Konstanzer Galerie Geiger zeigt Spoerris abgegessene Tische mit Goldfischli

Neue falsche Fallenbilder des 82-Jährigen – Von der Provokation zur Geldanlage

Konstanz. Die Konstanzer Galerie Geiger zeigt Fallenbilder des Künstlers Daniel Spoerri. Drei Jahre lang bereitete die Galerie die Ausstellung vor. Seit Samstagabend sind abgegessene Tische mit Teeservices samt Gebrauchsspuren und übrig gebliebenen Goldfischli in der kleinen, feinen Ausstellung am Fischmarkt zu besichtigen. Daniel Spoerri, ein Mitglied der losen Künstlergruppe Nouveau Réalisme, hat mit seinen Arbeiten Anfang der 60-er Jahre an der Erhabenheit der Kunst gekratzt. Heute sind seine gedeckten Tische keine Provokationen mehr, sondern kosten ein paar Zehntausend Euro und gelten als gute Geldanlagen.

Spoerri in den 60-er Jahren

Ende der 50-er Jahre und Anfang der 60-er Jahre schuf Spoerri seine ersten Fallenbilder. Der Mitbegründer des Nouveau Réalisme fing Alltagssituationen ein. Spoerri schuf Collagen mit plastischen Objekten, die auf einer Grundplatte, in seinem Fall einem Tisch, befestigt sind. Diese Assemblagen machten ihn berühmt. Eine Zeit lang betrieb Spoerri ein Restaurant und konservierte abgegessene Tische, gerade so wie seine Gäste sie verlassen hatten.

Nachgeborene von Marcel Duchamp

Der in Rumänien geborene und zwischen der Schweiz, Deutschland, Holland und Frankreich pendelnde Spoerri war ein Netzwerker. So sagte es Kunsthistoriker Stephan Geiger bei der Vernissage am vergangenen Samstagabend. Namen wie der von Marcel Duchamp, Mitbegründer der Konzeptkunst und Wegbegleiter des Dadaismus und Surrealismus, schwirrten durch den Raum. Nouveau Réalisme (Neuer Realismus) – das war eine lose Künstlergruppe um den Kunstkritiker Pierre Restany, die als programmatische Bewegung Anfang 1960 entstand – und Marcel Duchamp war so etwas wie der geistige Vater. Niki de Saint Phalle und Christo sind weitere Namen, die Geiger in einem Atemzug mit Spoerri nennt.

Spoerri, Warhol, Beuys

Daniel Spoerri wurde über Nacht berühmt, als das Museum of Modern Art in New York früh eine Arbeit Spoerris kaufte. Das war damals eine Sensation, sagte Stephan Geiger. Andy Warhol, die Ikone der US-amerikanischen Pop Art, die auch mit Campbell´s Suppendosen berühmt wurde, und Joseph Beuys, der Erfinder der  Sozialen Plastik als Gesamtkunstwerk, wären ohne Spoerri nicht denkbar gewesen, so Geiger. Viel kann Stephan Geiger auch über den Nouveau Réalisme in Europa und die Pop Art in den USA berichten.

Ein bisschen surreal und Dada

Die Konstanzer Galerie zeigt mittlerweile schon die vierte Einzelausstellung des Künstlers und Finders von Alltagssituationen, dessen Werke dadaistischen und surrealistischen Charme versprühen. Außer Mosaiktischchen mit leergetrunkenen Teetassen und Gebrauchsspuren, hängen in der Galerie auch Herbarien, Sammlungen gepresster Pflanzen. Das Naturhistorische Museum Wien zeigte gerade erst bis 17. September 2012 die Ausstellung „Daniel Spoerri im Naturhistorischen Museum – ein inkompetenter Dialog?“. Der inzwischen 82-jährige Erfinder der Eat-Art hatte sich auf einen unkonventionellen Dialog mit den Museumssammlungen eingelassen. Die Konstanzer Ausstellung trägt den Titel „Faux Tableaux-piège“.

Falsche Fallenbilder

„Faux Tableaux-piège“ heißen die in Konstanz gezeigten Fallenbilder, weil es „falsche Fallenbilder“ sind. Die Mosaiktische sind kein Zufall. Spoerri fing an zu arrangieren. Er hat die Bilder, die an der Wand hängend ausgestellt werden, fixiert. Die Goldfischli, und Krümel liegen und die Silberschalen stehen nicht ganz zufällig so wie sie liegen und stehen. Deswegen sind es „falsche Bilder“.

Keine Kordel vor den Exponaten

Wer sich die Konstanzer Ausstellung anschaut, kann sich den Bildern so weit nähern wie in keinem Museum der Welt. Eine Kordel gibt es nicht. Das Berühren der wahrscheinlich doch sehr fragilen Kunstwerke ist aber streng verboten. Auch deswegen öffnet die Galerie bei der Konstanzer Kunstnacht 2012 ausnahmsweise nicht. Für einen Massenansturm eignet sich die Ausstellung in der kleinen Galerie nicht.

Öffnungszeiten der Galerie

Zu sehen sind Daniel Spoerri – Faux Tableaux-piège noch bis 17. Oktober 2012. Der Eintritt in die Galerie am Konstanzer Fischmarkt ist frei. Öffnungszeiten der Galerie sind Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr und Samstag 11 bis 17 Uhr oder jederzeit nach Vereinbarung. Das erste Exponat ist bereits verkauft.

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