Konstanzer OB-Kandidaten reden durch und durch grün

Erstes Podium in Petershausen zeitigt mehrere Gewinner – Grüne Politik in Mitte der Gesellschaft angekommen

Konstanz. Wer sind sie, und wenn ja wofür stehen sie? In vier Wochen, am 1. Juli wählt Konstanz einen neuen Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin. Elf Kandidierende gibt es. Der BUND und die Bürgergemeinschaft Petershausen hatten am Donnerstagabend zu einem ersten Bürgergespräch mit mehreren Bewerbern geladen. Fünf Männer und drei Frauen beantworteten mehr als eineinhalb Stunden lang Bürger-Fragen. Alle acht präsentierten sich in der grünen Stadt Konstanz mit grünen Themen. Eine Prognose, wer die besten Wahlchancen hat, ist nach dem ersten Aufeinandertreffen der Kandidatinnen und Kandidaten noch nicht möglich. Nur so viel: Grüne Politik ist in der Mitte der Stadt angekommen.

Treffpunkt Petershausen

Vier Wochen vor der Oberbürgermeisterwahl am 1. Juli hatten an einem schwül-heißen Abend der BUND und die Bürgergemeinschaft Petershausen in den Treffpunkt Petershausen eingeladen. Uli Burchardt, Sylvia Grossmann, Thomas Linz, Mykola Neumann, Sabine Reiser, Sabine Seeliger, Henning Tartsch und Sven Zylla folgten der Einladung. Um Ökologie in Konstanz und um Petershausen sollte es gehen. Etwa 200 Konstanzerinnen und Konstanzer waren gekommen, um sich ein Bild von den Bewerbern zu machen. Sie sahen vor allem grün.

Uli Burchardt angeblich unabhängig

Das erste Podium zeitigte mehrere Gewinner: Neben den gesetzten Sabine Seeliger, Sabine Reiser, Uli Burchardt und Sven Zylla machte zum Beispiel auch der Anwalt Mykola Neumann eine sehr gute Figur. Uli Burchardt (CDU) wirkte anfangs eher unstrukturiert, als er von ÖPNV und Ökologie redete und sagte er sei Forst-Ingenieur. Ach ja, er meinte, er sei gegen Scherben, aber auch gegen Bevormundung. Später wurde Burchardt dann besser, als er sagte, ein Oberbürgermeister müsse führen und es brauche Bürgerbeteiligung. Die Unabhängigkeit des OB sei entscheidend, sagte das CDU-Mitglied Burchardt, das immerhin vom CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und der lokalen CDU-Größe Wolfgang Müller-Fehrenbach Unterstützung erfährt.

Zwei schwächere Kandidaten

Slyvia Grossmann (parteilos) meinte, der Verkehr sei das drängendste Problem und dass man mit dem Rad durch die Stadt „durchfahren“ können müsse. Sie will in Petershausen verdichten. Denn nicht jeder wolle  in Wollmatingen wohnen. Thomas Linz sagte erst einmal „Hallo“ und meinte er sei für einen Rundkurs um die Stadt. Beide redeten viel, aber ihre Auftritte wirkten nur bedingt strukturiert.

Mykola Neumann punktete

Sehr gut orientiert zeigte Miykola Neumann (parteilos). Er hat sich in die Stadtpolitik hinein gewühlt und sprach vom Spannungsfeld zwischen Natur und Tourismusparadies, von Zuzug und Verkehrsaufkommen. Ein Parkhaus am Döbele könnte Entlastung bringen. In Petershausen hält er nur noch maßvolle Nachverdichtung für möglich. „Ich kann die Probleme nicht allein lösen“, sagte Mykola Neumann. Er möchte die Bürger fragen.

Sabine Reiser redete grün

Das will auch Sabine Reiser (CDU) tun, die sagte, 700 Wohnungen seien in Petershausen neu entstanden. Umweltpolitik sei auch Wohnungs- und Verkehrspolitik. Sabine Reiser besetzte grüne Themen, als sie von energieneutralen Häusern und Carsharing redete. Auf dem Döbele hätte sie gern ein Klein-Vauban und darunter eine Tiefgarage. Sie sagte auch Bus und Wasserbus, steckte geschickt ihre Claims ab und sprach davon, Angebote zu machen.

Sabine Seeliger will Bürger hören

Sabine Seeliger (Grüne) wich da lieber gleich auf das Thema Bürgerbeteiligung aus. Bürgerbeteiligung müsse früher beginnen – früher wenigstens als sie in Petershausen begonnen habe. Sie möchte offen sein und auch keine Vorschläge von Bürgern vorschnell aussortieren, die zum Beispiel bei den jeweils etwa vierstündigen Mobilitätsforen erarbeitet worden sind.

Klimaschützer Henning Tartsch

Was wusste Henning Tartsch (parteilos) da noch Neues zu sagen? Es sei extrem viel gebaut worden in Petershausen. Entscheidend sei aber, was noch gebaut werde. Er sprach von den Grenzen der Nachverdichtung und sagte Klimaschutz sei das Mega-Thema des 21. Jahrhunderts.

Sven Zylla lobt Gemeinschaftsschule

Sven Zylla (SPD) berichtete, er sei am Vortag erst durch Petershausen gegangen und auch er fragte nach den Grenzen der Nachverdichtung. Dass eine Gemeinschaftsschule gebaut werde, sieht der SPD-Mann positiv, auch wenn das mit Ökologie und mit Petershausen nicht viel zu tun hatte, und einen barrierefreien Zugang zum Sternenplatz mit Seehas-Halt möchte er auch gern haben.

Bestseller Bürgerpark Büdingen

Die Frage nach dem Büdingen Park lag in Petershausen in der Luft. Sabine Seeliger würde auf die Eigentümer des Parks zugehen und den Park gern für die Bürger öffnen. Dafür bekam sie Applaus. Das würde Sabine Reiser auch so machen und erst einmal mit den Eigentümern, der Ärzteversorgung, reden. Wenn es dann um die Millionen geht, könnte sie sich eine Bürgerstiftung vorstellen.

Energiewende in aller Münder

Das Thema Energiewende bewegte auch die Bürgerinnen und Bürger in Peterhausen. Sabine Reiser sprach ganz praktisch von Bürgersolardächern und Windkraftanlagen in Bürgerbesitz. Sabine Seeliger sagte, die Bundesregierung habe versagt, weshalb die Kommunen die Energiewende alleine schaffen müssten. Sven Zylla möchte, dass die Kommunen selbst Energie erzeugen. Mykola Neumann sieht im Bereich erneuerbare Energien Perspektiven für den Wirtschaftsstandort und Hochschulabsolventen.

Wohnen, verdichten, Neubaugebiete

Beim Wohnen outete sich Uli Burchardt als einer, der in einer wachsenden Stadt auch Bauland entwickeln will. Die Nachverdichtung sehe er „skeptisch“. Sabine Seeliger sieht zu Beginn des Wintersemesters chaotische Zustände auf dem Wohnungsmarkt voraus. Dass das Studiticket für den VHB gelte, ändere daran nichts. Wohnungen im unteren Preissegment fehlten. Henning Tartsch stimmte dem zu und rief in Erinnerung das die Spitze erst mit 17.000 Studierenden in Konstanz erreicht werde. Sven Zylla sagte mit Blick auf verödende Städte in Ostdeutschland, dass er froh sei, dass Konstanz noch wachse. Sabine Reiser sprach von einem Kataster, das Baulücken aufzeige. Der Hafner könne ein neuer Stadtteil werden – aber bitte mit Bürgerbeteiligung.

Fortsetzung folgt am Dienstag

Fortsetzung folgt bei der nächsten Podiumsdiskussion zu Konstanzer Wirtschaftsthemen am Dienstag, 5. Juni, im Konzil Konstanz. Veranstalter sind Treffpunkt Konstanz, Konstanzer Wirtekreis, Dehoga Konstanz, Wirtschaftsjunioren Konstanz-Hegau, Konstanzer Tourismusförderverein und Einzelhandelsverband Südbaden, Medienpartner sind Magazin E1NS, akzent, Radio 7 und Regio TV. Beginn ist um 20 Uhr.

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