Konstanzer SPD ignoriert Konstanzer Interessen und wirbt naiv für Seemaxx Erweiterung

Boomende Einkaufsstadt KonstanzKonstanz/Radolfzell. Es kann nur die sengende Hitze und die Temperaturen über 35 Grad gewesen sein, die die SPD-Fraktion im Konstanzer Gemeinderat so ausgeknockt haben. Die SPD im Konstanzer (!) Rat unterstützt offenbar die Vergrößerung des Outlet Centers Seemaxx in Radolfzell.

Nicht im Konstanzer Interesse

Unter der Überschrift „Einzelhandel braucht regionale Abstimmung“ erklärt die SPD, weshalb sie den Radolfzellern zu mehr Verkaufsfläche verhelfen möchte und Konstanzer Interessen sträflich vernachlässigt.

Sozialdemokraten reichen sich die Hände

Die Botschaft der SPD könnte eindeutiger nicht sein: „Die Sozialdemokraten in den Gemeinderäten der Städte Radolfzell und Konstanz befürworten die Erweiterung des Einkaufzentrums Seemaxx in Radolfzell“, heißt es in einer Medienmitteilung der SPD wörtlich. Kein Wort hingegen davon, dass Städte im Wettbewerb miteinander stehen und es dem Konstanzer Einzelhandel aktuell nur deswegen so gut geht, weil Konstanz aufgrund des Wechselkurses eine attraktive Einkaufstadt für zahlungskräftige Schweizer geworden ist.

Konstanzer SPD hängt sich sehr weit aus dem Fenster

Die SPD schreibt in ihrer Medienmitteilung: „Die Betreiber haben ihren Erweiterungsantrag erheblich reduziert.“ Und weiter: „Dadurch beeinträchtigt Seemaxx weder den Einzelhandel in den (!) Nachbarstädten noch das Zentrum der Stadt Radolfzell“, davon seien die beiden Fraktionsvorsitzenden Norbert Lumbe (Radolfzell) und Jürgen Puchta (Konstanz) überzeugt.

Schöne Grüße in andere Städte

Die selbsternannten SPD-Einzelhandelsexperten aus Radolfzell und Konstanz maßen sich somit also auch gleich noch an, Auswirkungen auf dritte Städte beurteilen zu können. Der Handel in anderen Mittelzentren wird sich für diese Bevormundung bedanken. Schöne Grüße auch nach Singen und Überlingen.

Jetzt kommt der Zeigefinger

Alle Städte in der Region müssten die Entwicklung ihres Einzelhandels besser miteinander abstimmen und dadurch ihre Nachbarschaft besser pflegen, erklärten die SPD-Vertreter. „Wir müssen stärker als Region denken und handeln“, sagen sie SPDler übereinstimmend und tun so, als ob es gar keine Rolle spielen würde, ob Kunden ihr Geld in Konstanz, Singen oder Radolfzell ausgeben, wo Arbeitsplätze entstehen und wo Steuern bezahlt werden. Bestenfalls ist das naiv.

Radolfzell im Mittelpunkt

Das Seemaxx sei vor allem als Einkaufszentrum zu sehen, das die Innenstadt in Radolfzell erheblich aufgewertet habe. Das mag ja erfreulich für Radolfzell sein. Im Gegensatz zu Herstellerverkaufszentren, die an Stadträndern oder in kleinen Gemeinden angesiedelt seien, stärke Seemaxx sogar den Handel im Stadtzentrum. Außerdem habe die Stadt Radolfzell vorbildlich eine ehemalige Industriebrache zu einem Anziehungspunkt in der Innenstadt weiter entwickelt, schreibt die SPD in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung. Doch, was soll Konstanz von all dem haben? Diese Antwort bliebt die SPD schuldig.

Hut ab vor so viel Kompetenz

Weiter geht es im Text der SPD dann so: „Doch das Einkaufzentrum steht im Konflikt mit dem Landesentwicklungsplan: Dieser hält Herstellerverkaufszentren nur dann in Mittelzentren wie Radolzfell zulässig, wenn die Verkaufsfläche nicht über 5000 Quadratmeter liegt.“ Doch dieser „Schwellenwert“ sei über zwölf Jahre alt und trage dem wachsenden Flächenbedarf des Einzelhandels nicht mehr ausreichend Rechnung, meinen die Sozialdemokraten.

Wir interpretieren das Landesplanungsgesetz

Das Landesplanungsgesetz sehe für solche „Einzelfälle“ (!) wie das Seemaxx ausdrücklich ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren vor. Danach könnten Ausnahmen von einzelnen Vorgaben des Landesentwicklungsplans gemacht werden, wenn die Gesamtbewertung eines Projekts ergibt, dass es mit den Entwicklungszielen der Raumordnung übereinstimme.

Böses Wort „Umsatzverluste“

Genau dieses sei beim Seemaxx der Fall, mutmaßen die Sozialdemokraten. Die Seemaxx-Betreiber hätten die Bedenken der Nachbarn ernst genommen und ihren Erweiterungsantrag um 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche, verringert. Außerdem wurden die „zulässigen Sortimente“ laut SPD so angepasst, dass der Einzelhandel der Nachbarstädte nur noch „geringfügig“ vom größeren Seemaxx beeinträchtigt werde. „Mögliche Umsatzverluste“ sinken nun angeblich erheblich unter den maßgeblichen Schwellenwert von 10 Prozent, ermittelte laut SPD ein Radolfzeller Gutachten, das so genannte CIMA Gutachten.

Wie mit dem Kuchen

Der Gipfel der Ignoranz: „Die Konstanzer Sozialdemokraten werden in den Beratungen ihres Gemeinderats darauf drängen, dass Konstanz sich nicht mehr gegen ein größeres Seemaxx ausspreche“, lässt sich Puchta zitieren. Die Stellungnahme der Stadt müsse vielmehr die verringerten Ausbaupläne in Radolfzell würdigen. Übersetzt heißt das: Die Radolfzeller nehmen jetzt doch nicht den ganzen Kuchen, sondern verzichten auf ein kleines Kuchenstück. Dafür sollen sie die Konstanzer loben.

Das muss öffentlich werden

Die Konstanzer SPD-Fraktion fordere eine öffentliche Debatte, heißt es weiter. „Es gibt keinen Grund hinter verschlossenen Türen zu diskutieren, wie es der Oberbürgermeister plant“, sagte Puchta.

Information nötig

So eine öffentliche Debatte wäre womöglich tatsächlich sinnvoll und wohl auch nötig, bevor sich noch mehr Konstanzer mit Radolfzellern zusammenschließen und zu echten Geisterfahrern werden. Vielleicht sollten die Diskutierenden in Konstanz mit einer Tour durch den Kreuzlinger Detailhandel beginnen, um sich anzuschauen, wie verwaiste Einkaufsläden aussehen.

Wessen Gutachter was sagt

Während der Radolfzeller Gutachter CIMA auch auf Einwände der Nachbarstädte eingehe, berufe sich ein Konstanzer Gutachter lediglich auf das Prinzip „Kein Factory Outlet im Mittelzentrum“. Konstanz sei aber eine boomende Einkaufsstadt, deren Verkehrsinfrastruktur jedes Wochenende an die Grenzen ihrer Kapazität komme, meint die SPD. Kein Kunde verstehe daher, warum sich die Stadt in Handelsfragen auf „Prinzipienreiterei“ beschränke, so Puchta. Wirklich kein Kunde? Davon, dass der Boom eines Tages auch zu Ende sein könnte, redet der SPD-Gemeinderat lieber nicht.

4 Kommentare to “Konstanzer SPD ignoriert Konstanzer Interessen und wirbt naiv für Seemaxx Erweiterung”

  1. Fafnir
    20. Juni 2013 at 21:31 #

    Anscheinend ist die Konstanzer SPD als einzige Partei in dieser Angelegenheit nüchtern im Verstand und sucht den Dialog mit Radolfzell. Anstatt sich hinter einem protektionistischen Gesetz zu verschanzen, das weder mittelalterliche Zünfte, noch planwirtschaftliche Kommunisten besser hinbekommen hätten. Bravo. Nicht alles ist immer schlecht, was von dieser Partei kommt.

  2. K.
    21. Juni 2013 at 08:45 #

    Wow, das ist ja ein unglaublich reißerischer Artikel.

    Ich meine mich zu erinnern, dass see-online zu Zeiten des OB-Wahlkampfes noch die eigene Objektivität betont hat.
    Dies scheint nun vorbei zu sein.
    Schade, denn ein wenig Objektivität wäre hier dringend angebracht!

  3. neox
    22. Juni 2013 at 12:37 #

    Unglaublich wie wertend, beurteilend und unobjektiv der Autor hier seine eigene Meinung zum Ausdruck bringt.
    Korrekter wäre es gewesen die Pressemitteilung der SPD sachlich wiederzugeben und ein Kommentar, als eigenen Artikel, zu verfassen.
    Wie ich dies bewerte ist schließlich meine eigene Entscheidung und ich bin so gar nicht Ihrer Auffassung.
    Für ein großes Outlet fahren die Menschen sehr weit. Es ist davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil dann auch noch in den Nachbarstädten vorbei schaut. Vielleicht planen auch einige gleich einen Kurzurlaub. Das ist gut für die Region und somit auch für Konstanz.

  4. Detlev Küntzel
    22. Juni 2013 at 15:35 #

    Im Ruhrgebiet hat eine Stadt die ganzen umliegenden Gemeinden eingemeindet: man sieht nun das Ende eines Stadtteils, fährt einige Kilometer und sieht dann das Stadtschild mit einem anderen Stadtteils. Die Geschäfte in den ehem. Dörfern (nun Stadtteile) haben von selbst aus geschlossen.

    Vielleicht gibt es einmal eine Gemeindereform und Allensbach, Reichenau und Radolfzell werden „konstanzerisch“. Die Welt wäre dann wieder in Ordnung: das Zentrumsprinzip müsste nur etwas gelockert werden, was mit dem intensiv gelebten Föderalismus vereinbar wäre.

    Einkaufen dürfte auch situationsbezogen sein: persönlich kaufe ich nur mit Liste ein, wobei man sich doch plötzlich an etwas erinnert. Das Gedächtnis muss noch stärker trainiert werden. Eine Studie über den Wandel des Einkaufsverhalten dürfte aufgrund vieler Einflussfaktoren für ein Stadtmarketing interessant werden und Überraschungen nicht ausgeschlossen sein.

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