Konstanzer Nein zur Gasgewinnung durch „Fracking“

Stadt und Stadtwerke lehnen Methode der Gasgewinnung ab – Sorge wegen Chemikalien im Trinkwasser

Konstanz. Die Stadt Konstanz noch die Konstanzer Stadtwerke lehnen die Gasgewinnung durch „Fracking“ am Bodensee ab. Der Konstanzer Gemeinderat hält „Fracking“ für eine Risikotechnologie. Die Verwaltung soll gegenüber der Landesregierung und anderen, wie zum Beispiel bei Internationale Bodensee Konferenz (IBK) oder auch gegenüber anderen Bürgermeistern und Oberbürgermeistern, die ablehnende Haltung der Stadt zur Erdgasgewinnung durch „Fracking“ zum Ausdruck zu bringen. Konstanz geht es dabei um Schutz des Trinkwasserspeichers Bodensee. Der Beschluss fiel einstimmig.

Oberbürgermeister kritisiert Bergbaurecht

Oberbürgermeister Horst Frank sagte bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag, die Stadt habe leider wenig Mitspracherechte. Das liege daran, dass im Bergbaurecht keine Beteiligung von Kommunen vorgesehen ist. Der Oberbürgermeister sagte, es sei sinnvoll, die Bundestagsabgeordneten aus der Bodenseeregion mit einzubeziehen. Den Antrag, über das Thema „Fracking im Landkreis Konstanz“ zu sprechen, hatte die SPD-Fraktion gestellt.

 Bei „Fracking“ gelangen Chemikalien in den Boden

Als „Fracking“ wird ein technisches Verfahren bezeichnet, bei der in Gesteinen gebundenes, nicht konventionell erschließbares Erdgas mittels Tiefenbohrung in bis zu 1500 Meter tiefe Schichten durch Einpressen eines Gemisches aus Sand, Wasser und verschiedenen Chemikalien mit hohem Druck aufgebrochen und herausgelöst wird. Das Verfahren wird seit einigen Jahren insbesondere in den USA und Kanada angewandt.

Nein der Stadt und der Stadtwerke

Die Stadt Konstanz und die Stadtwerke lehnen angesichts der Risiken eine Gewinnung von Erdgas mittels „Fracking“ in der Bodenseeregion zum Schutz des Trinkwasserspeichers Bodensee ab. Auch die Landesregierung steht der Methode des Fracking grundsätzlich kritisch gegenüber: Es gebe im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen in Baden-Württemberg keine konkreten Überlegungen zum Einsatz von Fracking, hatte zuletzt Umweltminister Franz Untersteller in einem Brief an den Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank geschrieben.

Brief Unterstellers

Einige Stadträte fanden den Brief aber offenbar nicht als ausreichend. SPD-Stadtrat Jürgen Ruff sprach von „vagen Formulierungen“ Unterstellers. Charlotte Biskup (FGL) wie darauf hin, dass es bei der Nutzung der Risikotechnologie keiner Umweltverträglichkeitsprüfung bedürfe, was wiederum mit dem Bergbaurecht zusammenhängt. Andreas Ellegast (CDU) fand die Sorge um den Trinkwasserspeicher Bodensee berechtigt und sagte, seine Fraktion unterstütze den Antrag. Johannes Hartwich (FDP) sagte, es sei wichtig rechtzeitig über das Thema zu diskutieren. Er wünschte sich, mehr auf „Alternativenergien“ zu setzen.

 Keine Entwarnung

Ewald Weisschedel (FW) verwies hingegen auf einen Beitrag des Magazins Spiegel , in dem über eine Studie berichtet worden ist, die „Fracking“ als ungefährlich darstellt. Oberbürgermeister Horst Frank wies darauf hin, dass spätere Studien diese Aussagen wieder relativieren könnten. Er hält den Einsatz von Chemikalien für gefährlich. Jürgen Ruff (SPD) drängte darauf, dass das Verfahren geändert und die Kommunen an Genehmigungen beteiligt werden müssten. Er forderte die frühe Einbindung der Gemeinden und der Internationalen Bodensee Konferenz (IBK).

httpv://www.youtube.com/watch?v=dZe1AeH0Qz8

Ein Kommentar to “Konstanzer Nein zur Gasgewinnung durch „Fracking“”

  1. enerpremium Energieausweis
    7. März 2012 at 09:19 #

    Es ist unbegreiflich, dass Fracking immer wieder in verschiedenen Ländern gestattet wird, obwohl mittlerweile doch sicherlich alle um die Gefahren dieser Methode wissen. Die Studie, die im Spiegel angeführt wird, ist zudem höchst zweifelhaft. Hier sollte mal überprüft werden, wer die Studie finanziert hat, bevor man an diese Beschwichtigungsversuche glaubt. Meinen Informationen nach gab der Shell-Konzern der für die Studie zuständigen Universität eine nette Finanzspritze – da kann sie ja wohl kaum eine unabhängige Studie sein. Es sollte besser in Erneuerbare Energien investiert werden, anstatt diese Ausbeutung unseres Lebensraumes weiterhin zu unterstützen.
    Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium

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