Konstanzer Kommunalpolitiker erschrocken über Desinteresse an OB-Wahl

Konstanzer Rathaus debattiert über Nicht-Wähler

Konstanzer Rathaus debattiert über Nicht-WählerKonstanz. Das Hauptamt der Stadt Konstanz hat eine Analyse zur Wahlbeteiligung bei der Oberbürgermeisterwahl in Konstanz vorgelegt. Die Kommunalpolitiker zeigten sich erschrocken über die geringe Wahlbeteiligung junger Konstanzer. Das Desinteresse der bis zu 35-Jährigen war groß. Die 18- bis 25-Jährigen wählten im zweiten, entscheidenden Wahlgang eher nicht. Diese Altersgruppe machte nur 8 Prozent der Wählerinnen und Wähler aus.

Nur 27.615 Wähler bei OB-Wahl

Die Analyse, die Eberhard Baier Mitgliedern des Gemeinderats vorstellte, ließ die Kommunalpolitiker zusammen zucken. Die Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang lag bei der OB-Wahl im Juli vergangenen Jahres insgesamt nur gerade einmal bei 44,5 Prozent. Von den 62.263 Wahlberechtigten gaben tatsächlich nur 27.615 Wählerinnen und Wähler ihre Stimme ab. Für OB Uli Burchardt stimmten gerade noch 10.801 Bürgerinnen und Bürger.

Jüngere beteiligten sich nicht

Am ehesten beteiligten sich an der Wahl noch Wählerinnen und Wähler mittleren Alters, die 45- bis 55-Jährigen, sowie die Gruppe der Senioren, die 65- bis 75-Jährigen, die 20,7 und 17,4 Prozent der Wähler ausmachten. Bei den unter 45-Jährigen sah es insgesamt mau aus. Nur 8 Prozent der Wähler waren 18 bis 25 Jahre alt, 10,9 Prozent waren 25 bis 35 Jahre alt und 13,5 Prozent waren 35 bis 45 Jahre alt. Die Alterspyramide der Wählerinnen und Wähler verschmälerte sich nach unten im Vergleich zur Alterspyramide auffällig und geriet komplett außer Form.

Wahlalter sinkt auf 16 Jahre

Eberhard Baier stellte fest: Die Zahl der Nicht-Wähler wächst. Bei den jungen Wählern nimmt das Interesse an einer OB-Wahl anscheinend rapide ab. Das Land das Mindestalter bei Kommunalwahlen dennoch oder vielleicht auch jetzt erst Recht auf 16 Jahre senken.

Mangelndes Interesse an Politik

Jürgen Leipold (SPD), seit mehr als 40 Jahren Mitglied des Gemeinderats und ein erfahrener Kommunalpolitiker, sagte, ihn habe es nicht überrascht, dass bei der OB-Wahl im zweiten Wahlgang Vergleich zum ersten sogar noch weniger Wähler ihre Stimmen abgaben. Die Frage laute nicht nur, wie sich junge Wähler für Kommunalpolitik interessieren ließen, sondern wie ihr Interesse an der Politik überhaupt geweckt werden könnte. Er beobachte einen „massiven Rückgang“ bei den Studierenden und nicht nur beim Interesse an der Kommunalpolitik. Jürgen Leipold erinnerte daran, dass 2014 wieder Kommunalwahlen in Baden-Württemberg stattfinden. Viel Zeit bleibt de Kommunalpolitikern somit nicht mehr, junge Menschen für die Politik zu gewinnen.

Hoffnung auf Social Media

Tatjana Wolf (FDP) stellte die Frage, wie sich die Jüngeren erreichen lassen. Sie sprach von einem Informationsdefizit und regte an, Social Media in Betracht zu ziehen und einen Social Media Workshop für Ratsmitglieder anzubieten. Oberbürgermeister Uli Burchardt zeigte sich offen. „Social Media in der Politik sind ein wichtiges, aber kein einfaches Thema“, stellte der OB fest.

Nicht-Wähler Armutszeugnis

Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU), der wie Jürgen Leipold zu den langjährigen Gemeinderatsmitgliedern gehört und sich seit Jahrzehnten engagiert, sieht Anlass zum Handeln. Auch Müller-Fehrenbach stellte – wie viele andere auch – fest, dass es einen Trend weg vom Print gebe. Die lokale Tageszeitung ist out. Die Jungen Wähler nutzen zwar Social Media, wählten aber trotzdem nicht. Er hielte schon ein Plus von 1,2 oder 5 Prozentpunkten mehr Wählern aus der Altersgruppe der Jüngeren für einen Erfolg. „Es ist ein Armutszeugnis, wenn es mehr Nicht-Wähler als Wähler gibt“, sagte der CDU-Stadtrat.

Idee Amtsblatt

Holger Reile (Linke Liste Konstanz) sah in Social Media nicht die Lösung und brachte ein Amtsblatt ins Gespräch. Der Linke will somit zurück ausgerechnet zum alten Papiermedium.

Ein Kommentar to “Konstanzer Kommunalpolitiker erschrocken über Desinteresse an OB-Wahl”

  1. Fafnir
    19. Februar 2013 at 21:20 #

    Das Wahlalter herunterzusetzen, nur weil so vielleicht an ein paar mehr Stimmen zusammenkommen, ist doch albern. Ein OB, der nur 10.000 Stimmen bekommt und dann vielleicht nochmal 1.000 Kinderstimmen, ist genauso eher nicht gewählt, als gewählt. Vielleicht kommt einer der klugen Wahlanalytiker mal darauf, daß möglicherweise in den Augen der konstanzer Wähler kein geeigneter Kandidat dabei war. Und dass die dann eben alles Mögliche am Wahlsonntag wichtiger fanden, als irgendeinem Dünnbrettbohrer einen Job im Rathaus zu verschaffen. Wem man dann das „Armutszeugnis“ ausstellen sollte, ist wohl klar.

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