Konstanzer Landrat Frank Hämmerle erklärt Umweltskandal für beendet

Sanierungsarbeiten bei teilweise vergifteten Bohlinger Schlammteichen abgeschlossen

Singen/Radolfzell (wak) Die Sanierung der drei Bohlinger Schlammteiche ist abgeschlossen. Das teilte heute das Konstanzer Landratsamt mit. Der Aushub des am stärksten belasteten Teichs und das anschließende Auffüllen mit unbelasteter Erde sei beendet. Rund 24.000 Tonnen des teilweise hochgiftigen Abfalls wurden mittlerweile in verschiedene Entsorgungsanlagen gebracht. Je nach Belastungsklasse des Aushubmaterials sei der Abfall in Bodenbehandlungs- oder Hochtemperaturverbrennungsanlagen in unterschiedlichen Bundesländern entsorgt worden.

Zwei Hektar große verseuchte ehemalige Deponie

Die sogenannten Bohlinger Schlammteiche liegen auf der Gemarkung der Stadt Singen bei den Stadtteilen Bohlingen und Überlingen am Ried. Seit 1973 gehört die Altdeponie aber der Stadt Radolfzell. Auf einem rund zwei Hektar großen Areal waren dort zwischen 1959 und 1975 rund 60.000 Kubikmeter Industrieabfälle, Klärschlämme und Fäkalien in drei Teichen entsorgt worden. Das Gelände liegt mitten in einem Naturschutzgebiet, ausgerechnet im Natur- und Vogelschutzreservat des Radolfzeller Aachrieds, das mittlerweile sogar FFH-Gebiets ist.

Lebensgefahr bei Betreten des Areals

Die Stadt Radolfzell hatte die Schlammteiche vor knapp 40 Jahren gekauft und die Deponie noch zwei Jahre lang weiter betrieben. In dieser Zeit wurden Schlämme aus der Radolfzeller Kläranlage entsorgt. Das aber war noch nicht einmal alles: Abgeladen wurden bei den Bohlinger Schlammteichen auch Abfälle großer Singener Industriebetriebe. Die Deponie war stark belastet. Das Betreten war streng verboten. Schilder am Rande des Geländes warnten, beim Betreten bestehe Lebensgefahr.

Problem-Müll in thermischer Bodenbehandlungsanlage

Etwa die Hälfte des ausgehobenen Materials wurde in einer thermischen Bodenbehandlungsanlage (thermische Desorption) behandelt. Die Entsorgung war mit dem Landratsamt Konstanz im Vorfeld abgestimmt und wurde von der Abfallrechtsbehörde regelmäßig überwacht, teilte das Landratsamt mit. Die im Zuge der Sanierung errichtete Anlage zur Wasserhaltung müsse noch für einige Monate weiterbetrieben werden, ehe diese im Spätsommer dann abgeschaltet werden könne, so das Landratsamt weiter.

Anfang Juni Baustelle abgebaut

Die mit der Sanierung beauftragte Firma Geiger Umweltsanierung habe bereits Ende Mai oder Anfang Juni die Baustelleneinrichtung entfernt und die Wendefläche sowie den Weg im unmittelbaren Bereich der Schlammteiche wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Der Zufahrtsweg zu den Schlammteichen werde erst später im Zusammenhang mit dem Abbau der Anlage zur Wasserhaltung rückgebaut. Sämtliche Arbeiten seien mit den zuständigen Dienststellen in Singen und Radolfzell sowie mit dem Landratsamt abgestimmt worden.

Sanierung kostete acht Millionen Euro

Der vom Landratsamt vorgegebene Zeitplan konnte somit eingehalten werden. Die Gesamtkosten der Sanierung liegen bei etwa acht Millionen Euro und somit um rund zwei Millionen Euro unter den ursprünglich kalkulierten Sanierungskosten. 6,7 Millionen Euro bezuschusse das Land nach den Förderrichtlinien Altlasten.

Umweltministerin Tanja Gönner kommt im August

Um die erfolgreichen Sanierung zu dokumentieren soll es am 3. August eine Abschlussveranstaltung geben, an der auch Umweltministerin Tanja Gönner teilnehmen werde. Landrat Frank Hämmerle sagte, er freue sich, dass eine „komplexe Altlast im Landkreis Konstanz“ nach gemeinsamen Anstrengungen und mit vereinten Kräften der Behörden und der Vertreter der Politik sowie des beauftragten Ingenieurbüros HPC Harress Pickel Consult AG und der bauausführenden Firma Geiger Umweltsanierung jetzt erfolgreich und dauerhaft saniert sei.

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