Konstanzer Münsterplatz: Ästhetik oder Begehbarkeit?

Bürgermeister Kurt Werner sieht Schönheit des Platzes – Sensibilität für Mobilitätseingeschränkte gewachsen

Konstanz. Die CDU-Fraktion des Konstanzer Gemeinderats forderte einen „begehbaren Natursteinweg“ über den Münsterplatz. Der Konstanzer Baubürgermeister Kurt Werner möchte den Charakter der Platzes aber auf gar keinen Fall verändern. In der Frage Ästhetik oder Begehbarkeit des vielleicht schönsten Platzes der Stadt scheiden sich die Geister.

Authentisches Pflaster auf Konstanzer Platz

Der Konstanzer Baubürgermeister Kurt Werner hält den gepflasterten Platz rund ums Konstanzer Münster für einen der schönsten Plätze Deutschlands und den wichtigsten in Konstanz. So hat es Werner am Rande des Bürgerworkshops zum Masterplan Mobilität am vergangenen Samstag gesagt. Als der Platz neu gestaltet worden ist, habe es einen offenen Wettbewerb gegeben. Drei Arbeiten kamen in die Endrunde. Der Baubürgermeister hieß damals noch Volker Fouquet und Kurt Werner war einer der externen Preisrichter. Das Pflaster, so wie es auf dem Münsterplatz verlegt worden ist, sei in der Region heimisch.

Eingeschränkte Aufmerksamkeit für Mobilitätseingeschränkte

Ein bisschen Selbstkritik mischt sich trotzdem in die Schwärmereien des Bürgermeisters. Die Sensibilität für die Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter Personen sei vor ein paar Jahren noch nicht ganz so hoch gewesen. „Die Sensibilität ist gewachsen“, sagte Werner und lobte die Arbeit von Conrad Schechter, dem Behindertenbeauftragten der Stadt Konstanz. In der Gesamtbevölkerung genieße der Platz aber hohe Anerkennung, meinte der Bürgermeister. Die CDU, die den „begehbaren Natursteinweg“ gefordert hatte, hatte ihren Vorstoß im Namen einer Bürgerin gemacht. Davon, dass die Frau mobilitätseingeschränkt sein könnte, war nicht die Rede.

Umbau des Platzes wäre kostspielig

Dass Konstanz den Münsterplatz in seiner Gesamtheit umbaut, hält Werner für nicht machbar. Er sei damals auch mit Städtebaufördermitteln gestaltet worden, sagte Werner. Im schlimmsten Fall müsste Konstanz Geld zurückzahlen. Eine Neugestaltung – wenn die Qualität des Platzes erhalten bleiben soll – sei zudem nicht für ein paar Euros zu haben. Weiter sagte Werner der Münsterplatz habe momentan nicht größte Priorität. Andere Aufgaben wie die Neugestaltung des Bahnhofsplatzes habe Vorrang.

Qualität trieft aus allen Poren

Qualitativ hochwertig ist übrigens auch die Möblierung des Platzes rund ums Münster jetzt im Advent. Statt einer schnöden Holzhütte steht dort vor dem Portal des Konstanzer Münsters die architektonisch anspruchsvollere Münsterbar auf einem Podest neben dem Weihnachtsbaum. Besucher unterhalten sich schräg gegenüber des Roten Hauses an einer langen Theke stehend oder setzen sich auf einen der Strohballen in eine Nische des Verschlags. Alles hier ist ein bisschen exklusiver: Selbst die Münsterwurst ist keine normale Grillwurst, sondern wurde als „Maßanfertigung“ von der Metzgerei Otto Müller eigens für die Bar auf dem Platz erschaffen. Bei so viel Stimmigkeit und Qualität wäre die Beeinträchtigung der Ästhetik des Platzes allein der Funktionalität zuliebe tatsächlich nur schwerlich vorstellbar. Mit entsprechendem Schuhwerk ist die Münsterbar übrigens problemlos zu erreichen.

Foto: wak

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