dr. Michael Basler gelang es bereits in den vergangenen Jahren, das Immunproteasom als Regulator für jene spezifischen Botenstoffe auszumachen, die autoimmune Erkrankungen verursachen. Eine pharmazeutische Entwicklung von Hemmstoffen, die gezielt das Immunproteasom ausschalten, würde eine Bekämpfung von Autoimmunerkrankungen erlauben, ohne zugleich das gesamte Immunsystem des Körpers zu schwächen.

Neuartige Medikamente möglich

Bisherige Hemmstoffe konnten jedoch nur auf Basis von sogenannten Peptid-Mimetika erzeugt werden. „Der Nachteil dieser Stoffe ist, dass sie sehr schnell im Körper abgebaut werden und nicht in Tablettenform verabreicht werden können“, zeigt Marcus Groettrup das Manko der gegenwärtigen Wirkstoffe auf. „Für die Entwicklung von wirkungsvolleren Hemmstoffen, die nicht auf Peptidstrukturen basieren, ist die Kenntnis der Kristallstruktur des Immunproteasoms und insbesondere seiner Bindungstaschen wichtig. Auf diesem Wege können effektive Wirkstoffe kreiert werden, die passgenau an das Immunproteasom anbinden“, führt Groettrup weiter aus. Bislang scheiterten alle Versuche einer Kristallisierung des Immunproteasoms jedoch, da keine Präparate mit einem ausreichend hohen Reinheitsgrad gewonnen werden konnten. Den Konstanzer Forschern gelang es nun, Präparate des Immunproteasoms mit einem Reinheitsgrad von weit über 90 Prozent anzufertigen. Diese Präparate konnten erfolgreich kristallisiert werden, um die Struktur des Immunproteasoms zu bestimmen.

Leber von Mäusen abgeschaut

Für die Gewinnung der Präparate haben sich die Biologen eine Beobachtung zu Nutze gemacht: Das sogenannte „konstitutive Proteasom“ in der Leber von Mäusen, die mit dem lymphozytären Choriomeningitis-Virus infiziert sind, wandelt sich innerhalb von acht Tagen fast vollständig in das Immunproteasom um. Hier-aus konnten die Forscher ein geeignetes Präparat für die Kristallisierung aufreinigen und erfolgreich die Kristallstruktur bestimmen. Unter Tieftemperatur fixierten die Forscher ferner den Moment des Anbindens der Hemmstoffe an das Immunproteasom und gewannen Aufschluss darüber, welche biochemischen Bestandteile des Hemmstoffs eine besondere Bedeutung für das Bindungsverhalten besitzen. Im selben Zuge konnten die Forscher auch die Kristallstruktur des konstitutiven Proteasoms bestimmen. Die gewonnenen Strukturinformationen zum Immunpro-teasom könnten die Basis für eine pharmazeutische Entwicklung von präzisen Wirkstoffen gegen Autoimmunerkrankungen bilden.

Weitere Informationen unter: http://psi.ch/6zwv

Foto: Universität Konstanz

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