Konstanzer Mietervereinsvorsitzender skandalisiert Abschaffung von Betriebswohnungen

Herber Weber beklagt Wohnungsmangel in Konstanz – Protestbrief an Aufsichtsratsvorsitzenden

Herbert WeberKonstanz. Herbert Weber, Vorsitzender des Deutschen Mieterbunds Bodensee e.V., hat in einem Brief an den Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Konstanzer Stadtwerke ist, kritisiert, dass die Stadtwerke Betriebswohnungen in Bürofläche umwandeln wollen.

Stadtwerke schaffen Betriebswohnungen ab

Die geplante Umwidmung von Werkswohnungen der Stadtwerke Konstanz GmbH stößt auf heftige Kritik des Mieterbundsvorsitzenden. Die meisten Mieter seien bereits ausgezogen. Besonders ärgert sich Weber darüber, dass die Stadtwerke derzeit gerade ein neues Gebäude, den Erergie-Würfel, ein neues etwa 2,4 Millionen Kundenzentrum erstellen und dennoch Betriebswohnungen umwidmen wollten. Der Energie-Würfel hat eine Gesamtfläche von etwa 450 Quadratmetern.

Weber spricht von „wohnungspolitischem Skandal“

In dem Brief an Oberbürgermeister Horst Frank heißt es, die Stadtwerke Konstanz GmbH besäßen auf ihrem Betriebsgelände in der Max-Stromeyer-Straße einige Wohnungen, die für Betriebsangehörige reserviert seien. „Diese sollen in den nächsten Wochen zu Büros umgebaut werden“, so Weber. Der Vorsitzender des Deutschen Mieterbunds Bodensee e.V und SPD-Stadtrat erklärte: „Ich halte dies für einen wohnungspolitischen Skandal.“

Appell an den Konstanzer OB

Weiter schreibt Weber an den OB: „Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, werben in einem offenen Brief mit den Rektoren der Konstanzer Hochschulen dafür, Wohnungen und Zimmer für Studierende zur Verfügung zu stellen.“ Weber kristisiert: „Fehlende Wohnungen treiben die Mieten in einem Ausmaß in die Höhe, dass auch der Hochschulstandort Konstanz darunter leidet.“ Er erinnert den OB an die Situation der schlechter Verdienenden: „Die Notfall- und die Warteliste der WOBAK muss ich in diesem Zusammenhang gar nicht erwähnen. Sie wissen dies ebenso gut wie ich.“ Für Weber steht fest: „Daher ist es mehr als unverständlich, wenn die Stadtwerke als städtische Tochtergesellschaft in Zeiten des Wohnungsmangels Wohnungen in Büros umwandelt.“

450 Quadratmeter Fläche im Energie-Würfel

Es sei zweifelhaft, ob das Unternehmen überhaupt neue Büros benötige. Mit erheblichem Aufwand investieren die Stadtwerke in das Prestigeobjekt Energiewürfel, dessen Richtfest am vergangenen Freitag gefeiert worden ist. „Wenn schon in großem Stil neue Betriebsräume geschaffen werden, kann und muss von der Geschäftsführung durchaus erwartet werden, dass sie im Vorfeld den Gesamtbedarf an Räumlichkeiten korrekt ermitteln lässt und bei ihren Entscheidungen berücksichtigt“, so Weber. Der Energie-Würfel soll laut städtischem Pressedienst eine Fläche von 450 Quadratmetern haben.

Leerstände bei Büroflächen in Konstanz

Zudem gäbe es Alternativen auf dem freien Gewerbeflächenmarkt. Tausende Quadratmeter Büroflächen stünden in Konstanz leer und warteten auf Mieter. Weber wörtlich: „Bis vor wenigen Jahren hätte das Zweckentfremdungsverbot die Umwidmung von Wohnraum in Büroflächen verhindert oder zumindest eine öffentliche Diskussion über das Vorhaben erzwungen.“

Drei Fragen an den OB

Weber stellt dem OB drei konkrete Fragen. Er schreibt: „Ich bitte Sie daher um Auskunft zu folgenden Fragen:Wie hoch sind die Kosten für den Umbau der Wohnungen in Büros? Hat das Unternehmen den betroffenen Mietern Ersatzwohnungen angeboten? Welche weiteren Kosten müssen die Stadtwerke Konstanz im Zusammenhang mit dem Umzug der Mieter übernehmen?

Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage

Nach Informationen von see-online geht es um fünf Werkswohnungen. Das Marktforschungsinstitut des IVD Süd e.V. hat für die Region Bodensee die aktuelle Entwicklung der Immobilienpreise untersucht und im „Regionalreport Bodensee 2010″ veröffentlicht. Im Falle von Konstanz sei es so, dass einem geringen Angebot eine überproportionale Nachfrage gegenüber stehe, was die Kauf- und Mietpreise in die Höhe treibe.

Warnung vor weiterer Wohnraumverknappung

Bereits jetzt warnen Mieterbund und auch Studentenvertreter vor einer Wohnraumverknappung, wenn im kommenden Jahr wegen der Einführung des achtjährigen Gymnasiums zwei Abiturientenjahrgänge, der erste G8 und der letzte G9 Jahrgang gleichzeitig an die Hochschulen drängen. Allein in Konstanz sind mehr als 700 zusätzliche Studienplätze geschaffen worden.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.