Konstanzer Meviana Moschee mitten in der Stadt

Gotteshaus am Seerhein wird zehn Jahre alt – Muslime finanzierten ihre Moschee mit eigenem Geld

Konstanz. Mehr als 4000 Muslimas und Muslime leben in Konstanz. Ihre Moschee steht mitten in der alten Bischofsstadt. In diesem Herbst wird das Gotteshaus mit dem Minarett zehn Jahre alt. Bundesweit öffnen am ersten Sonntag im Oktober Moscheen ihre Türen zu einem „Tag der offenen Moschee“.Die Konstanzer Moscheegemeinde lädt in die Meviana Moschee ein und hat doppelten Grund zu feiern.

Fragen zum Islam stellen

Der Vorsitzende der Türkisch Islamischen Gemeinde in Konstanz, Kurban Aras, und Leyla Aribas sitzen auf Holzstühlen vor einer Bäckerei in Konstanz gleich neben dem Schlüsseldienst, den Aras in der Hussenstraße betreibt. Leyla Aribas trägt einen Schleier. „Am 3. Oktober sind alle eingeladen, die Moscheen zu besuchen, mit ihren muslimischen Nachbarn in Kontakt zu treten und Fragen zum Islam zu stellen“, sagt Leyla Aribas. Sie vergleicht den Tag der offenen Moschee so ein bisschen mit einem Kirchenfest in einer christlichen Gemeinde. Wie groß die Neugierde ist und viele Besucher kamen, hatte in den vergangenen Jahren stets damit zu tun, welche Roll der Islam gerade in der öffentlichen Diskussion und in den Medien spielte.Nach den Anschlägen vom 11. September seien die Menschen verunsichert gewesen, entsprechend groß war damals das Interesse von Nicht-Muslimen am Dialog. Sollten in diesem Jahr weniger Besucher kommen, wäre das auch ein Zeichen der Normalität, sagt Leyla Aribas.

Terror nicht islamistisch, jüdisch oder christlich

In Konstanz steht die Moschee mitten in der Stadt. Das Minarett ist – so wie Kirchentürme der christlichen Kirchen – weithin sichtbar. Von der linksrheinischen Seite aus betrachtet sieht es fast so aus, als ob das Gotteshaus in der Stadt am Seerhein zwischen den Häusern stünde. Kurban Aras wird plötzlich energisch und spricht ein paar Sätze besonders deutlich aus. Er sagt: „Terror ist Terror.“ Für ihn sei Terror nicht islamistisch, jüdisch oder christlich. „Wir alle müssen Terrror bekämpfen – fertig“, sagt der Türke, der seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebt und einen deutschen Pass hat. Der Kontakt zur Jüdischen Gemeinde und christlichen Gemeinden sei gut, sagt Kurban Aras. Das Zusammenleben funktioniere. Jedes Jahr kämen auch mehr als 100 Besuchergruppen in die Moschee, unter ihnen auch viele Schweizer. In der Schweiz gilt anders als in Deutschland ein Minarettverbot.

Mehrere Hundert beim Freitagsgebet

Muslimas und Muslime treffen sich – so wie auch in dieser Woche – einmal pro Woche zum Freitagsgebet. Außerdem gibt es Gebete am Opfer- und Ramadanfest – dann kommen mehr als 1000 Gläubige in die Moschee. Das ist ein bisschen so wie mit Weihnachten in christlichen Kirchen. An den Freitagsgebeten nehem etwa 300 bis 400 Männer und Frauen teil, erzählt Leyla Aribas. Unter ihnen seien viele Studenten. Wann das Freitagsgebet stattfindet, hängt vom Stand der Sonne ab. Zur Zeit beginnt es um 13.30 Uhr. Männer und Frauen beten in der Moschee gleichzeitig aber voneinander getrennt – Frauen auf der Loge.

Von der Hinterhofmoschee zum Neubau

Bevor es die Meviana Moschee gab, trafen sich die Muslime in einer Hinterhofmoschee in der Kreuzlinger Straße. Eigentlich müsste jeder Muslim fünf Mal am Tag beten: vor Sonnenaufgang, mittags, nachmittags, nach Sonnnenuntergang und zwei Stunden später noch einmal, erzählen Kurban Aras und Leyla Aribas. Vor zehn Jahren erwarb die Türkisch Islamischen Gemeinde dann ein Baugrundstück an der Reichenaustraße. „Es war eine große finanzielle Herausforderung“, erzählt Aras über den Neubau. Die Gemeinde machte Schulden, die sie noch immer abzahlt. Die Raten stammen aus Mitgliedsbeiträgen und den Einnahmen durch die Vermietung der Fläche für einen Lebensmitteladen im Gebäude. Der Imam wird von der Türkei bezahlt.

Frauen treffen sich in der Moschee

Zum Angebot der Moschee gehört Koranunterricht für Frauen, ein deutschsprachiger Schwesternkreis, in dem sich Frauen austauschen, ein türkischsprachiges Frauentreffen, Wochenendunterricht für Kinder, ein Kunstprojekt für Mädchen und ein Abendessen in der Moschee. Kindern und Jugendlichen will die Gemeinde religiöse Werte vermitteln. Islamunterricht an Konstanzer Schulen gibt es anders als in Kreuzlingen nicht. „Kinder lernen wie bete ich“, sagt Aribas. Sie lesen arabische Texte und sollen erfahren wie sie sich gegenüber ihren nicht-muslimischen Nachbarn verhalten und wie sie mit ihnen sprechen sollen. So sagt es Aribas. „Wir sind sehr transparent“, erzählt die Türkin. „Ich finde es schade, wenn Religion politisiert wird.“ Viele Muslimas kämen erst über die Moschee in Kontakt mit anderen Frauen und mit deutschen Frauen. Die Moschee helfe ihnen aus der Isolation.

Tag der offenen Moschee am Sonntag

Der Tag der offenen Moschee zum zehnjährigen Bestehen der Meviana Moschee in Konstanz beginnt am Sonntag, 3. Oktober, um 11 Uhr. Stündlich gibt es Führungen durch die Moschee. Um 14 Uhr wird der Tag offiziell eröffnet und es gibt einen Rückblick auf „Zehn Jahre Moschee Konstanz“. Besucher dürfen sich außerdem auf Köstlichkeiten aus der türkischen Küche freuen.

Hier geht es zur Website der Moschee.

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