Konstanzer Nachrücker Till Seiler: Unser Mann in Berlin

Nachgefragt beim neuen Bundestagsabgeordneten von Bündnis90/Die Grünen

Konstanz. Till Seiler ist sozusagen unser Mann in Berlin. Seit Juni ist der Grüne, der zuvor am Konstanzer Ellenrieder Gymnasium unterrichtete, Mitglied des Deutschen Bundestags. Nachdem der Konstanzer Peter Friedrich (SPD) als Minister nach Stuttgart wechselte und sein Bundestagsmandat aufgegeben hat, ist Till Seiler der einzige Abgeordnete aus der Stadt Konstanz, der im Bundestag sitzt [Andreas Jung wohnt laut Bundestags-Handbuch auch in Konstanz, Anm. Seiler]. Wir haben bei Till Seiler einmal nachgefragt.

See-Online: Guten Tag Herr Seiler, wie geht es Ihnen denn so in Berlin? Vermissen Sie den Bodensee an heißen Sommertagen wenigstens ein bisschen?

Till Seiler: Ich vermisse den Bodensee schon. Da ich aber im Juli im Wahlkreis unterwegs sein werde, ergibt sich vielleicht die Gelegenheit, mal im See zu baden.

See-Online: Haben Sie noch einen Koffer in Konstanz? Neulich saßen wir auf einen Espresso auf dem Münsterplatz, als jemand behauptete, Sie seien jetzt komplett nach Berlin umgezogen und hätten Ihre Wohnung in Konstanz aufgegeben. Stimmt das denn so?

Till Seiler: Das ist natürlich Unsinn. Ich mache es genau so wie Andreas Jung: Der Hauptwohnsitz bleibt in Konstanz, so dass ich für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort ansprechbar bin. Lediglich mein Zweitwohnsitz ist in Berlin.

See-Online: Peter Friedrich hatte sein Wahlkreisbüro in prominenter Lage an der Konstanzer Marktstätte. Wo finden wir Ihr Büro?

Till Seiler: Es ist geplant, demnächst ein Büro am Seerhein in der Conrad-Gröber-Straße unmittelbar am Sternenplatz einzurichten. Leider steht noch nicht genau fest, wann das Büro eröffnet werden kann.

See-Online: Gibt es so etwas wie eine Bürgersprechstunde in Konstanz? Wie sieht Ihr Terminkalender aus, wenn Sie im Wahlkreis sind?

Till Seiler: Es wird nach der Eröffnung des Büros jeden Monat eine Bürgersprechstunde geben. Ich werde außerhalb der Sitzungswochen des Bundestages im Wahlkreis präsent sein.

See-Online: Siegfried Lehmann ist seit der letzten Landtagswahl direkt gewählter grüner Landtagsabgeordneter aus Konstanz in Stuttgart. Sie sind jetzt nachgerückt und unser Mann in Berlin. Was möchten Sie für Konstanz im Bundestag erreichen? Wofür machen Sie sich stark?

Till Seiler: Ich möchte mich in der Tat für die Belange des Landkreises Konstanz einsetzen. Dazu gehört die Förderung von Wissenschaft und Technologie in der Universitätsstadt Konstanz ebenso wie die Landwirtschaft im Hegau. Die Bundespolitik muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass auch Konstanz in seiner Randlage profitieren kann. So muss etwa die Bahn-Anbindung verbessert werden.

See-Online: Besitzen Sie eigentlich ein Auto?

Till Seiler: Nein. Ich habe auch keinen Führerschein, um ein solches steuern zu dürfen.

See-Online: Wie stehen Sie zum Ausbau der B 33? Werden Sie notfalls zusammen mit Andreas Jung (CDU) für den Ausbau der Straße kämpfen so wie es Peter Friedrich tat?

Till Seiler: Ich lehne die derzeitige Ausbau-Planung entschieden ab, da die Belange von Umwelt- und Naturschutz sowie des Tourismus nicht hinreichend berücksichtigt werden. Ein besonderes Ärgernis sind die Planungen an der Kindlebild-Kreuzung am Reichenau-Damm: Hier ist eine Art Autobahnkreuz vorgesehen, das so überhaupt nicht in die Landschaft passt. Ich befürworte eine „kleine Lösung“ zur Verbesserung der Verkehrssituation etwa durch einen Umbau der Ampel-Kreuzung an der Waldsiedlung oder den Bau eines Kreisverkehrs an der Kindlebild-Kreuzung. Aus den genannten Gründen werde ich mich nicht für einen Ausbau auf Grundlage der jetzigen Planung einsetzen können.

See-Online: Gestatten Sie noch eine persönliche Frage. Wie kommen Sie nach Berlin und wie häufig legen Sie die Strecke zurück oder, anders ausgedrückt, wie sieht Ihre persönliche CO2-Bilanz aus?

Till Seiler: Ich versuche, Flüge möglichst zu vermeiden und die komfortable Nachtzug-Verbindung via Schwarzwalbahn und Offenburg zu nutzen. Das wird aber wegen des Termindrucks und der großen Entfernung zwischen Konstanz und Berlin nicht immer möglich sein.

See-Online: Seit Juni 2010 sind Sie Co-Sprecher der Projektgruppe Lesben und Schwule beim Landesverband Baden-Württemberg von Bündnis 90/Die Grünen. Sind Sie bei der Parade am Christopher Street Day am Samstag, 16. Juli, in Konstanz dabei?

Till Seiler: Ich bin dabei und werde auch ein Grußwort sprechen. Schließlich handelt sich beim Konstanzer CSD um die größte Demonstrationen für Bürgerrechte und den Schutz von Minderheiten in unserer Region. Jeder Mensch muss in seiner Würde unabhängig von seiner sexuellen Identität respektiert werden.

See-Online: Ist es schwer für Sie, sich in Berlin einzugewöhnen? Sie sind als Nachrücker ja ein Frischling unter alten Hasen. Wissen Sie schon – um halbwegs im Bild zu bleiben – wo der Hase in Berlin so lang läuft?

Till Seiler: Ich bin gerade erfolgreich dabei, es herauszufinden.

See-Online: Haben Sie im Bundestag für den schwarz-gelben Atomausstieg gestimmt?

Till Seiler: Ich habe gemeinsam mit fünf weiteren Abgeordneten meiner Fraktion der Atomgesetz-Novelle von Frau Merkel nicht zugestimmt, obwohl ich den Atomausstieg im Grundsatz unterstütze. Ich kritisiere aber den Zeitplan des Ausstiegs, der vorsieht, dass die letzten Meiler erst 2022 abgeschaltet werden. Ich befürchte, dass der Ausstieg bis dahin wieder in Frage gestellt wird. Nähme Frau Merkel die Sache hinreichend ernst, wäre sie entweder bereit, den Ausstieg im Grundgesetz zu verankern oder einem früheren Ausstiegsdatum zuzustimmen. Ich kann aber auch die Argumente der Mehrheit meiner Fraktion verstehen, die dem Ausstieg zugestimmt hat.

See-Online: Der Hype, den die Grünen erleben, ist beachtlich. Wo sehen Sie die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl?

Till Seiler: Ich bin davon überzeugt, dass wir es durch eine gute Regierungsarbeit im Land schaffen können, das Ergebnis der Landtagswahl in Baden-Württemberg auch bei der Bundestagswahl 2013 zu erreichen.

See-Online: Sind die Grünen eine Volkspartei?

Till Seiler: Nein. Wir sind eine Partei mit klarem inhaltlichen Profil, die es nicht jedem recht machen will.

See-Online: Was wäre der größte Fehler, den die Grünen jetzt machen könnten?

Till Seiler: Wenn wir unsere klare Programmatik verwässern würden, um noch mehr Wählerinnen und Wähler der angeblichen „Mitte“ zu gewinnen. Wir müssen weiterhin entschieden für Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, gute Bildungschancen und gesellschaftliche Liberalität eintreten. Wirtschaftsliberalismus und Steuersenkungs-Rhetorik sollten wir der FDP überlassen.

See-Online: Zum Abschluss noch eine allerletzte persönliche Frage. Möchten Sie irgendwann einmal in ihren Lehrerberuf zurückkehren oder ist Ihr Berufsziel schon immer Berufspolitiker gewesen?

Till Seiler: Ersteres. Es ist mir sehr schwer gefallen, meinen Beruf als Lehrer aufzugeben, um meine Aufgaben im Bundestag wahrnehmen zu können.

See-Online: Vielen Dank fürs Gespräch und schöne Grüße nach Berlin.

Mehr Infos gibt’s auf der Website von Till Seiler.

6 Kommentare to “Konstanzer Nachrücker Till Seiler: Unser Mann in Berlin”

  1. TB
    8. Juli 2011 at 16:51 #

    „Unser“ Mann? Mein Mann ist diese Gestalt nicht. Sein idologisch verbohrter grüner Kleingeist ist kein Aushängeschild für Konstanz. Durch Zeitabsitzen in Parteigremien kann man also auch ohne nennenswerte Kompetenzen in den Bundestag gelangen.

  2. JEDI
    10. Juli 2011 at 08:41 #

    Endlich mal ein Politiker, der das umsetzt, was er vor der Wahl versprochen hat und sich nicht durch persönliche Anfeindungen wie der von „TB“, den Druck von Wirtschaftslobbyisten und CDU-gesteuerten Oberbürgermeistern, unter Druck setzen lässt. Das ist aufrichtig, das gibt Hoffnung!

  3. Bolle Knallquist
    11. Juli 2011 at 11:52 #

    Das naive Urteilsvermögen von Kleinkindern mit beschränktem Kleinkinderhorizont nennt man auch aufrichtig.

  4. JEDI
    11. Juli 2011 at 12:10 #

    Na und Bolle? Was wollen Sie uns mit dieser Wortklauberei genau mitteilen? Vergleichen Sie Seiler mit einem Kleinkind oder sollte das nur zeigen, dass Sie zu semantischen Assoziationen fähig sind? Verkehrspolitik lässt sich so jedenfalls nicht machen!

  5. Bolle Knallquist
    11. Juli 2011 at 12:24 #

    Seiler hat in etwa das Urteilsvermögen eines Kleinkindes. Das hat er bisher kräftig bewiesen. Da ist er aber bei den Grünen in bester Gesellschaft.

  6. JEDI
    11. Juli 2011 at 12:38 #

    Na, da haben wir ja alle Glück, dass es nicht nur die grünen Kleinkinder gibt, sondern auch so intelligente Leute wie unser Bolle. Ab in die Politik, Bolle! Und den Grünen zeigen, was Erwachsen ist. Zum Beispiel nicht nur beleidigen, sondern auch Argumente bringen, wenn man seine Meinung vertritt. Aber bevor es noch schlimmer wird, sollten wir den Dialog hier beenden.

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