Konstanzer Kneipen unter freiem Himmel im Sommer länger geöffnet

Sperrzeit für Garten- und Straßenwirtschaften soll erst um 24 Uhr beginnen – Anwohnerproteste die Ausnahme

Konstanz. In den Sommernächten von Juni bis August dürfen Konstanzer Gastronomen Gäste ihrer Straßenwirtschaften voraussichtlich wieder bis Mitternacht bewirten. Im vergangenen Sommer hatte es einen Test gegeben. Anscheinend gab es, wie die Bilanz von Stadt und Polizei zeigen, nur wenig Beschwerden von Anwohnern. Deswegen sollen die Kneipen unter freiem Himmel auch in diesem Sommer wieder länger öffnen dürfen. Allein in der Altstadt und in Stadelhofen, wo geschätzt etwa 11.500 Menschen wohnen, gibt es 85 Gaststätten mit Garten- oder Straßenwirtschaften. Die Entscheidung fällt am kommenden Donnerstag im Konstanzer Gemeinderat.

Test im vergangenen Sommer

Auf Antrag des Gastronomie-Verbands DEHOGA waren im in den Monaten Juli und August des vergangenen Jahres erstmals die Sperrzeit für die Außenbewirtschaftungsflächen von Gaststätten probeweise auf 24 Uhr festgesetzt. Viele Konstanzer und Besucher genossen die lauen Sommernächte.

Juni bis August bis Mitternacht

Auch aus Sicht der Verwaltung hat sich dieser „Probelauf“ bewährt. Aus diesem Grund schlägt die Verwaltung vor, künftig in den Monaten Juni, Juli und August die Sperrzeit im Freien auf 24 Uhr festzusetzen, in den übrigen Monaten auf 23 Uhr.

Lange Sommerabende genossen

Die DEHOGA erklärte, dass die längeren Betriebszeiten in Gartenwirtschaften im hochsommerlichen August vergangenen Jahres entsprechend asugenützt worden seien. Sowohl die Touristen als auch die Konstanzer selbst hätten von den erweiterten Öffnungszeiten für Gartenwirtschaften profitiert.

Polizei registrierte kaum Störungen

Das Polizeirevier Konstanz teilte der Stadt mit, dass durch die verlängerten Außenbewirtschaftungszeiten kein zusätzliches „Beschwerdeaufkommen“ registriert worden sei. Die Polizei habe somit keine Bedenken gegen eine Ausweitung der Öffnungszeiten für Garten- und Straßenwirtschaften.

Lärmschutzinitiative hält dagegen

Etwas anders sieht es die Lärmschutzinitiative L.I.N.K. e.V.. Der Verein hatte an seine Mitglieder anonyme Fragebögen verschickt, um die Auswirkungen der Probephase auf die Anwohner zu ermitteln. Danach fühlten sich offenbar insbesondere die Bewohner (L.I.N.K.-Mitglieder) der Altstadt von den Sperrzeiten im Freien bis 24 Uhr zusätzlich beeinträchtigt. Das geschilderte zusätzliche Beschwerdeaufkommen konnte das Polizeirevier Konstanz allerdings, so die Auskunft der Stadt, nicht bestätigen.

Nur fünf Beschwerden beim Bürgeramt

Beim städtischen Bürgeramt seien nach Ablauf der Probephase insgesamt fünf schriftliche Beschwerden eingegangen, die insgesamt sechs Gaststätten – davon fünf im Altstadtbereich und eine in einem Ortsteil – betreffen. Die wesentlichen Kritikpunkte waren nach Auskunft der Stadt: Die Lautstärke steigt mit zunehmender Stunde und zunehmendem Alkoholpegel; nächtliche Ruhestörungen hätten durch den Probebetrieb zugenommen und sich zeitlich bis in die frühen Morgenstunden verlagert (lärmende Trinkgelage; Aufräumarbeiten; Verkehrslärm); Fensteröffnung in Wohnung sei bis 24 Uhr aufgrund von Lärm und Rauchen nicht möglich; Sperrzeit seien häufig überzogen worden; Proberegelung bedeute eine Stunde weniger Schlaf für berufstätige Anwohner.

Bürgeramt greift im Einzelfall durch

Fünf oder sechs der genannten Gaststätten waren bislang der Stadt nicht als Problemlokale bekannt. Die Stadt kommt denn auch zu dem Schluss: „Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass allein im Altstadtbereich und Stadelhofen ein Großteil der geschätzten 11.500 Bewohner von den 85 Gaststätten mit Garten- oder Straßenwirtschaften betroffen sind, ist dieses zusätzliche Beschwerdeaufkommen durch die Proberegelung 2011 als äußerst gering einzustufen.“ Einem Teil der Beschwerden könne – bei festgestellten Verstößen gegen die geltende gesetzlichen Regeln – durch „behördliche Einzelmaßnahmen“ begegnet werden. Übersetzt heißt das: Wenn es sein muss und sich einzelne Gastronomen nicht an die Spielregeln halten, greift die Stadt durch. So sei das Bürgeramt in einem der genannten Beschwerdefälle, bei dem „besonders beengte Verhältnisse zwischen Gartenwirtschaft und Wohnbebauung“ herrschen, seit längerer Zeit tätig. Das teilte die Stadt so mit. In diesem Fall werde in den nächsten Wochen nach einer Lärmmessung über die Vorverlegung der Sperrzeit auf 22 Uhr entschieden.

Einzelne Wirte knallhart anzeigen

Im Klartext heißt das: Wenn sich einzelne Gastronomen in diesem Sommer rücksichtslos verhalten sollten und zum Beispiel Anwohner bis tief in die Nacht aus offenen Fenstern mit lauter Musik und Bässen beschallen oder Gegröle von Gästen bis weit nach Mitternacht zulassen, können sich die Anwohner wehren und Anzeige gegen den Wirt erstatten. Das Bürgeramt kann den Wirt dann ermahnen. Ignoriert er die Regeln, kann ihn das Bürgeramt disziplinieren.

Schönen lauen Sommer genießen

So wie es aussieht wollen sich die Konstanzer aber wegen einzelner schwarzer Schafe ihren langen Sommer und laue Abende und Nächte in Kneipen unter freiem Himmel nicht verderben lassen. Und das ist auch gut so.

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