Konstanzer OB verspricht: Tempo 20 kommt

Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich am Konstanzer Bahnhof kein Ablenkungsmanöver

Konstanz. Die Erweiterung des Lago-Parkhauses ist beschlossen. Gegner der 226 Stellplätze kündigten direkt nach der Entscheidung weiteren Widerstand an und sagten, sie rechnen mit Klagen. In Zweifel gezogen haben Kritiker auch, dass der von OB Horst Frank versprochene verkehrsberuhigte Geschäftsbereich tatsächlich komme. Alles Quatsch, heißt es sinngemäß aus dem Rathaus. Die Stadt bleibt dabei: Tempo 20 vorm Bahnhof kommt.

Aktionsgemeinschaft verstummt

Die Erweiterung des Lago-Parkhauses in Konstanz war bis zuletzt höchst umstritten. Gegner fürchten auch weiterhin wegen der prognostizierten tausend zusätzlichen Fahrten täglich den Verkehrskollaps. Die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ in Konstanz kündigte Widerstand an und wollte in einer Pressemitteilung nachlegen. Dann ist es aber doch seltsam ruhig geblieben. Ein heißer Herbst und ein Streit über „Konstanz 21“ ist bisher genauso ausgeblieben wie ein weiterer Brandbrief der Initiative.

Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich kommt

Hartnäckig verbreitet worden ist zuletzt lediglich das Gerücht, vor dem Bahnhof könne es gar keinen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich geben, weil es nicht reiche, ein paar Verkehrsschilder aufzustellen. Entsprechende Äußerungen kamen auch von Gemeinderatsmitgliedern. Kriterien für einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich sind laut Fachverband Fußverkehr FUSS e.V. zum Beispiel viele Fußgänger, eine überwiegende Aufenthaltsfunktion, keine Vorfahrtstraßen und wenig Durchgangsverkehr. OB Horst Frank hatte den verkehrsberuhigten Geschäftsbereich vor der Abstimmung übers Lago-Parkhaus versprochen, weil er verkehrsplanerische Voraussetzung für die mittlerweile beschlossene Parkhauserweiterung war. Der städtische Pressesprecher Walter Rügert widerspricht Gerüchten, dass der verkehrsberuhigte Geschäftsbereich nicht kommen könnte. Er sagte: „Das kann man machen.“ Rechtlich sehe die Stadt keine Probleme. Vorgesehen sei Tempo 20. Nicht ausgeschlossen sei es bei einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich grundsätzlich, dass es eine Vorfahrtsregelung gibt. Wenn Busse auf der Strecke fahren, sei es möglich, sagte Rügert.

Begegnungszone in Schritten

Anders als in einer Begegnungszone gibt es in einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich getrennte Flächen für Fußgänger- und Autoverkehr. In Begegnungszonen haben Fußgänger anders als in einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich Vorrang. Statt Schrittgeschwindigkeit sollen die Autos nur auf Tempo 20 herunter gebremst werden. Seitens der Stadt heißt es: Die Umwandlung des geplanten verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs in eine Begegnungszone soll in Schritten passieren. Lago-Investor Cornelius Liedtke hatte angekündigt, die Lago-Investoren würden den Umbau des Bahnhofsvorplatzes mit einem hohen sechsstelligen Betrag unterstützen, so dass die Begegnungszone bis 2013 fertig sein könnte – wenn das Lago-Parkhaus erweitert wird.

Schlingerkurs von Gemeinderatsmitgliedern

Eine hohe Priorität hat die Begegnungszone beim Bahnhof für Mitglieder des Konstanzer Gemeinderats offenbar aber nicht. Aus Spargründen ist der Umbau des Platzes in die Zukunft verschoben worden. Vorgetragen werden immer wieder fadenscheinige Gründe, die angeblich gegen eine schnelle Umsetzung sprechen. Ein solches Argument ist zum Beispiel, dass der Platz erst umgestaltet werden könne, wenn die Bahnhofszeile neu gebaut sei. Andere Gemeinderatsmitglieder bedauerten in Fensterreden zwar, dass die Begegnungszone noch nicht komme, sie setzten sich aber offenbar nicht für das Projekt ein, als die Stadt festlegte, wo sie sparen möchte.

Ein Kommentar to “Konstanzer OB verspricht: Tempo 20 kommt”

  1. Bruno Neidhart
    4. Oktober 2010 at 10:17 #

    Ab 2011 steht im Kreuzlinger Zentrum zwischen Löwen- und Helvetiaplatz (Hauptstrasse) ein ähnliches Werk zur Anschauung an, wie es Konstanz im Bahnhofsbereich plant. Unter dem Stichwort „Boulevard“ entsteht derzeit ein (grüner) Strassenzug ohne Fussgängerstreifen. Die Geschwindigkeit von Fahrzeugen wird entsprechend reduziert. Ein mutiger Schritt. Man wird rasch erkennen, ob die Ziele einer multifunktionalen Einkaufsmeile auf diese Weise zu erreichen sind oder nur einem planerischen Wunschdenken entsprochen haben. Die ultima ratio wäre eine reine Fussgängerzone. Diese lässt sich jedoch nicht überall sinnvoll gestalten.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.