Konstanzer Parkhausgegner befürchten Kollaps des Linienbusverkehrs

Zunahme des Verkehrs in der Bodanstraße = Abschaffung des ÖPNV in Konstanz – Entscheidung kommende Woche

Konstanz. Gegner des Projekts Lago Parkhauserweiterung in Konstanz fürchten wegen des zusätzlichen Verkehrs den Zusammenbruch des ÖPNV an Samstagen. „In der Frage der Parkauserweiterung am Lago herrscht die gleiche fatale Augen-zu-und-durch-Mentalität, die schon die Konzerthausbefürworter geleitet hat.“ Das behauptet die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ Konstanz“. Gutachten zur Verkehrssituation würden ignoriert zugunsten eines „Wird schon irgendwie gut gehen“.

SPD vollzog Wende gegen Parkhaus

Das Thema Erweiterung des Lago Parkhauses um bis zu 250 Stellplätze ist eines der Streitthemen in Konstanz. Am Donnerstagabend hatte sich der Technische und Umweltausschuss mit dem Thema befasst und die Erweiterung des Lago-Parkhauses mehrheitlich abgelehnt. Damit ist nach einer Vorberatung eine Vorentscheidung gegen die zusätzlichen Stellplätze gefallen. In der kommenden Woche dürften sich im Gemeinderat, der den Billigungsbeschluss fassen muss, die Befürworter aus CDU, FDP und Freien Wählern sowie Stadträte der Linken, Grünen und SPD in Sachen Lago Parkhauserweiterung unversöhnlich gegenüber stehen. Die SPD hatte früher noch eine Erweiterung des Lago Parkhauses unterstützt. Diese Kröte gefressen hatten die Sozialdemokraten aber nur , um damit den Bau eines temporären Parkhauses auf dem Döbele zu verhindern.

Parkhauserweiterung nicht ohne Begegnungszone

Ein weiteres Problem: Die Erweiterung des Parkhauses ist an eine Begegnungszone beim Bahnhof gekoppelt. Zur verkehrlichen Auswirkung der Parkhauserweiterung gibt es Gutachten von Modus Consult und Durth Roos Cunsulting. Die Büros erwarten, dass die Parkhauserweiterung eine Zunahme des Verkehrs um rund 1000 Fahrten täglich zur Folge hätte. Die Büros setzen deshalb voll auf die Begegnungszone am Konstanzer Bahnhof. Eine Mischverkehrsfläche mit Tempo 20 sehen die Fachleute als Voraussetzung für die Parkhauserweiterung. Durch die Zone würden die Bodan- und die Konzilstraße vom Durchgangsverkehr entlastet, der sich auf die Laube sowie auf die Grenzbach- und Europastraße, die B 33, verlagern würde. Die Begegnungszone nach Schweizer Vorbild würde dafür sorgen, dass trotz des Mehrverkehrs in Folge der Parkhauserweiterung die Zahl der Autos in der Bodanstraße, auf dem Bahnhofsplatz und in der Konzilstraße weniger würde. Das Problem: Ob es in Konstanz momentan eine Mehrheit für eine Begegnungszone gibt, ist fraglich.

Mehr Feinstaub und Busse im Stau

Für die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ Konstanz“scheint alles klar. Eine Parkhauserweiterung sei ausgeschlossen, meint das Bündnis, in dem auch der frühere Landtagsabgeordnete der Grünen und Sprecher von „Nein-zu-Klein-Venedig“, Günter Schäfer, aktiv ist. Die Praxis und Gutachten zeigten, dass es nicht gehen werde. Mit dauerhaften 220 bis 250 zusätzlichen Parkplätzen werde der Zustand, der in der Innenstadt bisher nur dann herrscht, wenn die ebenerdige Parkfläche (gemeint ist der Bedarfsparkplatz d.R.) geöffnet sei zum Normalzustand gemacht. Wörtlich heißt es in einer Erklärung der Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ Konstanz“: „Dass dann Autofahrer in der Bodanstraße im Stau stehen und die Luft über die Grenzwerte hinaus mit Feinstaub verpesten, ist das Eine, die Preisgabe des verlässlichen, vertakteten Busssystems in Konstanz wiegt jedoch schwerer.“

Staus verursachen 9.360 Stunden Verspätung

Das Bündnis behauptet: „An verkehrsreichen Tagen stehen an allen 240 Bushaltestellen der Stadtwerke – von Paradies bis Dettingen – Leute und warten auf die Busse, die in der Bodanstraße feststecken.“ In einer Verkehrsuntersuchung der Stadtverwaltung wurden laut Aktionsbündnis an einem verkehrsreichen Tag im Jahr 2007 180 Busse mit Verspätung durch Stau auf der Bodanstraße gezählt, betroffen waren alle Linien. „Nimmt man an, dass an jeder Bushaltestelle nur fünf Personen warten, dann summiert sich die gemessene durchschnittliche Verspätung von 2,6 Minuten auf 240 x 5 x 180 x 2,6 = 561.600 Minuten oder 9.360 Stunden, also mehr als ein Jahr an Zeit, die die busfahrenden Konstanzerinnen und Konstanzer nur an diesem einen Tag auf verspätete Busse gewartet haben.“

Keine Anschlüsse an Seehas und Fähre

Wartezeiten seien das eine, die Vertaktung der öffentlichen Verkehrsmittel ist das andere. Wer wieder und wieder den Seehas, die Fähre oder den Anschlussbus verpasse, auf den der Fahrplan abgestimmt war, der werde das Verkehrsmittel Bus in Konstanz nicht mehr einplanen. Das Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ Konstanz“ zitiert aus einer Verkehrsuntersuchung der Stadt: „Dadurch, dass die Verspätungen zum überwiegenden Anteil nur aufgrund der Verkehrssituation an der Bodanstraße entstanden sind, ist der Nachweis erbracht, dass eine punktuelle Pkw-Überlastung zum Zusammenbruch des ÖPNV führt.“

ÖPNV in Konstanz angeblich auf der Kippe

Wie das Ziel des Verkehrsentwicklungsplanes, mehr Anteil der Fahrten auf den ÖPNV zu verlagern, erreicht werden solle, wenn dieser zum Zusammenbruch gebracht werde, müsse wohl das Geheimnis der Stadtverwaltung bleiben. „Die Parkplätze am Lago gehen zu Lasten derjenigen, die sich so bewegen, wie es allseits proklamiert und gewünscht: umweltfreundlich und rücksichtsvoll“, behauptet das Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ Konstanz“.

Parkplatzüberhang in östlicher Altstadt

2005 sei die Stadtverwaltung eigentlich schon weiter gewesen, als sie in einer TUA-Vorlage einen „Parkplatzüberhang in der östlichen Altstadt“ festgestellt habe. Jetzt empfehle sie eine Erhöhung an genau dieser „neuralgischen Stelle“. Deswegen sei es eine Verdrehung der Tatsachen, diejenigen Gemeinderäte, die in der Lage seien, Analysen, Ergebnisse des Scopings, Verkehrszählungen und Gutachten zur Kenntnis zu nehmen, als „Umfaller“ zu bezeichnen. Das Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ Konstanz“ weiter: „Hoffentlich bleibt die FDP wie angekündigt bei ihrem ,besten Verkehrskonzept‘ aus dem Kommunalsahlkampf, in dem sie eine Parkhauserweiterung am Lago klar abgelehnt hat. Damit dürfte freilich nicht zu rechnen sein.

Enttäuschung der Investoren nachvollziehbar

Dass Investoren enttäuscht sind, wenn Gemeinderäte nicht in ihrem Sinne entscheiden, sei nachvollziehbar. Der Beschluss, das Verfahren einzuleiten, Gutachten zu erstellen und die Träger öffentlicher Belange anzuhören, sei aber kein Baubeschluss. „Wer, wie der Südkurier, findet, nach einem solch langen Verfahren sei anständigerweise nur noch Zustimmung zulässig, zeugt von demokratischem Unverständnis. Wenn das Verfahren Ergebnisse bringt, die eine Ablehnung nahe legen, ist die Ablehnung geboten“, so das Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ Konstanz“.

Schluss mit Sonntagsreden

Für Gemeinderäte und die Stadtverwaltung gelte: von sonntäglichem Geschwafel über „notwendige Verhaltensänderungen“ und grünen Wohlfühlbekenntnissen zum ÖPNV habe niemand etwas, wenn bei konkreten Entscheidungen das Gegenteil in Kraft gesetzt werde. „Walk the talk“ heißt es im Englischen – auf Worte Taten folgen lassen: Die Beschlüsse zur Reduzierung des Individualverkehrs zugunsten des ÖPNV umsetzen und nicht durch Druck von Investoren umfallen, fordert Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ Konstanz“. Wegen einer Klausurtagung des Gemeinderats ist die Konstanzer Stadtverwaltung nicht zu erreichen. Auch Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal war aus diesem Grund nicht zu erreichen. Auch Lago Chef Peter Herrmann nahm am Freitag einen Termin außerhalb von Konstanz wahr und war ebenfalls für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Hier geht es zu einem weiteren Beitrag zum Thema Parkhauserweiterung, der im Vorfeld der Sitzung desTechnischen und Umweltausschusses erschienen ist.

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