Konstanzer Nycomed-Mitarbeiter enttäuscht und empört

Nach dem Kahlschlag für den Standort Konstanz und im Vertrieb – Protest am 24. Januar auf der Konsanzer Marktstätte

Konstanz. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Bergbau, Chemie Energie protestieren gegen den Kahlschlag in Konstanz. Vor rund fünf Jahren habe der Standort Konstanz schon etwa 800 Arbeitsplätze durch den Verkauf der damaligen Altanapharma an die Nycomed verloren. Jetzt seien schon wieder Hunderte Menschen vom Verlust ihres Arbeitsplatzes betroffen. Die Eigentümmer hingegen hätten immer Gewinn gemacht. Das kritisierte Betriebsratsvorsitzender Rolf Benz. Am Dienstag kommender Woche, ist eine Protestkundgebung auf der Konstanzer Marktstätte geplant.

Enttäuschung und Empörung

„Die heute von der Unternehmensleitung bekannt gemachten vorgesehenen Entlassungen von ca. 1200 Mitarbeitern (deutschlandweit) im kombinierten Unternehmen der Nycomed GmbH und der Takeda GmbH, lösten bei den betroffenen Beschäftigten Enttäuschung und Empörung aus.“ Das steht so in einer Erklärung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und des Nycomed Betriebsrats.

Standortvorteile weggewischt

Offensichtlich seien die seitens der Nycomed-Arbeitnehmervertretungen und der Politiker im Vorfeld dargestellten Standortvorteile – und auch die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten – seitens der internationalen Unternehmensleitung entweder ignoriert, oder für verzichtbar gehalten worden. „Betriebsrat und IG BCE halten dies für einen schweren Fehler. In den letzten Jahrzehnten konnte das Unternehmen gerade durch die aus der eigenen deutschen Forschung kommenden Innovationen hervorragende Gewinne weltweit realisieren“, heißt es in der Mitteilung der Arbeitnehmervertreter. Wörtlich schreiben Betriebsrat und Gewerkschaft: „Das soll nun vorbei sein, getreu dem Motto ,Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen’“.

Keine Jobs mehr in der Forschung und Entwicklung

Am Standort Konstanz sollen, wie die Arbeitnehmerseite berichtet, von den bisher gesamt etwa 850 Beschäftigten fast alle Forschungs- und Entwicklungsmitarbeiter (etwa 460), sowie weitere rund 250 Mitarbeiter (Vertriebsinnendienst und administrative Bereiche) ihren Arbeitsplatz verlieren. Für die Stadt Konstanz und die Region Bodensee bedeute dies ein „Kahlschlag“ mit schwerwiegenden Auswirkungen.

Schwerer Schlag für Arbeitsmarkt in Südbaden

Bezirksleiter Wilfried Penshorn von der IG BCE: „Zu den schon bekannten Arbeitsplatzverlusten in Südbaden (BASF Grenzach sowie Papierfabrik Albbruck) sollen nun noch einmal rund 700 Menschen aus der Bodenseeregion ihren Arbeitsplatz verlieren. Dass der Produktionsstandort Singen aus heutiger Sicht erhalten bleiben soll, ist nur ein schwacher Trost. Das Unternehmen war und ist in der Vergangenheit ganzheitlich erfolgreich aufgestellt gewesen. Also mit Forschung, Produktion, Vertrieb und den dazugehörenden administrativen Funktionen. Wir werden gemeinsam mit dem Betriebsrat in den kommenden Verhandlungen kämpfen, um das Beste für die Beschäftigten in dieser Situation zu erreichen.“

Mitarbeiter zahlen die Zeche

Betriebsratsvorsitzender Rolf Benz erklärte: „ Es ist unglaublich! Vor ca. 5 Jahren haben wir schon etwa 800 Arbeitsplätze durch den Verkauf der damaligen Altanapharma an die Nycomed verloren und sind für ca. 4,3 Mrd. € ,über den Ladentisch gegangen‘. Jetzt zahlte man für das Unternehmen ca. 9,6 Mrd. € und wieder sollen Hunderte Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Eigentümer haben offensichtlich immer ihren ,Reibach‘ gemacht, die Arbeitnehmer sollen die Zeche bezahlen. Das nehmen wir nicht hin, dagegen protestieren wir und es wird harte Verhandlungen zu dieser Maßnahme geben.“ Damit dürften Verhandlungen über einen Sozialplan gemeint sein.

Aufruf zur Demonstration

Betriebsrat und IG BCE rufen gemeinsam zu einer Demonstration und Protestkundgebung auf der Marktstätte in Konstanz am Dienstagnachmittag, 24. Januar, auf. Weitere Informationen zu dieser Protestkundgebung werden vom Betriebsrat und der Gewerkschaft noch folgen noch.

Foto: IG BCE

 

Ein Kommentar to “Konstanzer Nycomed-Mitarbeiter enttäuscht und empört”

  1. Kreuzlinge
    21. Januar 2012 at 13:48 #

    Nun wen wundert es denn, ich habe vor 8 Jahren Kollegen der der damaligen Fa Byk Gulden vorhergesagt was passieren wird. Ich wurde belächelt. Es begann doch damit , das bei Byk geschlafen wurde was die Forschung anging, dann wurde verkauft. Das war der Anfang vom Ende. Bevor Nycomed einstieg waren ja schon Japaner interessiert. Nun wie wahr: wer hoch fliegt fällt auch tief

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