Konstanzer Konzilgespräch über German Angst trifft Nerv der Zeit

Freier Eintritt in Konzil zur Talk „Wenn die Angst um sich greift“

Konstanz. Das 6. Konstanzer Konzilgespräch am Freitag, 8. April, beschäftigt sich mit dem Thema „Das ruinierte Vertrauen – Ist Deutschland eine Angst-Gesellschaft?“ So aktuell ist das Konzilgespräch nicht immer. Doch in Konstanz möchte die Talkrunde am Freitag nicht nur über die Angst vor der Atomkraft oder dem Verhalten der Deutschen im Falle von Lybien reden. Alexander Gebauer vom Arbeitskreis Konzilgespräch möchte, wenn zum Beispiel der Autor und Philosoph Richard David Precht auf dem Podium sitzt, gern tiefer gehen.

Angst-Gesellschaft im Fokus

Am 8. April treffen sich kluge Menschen aus Politik, Philosophie, Religion und Geschichte und sie werdenexistenzielle Fragen diskutieren. So oder so ähnlich versprechen es die Veranstalter. SWR2-Moderatorin Ursula Nusser hat vier renommierte Gäste zum Thema „Das ruinierte Vertrauen – Ist Deutschland eine Angst-Gesellschaft?“ eingeladen.

Sind die Deutschen Angsthasen?

Aus einer neuen Studie geht hervor, dass jeder siebte Deutsche unter Angstzuständen leidet. Es sieht so aus, als habe kein anderes europäisches Land ängstlichere Bewohner als Deutschland: sei es Existenzangst oder Zukunftsangst, Phobien oder Panikattacken. Weshalb das so ist und woher diese Ängste stammen, versuchen die Gäste des Konstanzer Konzilgesprächs zu ergründen. Thematisiert wird die Frage, welche Befürchtungen und Ängste real sind und welche von Politikern und Interessengruppen künstlich produziert werden, um daraus Kapital zu schlagen. Auch die Rolle der Medien steht im Fokus des Gesprächs.

Richard David Precht auf dem Podium

Es diskutieren Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSUBundestagsfraktion, der Philosoph und Autor Richard David Precht, Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und Michael Stürmer, Historiker und Chefkorrespondent der Zeitung „Die Welt“. Volker Kauder ist Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Abgeordneter für den Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen. Kauder setzt sich besonders für die Belange sozial Benachteiligter ein und treibt mit seinem Förderverein in Tuttlingen die gesellschaftliche Anerkennung psychisch Kranker voran. „Zu viel Freiheit macht unsicher“, sagt der Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht, der ebenfalls auf dem Podium dabei sein wird. Precht hat unter anderem die millionenfach verkauften Titel „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ sowie „Liebe. Ein unordentliches Gefühl“ veröffentlicht. In der „Angst vor einem Sozialkrieg“ sieht er das drängende gesellschaftliche Problem in Deutschland und plädiert für mehr Mitverantwortung.

Sicht der Kirchen

Als weiterer Gast wird Nikolaus Schneider, der Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), anwesend sein. Er kritisiert eine in Deutschland fehlende Moral- und Wirtschaftsethik. „Die humane Qualität einer Gesellschaft bemisst sich daran, wie sie gerade mit ihren schwächsten Gliedern umgeht“, so Schneider. Inwiefern sich das auf die ängstliche Stimmung der Bevölkerung auswirkt oder vielleicht deren Ursache ist, wird möglicherweise auch Gegenstand des Konzilgesprächs sein.

Rolle der Medien

Ursula Nusser reden außerdem mit dem Historiker und Chef-Korrespondenten der Tageszeitung „Die Welt“, Michael Stürmer. Stürmer war politischer Berater des Bundeskanzlers Helmut Kohl und hat zahlreiche Standardwerke zur deutschen Geschichte veröffentlicht, u. a. „Das Jahrhundert der Deutschen“. Zuletzt erschien „Welt ohne Weltordnung“, eine Bilanz seiner jahrzehntelangen Analysen als Historiker und seiner politischen Beobachtungen.

Mediengespräch als Amuse Gueule

Kluge Köpfe sind zuvor bereits am Montag zu einer Pressekonferenz zusammen gekommen, bei der OB Horst Frank, Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal, Dekan Mathias Trennert-Helwig, Brunio Ragg von der Volksbank, Alexander Gebauer vom Arbeitskreis Konzilgespräch und Ursula Nusser vom SWR schon einmal ein Vorgespräch geführt haben. Nusse fragte, sind die Deutschen die einzigen, die zittern, oder sind sie nur sensibler? Herrn Kauder möchte sie fragen, wie Politiker glaubwürdig werden. Es geht um die German Angst – um die Angst in einem wohlhabenden Land. Und es geht auch um die Rolle der Medien. Dekan Mathias Trennert-Helwig sagte, der Glaube an das ewige Leben könnte den Menschen die Angst nehmen. Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal sieht das Vertrauen in die Technik gestört und fragt, welche neue Rolle Glaube und Religion da spielen könnten. OB Horst Frank sieht in der aktuellen Vertrauenskrise und der Abkehr von der Atomkraft vor allem eine Chance.

Eintritt frei

Die Diskussion findet am Freitag, 8. April 2011, im Konstanzer Konzil statt. Beginn ist um 20 Uhr. Einlass um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Platz haben voraussichtlich 700 bis 800 Gäste. Wer weiter vorn sitzen möchte, sollte etwa eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn im Konzil sein. SWR2 sendet einen Mitschnitt des Konstanzer Konzilgesprächs in der Sendung „SWR2 Forum“ am Montag, 11. April, von 17.05 Uhr bis 18.00 Uhr.

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