Konstanzer FDP-Vorsitzende Tatjana Wolf: Lieber auf einen Kaffee mit Gerhart Baum

FDP-Vorsitzende wünscht sich mehr aktive Mitglieder – Bei Oberbürgermeisterwahl hofft Partei auf bürgerlichen Kandidaten

Konstanz. Wofür steht die FDP? Antworten auf diese Frage sucht die Konstanzer FDP am Donnerstag dieser Woche, 2. Februar, wenn sie mit Frank Schäffler über „Die Ideale des Liberalismus und die FDP“ diskutiert. Die Konstanzer FDP-Vorsitzende Tatjana Wolf kündigte in einem Gespräch mit See-Online an, die kommenden Monate zu nutzen, um mit den FDP-Mitgliedern über liberale Grundwerte zu sprechen. Im November wählt die Konstanzer FDP dann einen neuen Vorstand. Ob sie noch einmal antritt, hat Tatjana Wolf noch nicht entschieden.

Konstanzer FDP steht nicht schlecht da

Nur drei Prozent der Deutschen antworteten bei einer aktuellen Forsa-Umfrage, sie würden FDP wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahlen wären. Im 40 Mitglieder zählenden Konstanzer Gemeinderat ist die FDP derzeit mit vier Räten vertreten. Heinrich Everke, Michael Fendrich, Johann Hartwich und Tatjana Wolf sind Mitglieder des Gemeinderats. Früher war die FDP im Rat nur zu dritt, sagt Tatjana Wolf. Doch 2013 ist Bundestagswahl und 2014 in Baden-Württemberg wieder Kommunalwahl. Tatjana Wolf ahnt, dass es, sollten die Umfragewerte für die FDP schlecht bleiben, auch für die Konstanzer FDP schwierig werden könnte.

Wofür steht die Konstanzer FDP?

Die Konstanzer FDP sei „grundliberal“. Tatjana Wolf sieht es so: Heinrich Everke ist Verfechter einer Privatisierung der Krankenhäuser. „Alle anderen sind für die Kreislösung.“ Auch die persönlich kämpfe für die Kreislösung. Das sei in der FDP in Ordnung so. „Jeder kann seine Meinung vertreten.“ Wenn sie sagen soll, wofür die FDP in Konstanz steht, sagt Tatjana Wolf: „Unser Lieblingsprojekt ist das Parken auf dem Döbele.“ Heinrich Everke schwärmte schon von unterirdischem Parken und einem kleinen, grünen Park an der Oberfläche, wo heute noch Autos stehen.

Wo ist der FDP-Nachwuchs?

Trotz miserabler Umfragewerte hat die Konstanzer FPD kaum Mitglieder verloren. Etwa 90 Liberale gibt es in der Stadt. „Wir hatten sogar zwei Neueintritte“, sagt Tatjana Wolf. Regelmäßig, wenn sie die Beitragsrechnungen verschicke, gebe es aber auch ein paar Austritte.“ Mau sieht es aus, wenn Tatjana Wolf an den liberalen Nachwuchs denkt. Früher hätte immer ein Vertreter der Julis an Vorstandsitzungen teilgenommen – Tatjana Wolf sagt, dass sei nicht mehr so.

Freiheit vor Sicherheit

„Die FDP ist kein Auslaufmodell“, wehrt sich die Vorsitzende. Sie spricht vom „urliberalen Gedanken“, von der „Freiheit“ und der „Verantwortung“. Die FDP sei die einzige Partei, die „Freiheit“ über „Sicherheit“ und „Gleichheit“ stelle. Belegen könnte sie das zum Beispiel auch mit einem Hinweis auf den Streit um die Vorratsdatenspeicherung und die Position von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Die Piratenpartei setze sich hauptsächlich für die Freiheit im Netz ein.

FDP überlebt, Piraten nicht

Tatjana Wolf glaubt, dass die Piratenpartei, sie sich auch liberal gibt, auch bei der Bundestagswahl 2013 noch eine Rolle spielen werde. Dass die Piraten eine dauerhaft Erscheinung sind, glaubt die Juristin aber nicht. Dass die FDP verschwinden könnte, hält Tatjana Wolf hingegen für unwahrscheinlich. Es sei jetzt viel die Rede von der Graswurzeldemokratie. „Es muss von von unten und von oben kommen“, sagt Tatjana Wolf. Deswegen lade die FDP Mitglieder und Gäste in dieser Woche auch zu einer Veranstaltung über das Wesen des Liberalismus ein. „Frank Schäffler hat das Thema vorgeschlagen.“ Im März soll eine Veranstaltung zu „Bürgerrechten“ folgen.

Kein Kontakt zu möglichem OB-Kandidaten

Bei der Konstanzer Oberbürgermeisterwahl wolle die FDP einen bürgerlichen Kandidaten unterstützen. „Aber das Amt scheint niemanden zu interessieren“, meint die FDP-Vorsitzende. Noch hat sich kein Kandidat geoutet und mit der FDP habe bisher noch niemand gesprochen. Noch nicht einmal vertrauliche Gespräche zwischen den Parteien habe es gegeben. Tatjana Wolf findet, dass die Zeit so langsam knapp wird. Ein Bewerber oder eine Bewerberin müsse sich positionieren, auch wenn der eigentliche Wahlkampf erst später beginne.

Bitte keinen Ideologen als OB

„Wir brauchen eine starke Persönlichkeit“, sagt Tatjana Wolf. Die städtischen GmbHs seien an der Spitze personell sehr gut aufgestellt. Ein Oberbürgermeister müsse sich durchsetzen können. Auf gar keinen Fall möchte Tatjana Wolf einen „Ideologen“. Ein Oberbürgermeister müsse ein Oberbürgermeister für die ganze Stadt sein. „Ich finde Horst Frank hat das gut gemacht – er hat sach- und nicht parteibezogen entschieden.“ Weiter sagt Tatjana Wolf: Ein OB müsse eine Person sein, bei der sich die Menschen gut aufgehoben fühlen und der sie vertrauen. Die FDP werde keinen eigenen Kandidaten suchen – das sei nicht Sache der kleinsten Partei.

Lieber nicht mit Philipp Rösler

Doch wer ist eigentlich Tatjana Wolf? Wo steht sie politisch? Auf die Frage, mit wem sie lieber einen Kaffee trinken würde, mit Gerhart Baum oder Philipp Rösler, antwortet Tatjana Wolf: „Mit Gerhart Baum.“ Baum steht für den Sozialliberalismus und alte Werte und Erfolge der Bürgerrechts-FDP. Tatjana Wolf macht keinen Hehl daraus, dass sie gern eine sozialliberalere FDP hätte. Trotzdem schiebt sie nach, dass sie Rössler für einen guten Gesundheitsminister hielt und er es jetzt schwer habe und sie sagt, dass Wirtschaftsliberalismus und Leistung an sich nicht schlecht seien. Die Auswüchse der Finanzmärkte sieht Tatjana Wolf aber kritisch.

Kind nicht mit dem Bade ausschütten

„Wir müssen aufpassen, dass Leistung nicht zu einem Schimpfwort wird“, meint Tatjana Wolf. Leistungen erbringen nach Überzeugung der FDP-Vorsitzenden nicht nur Spitzensportler oder Chefärzte, sondern auch Sachbearbeiter. So sagt sie es. „Wir müssen die Auswüchse des Kapitalismus in den Griff bekommen, wir dürfen aber nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.“ Sie habe auch so ihre Schwierigkeiten damit, wenn gefordert werde, dass das Primat der Wirtschaft wieder durch das Primat der Politik ersetzt werden soll. „Mir ist es lieber ein Mittelständler entscheidet als ein junger Karrierepolitiker.“

Vorsitzende wünscht sich mehr Aktive

Tatjana Wolf sagt, dass sie sich von aktuellen Umfragen nicht beeindrucken lasse. Sie möchte in den kommenden Monaten motiviert arbeiten. Auf die Frage, was sie sich wünschen würde, wenn sie einen Wunsch frei hätte, antwortet sie: „Dass der Ortsverband aktiver dabei wäre.“ Tatjana Wolf sagt: „Ich dachte, ich bin in einem politischen Verein, um politisch zu diskutieren,“ Das sei heute offenbar nicht mehr so. Wer durch 20 Talkshows und Kanäle mit Nachrichten zappe, fühle sich anscheinend ausreichend informiert. Auch das Interesse an den öffentlichen Fraktionssitzungen sei sehr eingeschränkt. Das sei aber sicher kein Einzelphänomen, das nur die FDP betreffe. Eine Durststrecke möchte Tatjana Wolf mit ihrer FDP überwinden. Sie sagt: „Ich mache die Arbeit gern.“

Liberalismus-Debatte im kleinsten Saal

Anscheinend backt die Konstanzer FDP vorsichtshalber trotzdem erst einmal kleinere Brötchen. Für die Veranstaltung mit dem Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler am Donnerstag, 2. Februar, um 19 Uhr im Hotel Barbarossa hat die Partei nur den kleineren Gerstensack reserviert.

Foto: wak

 

 

Ein Kommentar to “Konstanzer FDP-Vorsitzende Tatjana Wolf: Lieber auf einen Kaffee mit Gerhart Baum”

  1. Lars
    31. Januar 2012 at 12:05 #

    Die Piraten werden nicht überleben – die FDP schon? Ich glaube da hat jemand den Sinn für die Realität komplett verloren! Wer sich die letzten Umfragewerte ansieht, kann ganz leicht erkennen, dass die Piraten sich auf einem aufsteigenden Ast befinden, wogegen die FDP bereits dabei ist, den Stamm herunterzurutschen. In so manchen Umfragen wird die FDP schon gar nicht mehr separat aufgeführt – die Piratenpartei schon (und das sogar teilweise mit 2-stelligen Prozentwerten)!

    Vielleicht sollten es manche Menschen einfach mal lernen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und die Realität zu akzeptieren – wäre eventuell besser für alle.

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