Konstanzer Oberbürgermeister nicht „papstfeindlich“

Peter Lenk: Stefan Mappus persönlich hat Druck ausgeübt

Konstanz (wak) Der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank ist kein „Papstfeind“. Das sagte der Künstler Peter Lenk sinngemäß nach einem Gespräch mit dem Konstanzer OB. Der Oberbürgermeister führte am Montagnachmittag offenbar ein sehr offenes Gespräch mit Lenk. Der OB gab dem Bodmaner Bildhauer beim Treffen zu verstehen, dass er von Stuttgart unter Druck gesetzt worden sei und die Papstfigur deshalb aus dem Konstanzer Bahnhof verbannt werden soll. Das sagte Lenk anschließend.

Lenk hat Verständnis für Oberbürgermeister

Nach dem Gespräch zeigte sich Lenk versöhnlich. Er wolle den Konstanzern nicht schaden, sagte der Künstler, der mit seinen Exponaten immer wieder für Wirbel sorgt. Nach dem Gespräch mit Horst Frank räumte Lenk sogar ein, er könne den Konstanzer Oberbürgermeister verstehen. Frank könne in der verfahrenen Situation gar nicht anders handeln als zu verlangen, dass der Papst aus dem Bahnhof entfernt werden soll.

Mappus vorläufig als Schuldiger identifiziert

Hinter der Forderung stehe Stefan Mappus, der achte baden-württembergische Ministerpräsident, persönlich, so Lenk. Der Ministerpräsident habe Druck auf den Oberbürgermeister ausgeübt. Das habe ihm der Oberbürgermeister bei der Unterredung so gesagt. Die Frage, ob Stefan Mappus den Papst weg haben wolle, habe Horst Frank mit einem Nicken beantwortet. Für Lenk sind nach dem Gespräch mit Frank somit einige Fragen beantwortet. Lenk hatte wohl nicht zufällig schon von Anfang an öffentlich behauptet, die „schwarzen Brüder“ wollten seine Figur weg haben. Mit dem Ausdruck „schwarze Brüder“ meinte Lenk, wie er mehrfach sagte, konservative Politiker und Kirchenmänner. Konstanz fürchte, sollte sich die Stadt dem Willen der Stuttgarter nicht beugen, um finanzielle Zuschüsse fürs Konziljubiläum, so Lenk. Die Pressestelle der Staatskanzlei in Stuttgart war am Montagabend kurzfristig nicht mehr telefonisch für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch eine Anfrage per Mail blieb am Montagabend zunächst noch unbeantwortet.

Papst soll am Mittwoch in Bodman abgegeben werden

Wie lange die Skulptur, die weder ein karikaturenhaftes Portrait Papst Martins V. noch Papst Benedikts VI. ist und lediglich einen „Gaukler“ darstellen soll, noch im Bahnhof stehen bleibt, ist unklar. In einem Brief an Peter Lenk schrieb Tourismus-Chef Norbert Henneberger, dass die Skulptur am Mittwoch, 19. Mai, abgebaut werde. Zwischen 10 und 14 Uhr werde sie in Bodman beim Künstler angeliefert. Wie bereits berichtet, sitzt die fast 700 Kilo schwere Figur auf zwei Stahlbolzen und könnte beim Anheben leicht beschädigt werden. Lenk sorgte sich besonders um die Pobacken der Skulptur. „Ich kenne das schon“, sagte Lenk am Montagabend. „Die Versicherung will dann wieder nicht den ganzen Schaden ersetzen und nur 500 Euro zahlen wollen.“ Damit sei er aber keinesfalls einverstanden.

Kaiser blieb aus Platzgründen draußen

Schließlich hatte nicht etwa Peter Lenk den Konstanzern den Papst wie Sauerbier angeboten, sondern Henneberger hatte Anfang des Jahres den Künstler darum gebeten, die Figur als Leihgabe in der Mobilitätszentrale des Konstanzer Bahnhofs ausstellen zu dürfen. Abgüsse der beiden Originalgauklerfiguren Kaiser und Papst, die die Imperia im Konstanzer Hafen in Händen trägt, standen zu diesem Zeitpunkt in Bodman. „Die Figuren in Originalgröße aus der Nähe zu betrachten, ist für viele interessant“, so Lenk. Da die Maße der Tür, durch die die Papstfigur passen musste, falsch angegeben war, habe es bereits beim Aufstellen „ein erhebliches Risiko“ gegeben, erinnert sich Lenk. Der Kaiser musste aus Platzgründen sogar ganz draußen bleiben.

Auch Kaiserfigur nicht unumstritten

Offenbar erörterte Lenk am Montagabend mit dem Konstanzer Oberbürgermeister auch die Frage, ob es aufgrund der Missverständnisse um die Papstfigur nicht besser gewesen wäre, den Kaiser im Bahnhof aufzustellen. Lenk wehrte aber ab und gestikulierte noch beim Nacherzählen der Episode nach dem Treffen mit Horst Frank wild mit Händen und Armen. „Da hätte es sogar noch mehr Ärger gegeben“, erzählte Lenk. Denn der Kaiser habe einen recht großen „Pimmel“. Wer sich das Relief an der „Taz“-Fassade mit dem verlängerten Penis der Kai-Diekmann-Skulptur in Erinnerung ruft, dürfte dem Künstler diese Aussage „ungesehen“ abnehmen. Und nach einem Papstskandal möchten die Konstanzer kaum auch noch einen Pornoskandal.

Auf den Spuren eines Phänomens

Dabei schaute Lenk am Montagabend ganz unschuldig, als er nach dem Gespräch mit dem OB im „Dolomiti“ sein Eis löffelte. Er legte nebenbei einen neuen Bodenseereiseführer auf den Bistrotisch. „Peter Lenk – Auf den Spuren eines Phänomens“ stand da zu lesen. Weiter hieß es, Lenk schaffe es Stadtverwaltungen und Bürger gleichermaßen in  Bann zu ziehen. In der nächsten Auflage könnte es – nach Abschluss der Papstepisode – vielleicht sogar heißen: Lenk schafft es sein Publikum und das Staatsministerium gleichermaßen in Bann zu ziehen. Eine Antwort aus Stuttgart dürfte demnächst Aufschluss geben.

Zum selben Thema:

http://www.aktuelles-bodensee.de/2010/05/15/am-montag-treffen-zwischen-konstanzer-oberburgermeister-und-peter-lenk/

Foto: Stefan Mappus/Staatsministerium Papstskulptur/wak

2 Kommentare to “Konstanzer Oberbürgermeister nicht „papstfeindlich“”

  1. Fenedig
    18. Mai 2010 at 09:45 #

    Es ist nun wirklich Zeit, die Operette zu beenden. Lenk wollte halt wiedermal öfter zitiert werden – eine höchst banale Geschichte also. Die Sauregurkenzeit, die normalerweise erst im Sommer medial ausbricht, zeigt bereits erste Blüten.

  2. Schreibtaeter
    18. Mai 2010 at 10:11 #

    Na gut, dann sollten die Konstanzer halt auf die Zuschüsse zum Konzilsjubiläum verzichten. Nach der Debatte um die harmlose Papstkarikatur kann man für die Feierlichkeiten ohnehin nur das Schlimmste befürchten. Und was es da im 21. Jahrhundert eigentlich zu feiern gibt, weiß ohnehin niemand so genau.
    Stattdessen könnte man einen Wettbewerb für ein Denkmal ausschreiben, dass an die Ermordung von Jan Hus während des Konzils erinnert. Standort: Münsterplatz, in unmittelbarer Nähe der Kirche. Es wäre spannend zu sehen, wie sich die „Schwarzen Brüder“ dann verhalten.

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