Konstanzer Kinderärzte und Eltern kämpfen für Kinderklinik

Mehrere Tausend Unterstützer der Kampagne für Kinder- und Jugendklinik – Kinderabteilung wäre die Alternative

Konstanz. Mehrere Tausend Konstanzer sollen es sein, die sich bereits in Unterstützerlisten eingetragen haben. Und auch die Facebook Gruppe Für eine Kinder- und Jugendklinik in Konstanz hat mehr als tausend Mitglieder. Wenn es zu einer Fusion der Krankenhäuser im Kreis Konstanz kommt, werden nicht mehr alle Abteilungen an allen Standorten angeboten. Entbrannt ist der Streit um die Kinderklinik.

Desaströse finanzielle Lage des Klinikums

Im Januar hatte der Konstanzer Bürgermeister Claus Boldt klare Worte gesprochen. Unerwartet deutlich und ungeschönt beschrieb der Konstanzer Sozialbürgermeister Claus Boldt die finanzielle Situation des Konstanzer Klinikums. Würden die Konstanzer weiter machen wie bisher, müsste das Krankenhaus 2015 Konkurs anmelden. Das sagte Boldt. In diesem Jahr erwartet der Bürgermeister ein Minus von einer halben Million Euro.

Holding muss Millionen sparen

Dass es dem Krankenhaus so schlecht gehe, sei ein Ergebnis der Bundespolitik. Alle Regierungen hätten den Krankenhäusern massive Einsparungen auferlegt. Boldt setzt alle Hoffnung auf eine kreisweite Kooperation. Nach Aussagen der Gutachter von PricewaterhouseCoopers (PWC) ließen sich bei einer Kreislösung im nichtmedizinischen Bereich etwa 1,7 Millionen Euro und im medizinischen Bereich 1,5 bis 2 Millionen Euro einsparen.Voraussetzung ist allerdings, dass in den Häusern medizinische Schwerpunkte gesetzt werden.

Eltern sorgen sich um Versorgung von Kindern

Noch ist nichts entschieden und noch vollkommen unklar, welche Krankheiten wo behandelt werden sollen. Doch Konstanzer Eltern sind verunsichert. Sie wissen nicht, wie viel Kinderklinik oder auch wie viel Versorgung von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren es in Zukunft in Konstanz noch geben wird, wenn sich die Klinken im Kreis tatsächlich zusammenschließen und medizinische Schwerpunkte setzen.

Kampagne läuft und läuft und läuft

Bevor sich die Konstanzer an einer Holding beteiligen, haben erst einmal die Kommnalpolitiker das Wort. Der Konstanzer Kinderarzt Berthold Weiner startete eine Kampagne pro Kinderklinik und setzt damit Kommunalpolitiker unter Druck. Die Kampagne pro Kinderklinik hat sich mittlerweile verselbständigt. Tausende haben schon unterschrieben und mehr als 1000 sind der Facebook Gruppe beigetreten. Wie viele Unterschriften pro Kinderklinik es sind, vermögen die Initiatoren aktuell noch gar nicht zu sagen. Immer wieder seien die Listen kopiert worden. Sie liegen seither an allen möglichen Stellen aus.

Streitpunkt: Kinderklinik statt Kinderabteilung

In dieser Woche hat der Konstanzer Kinderarzt und Initiator der Kampagne, Berthold Weiner, sein Anliegen Konstanzer Kommunalpolitikern persönlich vorgetragen. Die Fraktion der Freien Wähler hat bereits einen Antrag formuliert und sich hinter die Forderung gestellt. „Wir möchten eine Kinderklinik für Kinder und Jugendliche in Konstanz“, sagte Gabi Weiner, die für die Freien Wähler im Konstanzer Gemeinderat sitzt. Die Ehefrau des Kinderarztes Berthold Weiner ist alarmiert. Nur eine Kinderabteilung oder nur eine Basisversorgung von Kindern und Jugendlichen in Konstanz wäre ihr zu wenig.

Gabi Weiner: Kinderklinik nicht verhandelbar

Eine Kinderklinik habe eine andere Qualität als ein Kinderzimmer auf der Chirurgie, sagte Gabi Weiner. Gebe es keine echte Kinderklinik mehr, stünden Eltern vor der Entscheidung, ob sie die kleinen Patienten in der Kinderabteilung des Klinikums behandeln lassen würden oder ob sie ihre Kinder nicht doch lieber nach Singen in die Kinderklinik bringen würden. Weiner sagte, Chirurgie, Innere, Gynäkologie und Kinderklinik müsse es auch noch nach einer Fusion in Konstanz noch geben.

Jürgen Puchta: Zwei Kinderkliniken mit zwei Chefärzten unnötig

Jürgen Puchta, SPD-Stadtrat und selbst Arzt, ist der Meinung, dass es eine Grund- oder Basisversorgung von Kindern in Konstanz geben müsse. Das sei auch gar nicht nicht strittig. Eine Kinderabteilung sei sowohl in Konstanz wie auch in Singen ein Muss. Ein krankes Kind oder ein Jugendlicher nach einem Unfall müssten in Konstanz von einem Kinderarzt versorgt werden. Eine Kinderklinik mit eigenem Chefarzt – oder zwei Kinderkliniken im Kreis mit zwei Chefärzten – hält er aber für verzichtbar. „Das wird nicht an beiden Standorten nötig sein“, meinte Puchta. Wo es in Zukunft eine Kinderklinik und wo einer Kinderabteilung geben soll, müsse ausgehandelt werden.

Akutfälle in Singen und Konstanz behandeln

Um eine Basisversorgung anzubieten, brauche es an beiden Kliniken im Kreis Konstanz Kinderärzte, die rund um die Uhr in den Krankenhäusern Dienst tun. Wenn die Eltern in der Nacht mit einem fiebernden Kind kommen oder der Rettungswagen ein verunglücktes Kind bringe, müssten die Kinder im Konstanzer Krankenhaus aufgenommen und die Akutfälle behandelt werden, sagte Puchta. Da Kinder keine kleinen Erwachsenen seien und sie Ärzte ganz anders behandeln müssten, seien Kinderärzte nötig.

Maximale Versorgung an Universitätsklinik

Anders sehe es zum Beispiel aus, wenn bei einem Kind zum Beispiel Verdacht auf Leukämie bestehe. Dann sollte ein Spezialist das Kind behandeln, sagte Puchta. In diesem Fall würde er einen kleinen Patienten weder in die Kinderklinik nach Konstanz noch nach Singen, sondern in eine Universitätsklinik schicken.

Bürgerbeteiligung bei Krankenhaus-Entscheidungen

Puchta sagte nach einem Besuch von Kinderarzt Berthold Weiner bei der SPD, dass es auch Weiner vor allem um die Grundversorgung gehe. Weiner freilich möchte anscheinend aber doch mehr. Er sprach davon, dass es nur einen „aller kleinsten gemeinsamen Nenner“ gegeben habe. Noch in dieser Woche werde sich der Krankenhausausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung mit dem Thema beschäftigen, sagte Gabi Weiner. Erst anschließend berät der Gemeinderat. Die Verhandlungen über eine neue Krankenhaus-Landschaft im Kreis sollten nicht nur hinter verschlossenen Türen stattfinden. Das hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete und Kreisrat Peter Friedrich im Januar erklärt und eine direkte Beteiligung der Öffentlichkeit gefordert. Wenn es um die Zukunft der Kinderklinik geht, wäre das wohl auch dringend geboten.

Hier geht es zur Facebook Gruppe Für eine Kinder- und Jugendklinik in Konstanz

Foto: S. Hofschlaeger PIXELIO www.pixelio.de

 

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