Konstanzer SPD-Stadtrat Jürgen Leipold jetzt eine „Lame Duck“?

SPD-Fraktionsvorsitzender kündigte Abschied vom Amt an – Nur ein bisschen Rückzug oder raus aus dem Rat

Konstanz. Dass er es gesagt hat, hat seine Fraktionskollegen in der SPD nicht überrascht. Dass er es in dieser Woche tat und exklusiv in einem Gespräch mit der örtlichen Tageszeitung dagegen schon. Jürgen Leipold (67) hat angekündigt, den Fraktionsvorsitz im Konstanzer Gemeinderat im Januar 2012 aufgeben und auch nicht noch einmal für den Gemeinderat kandidieren zu wollen.

Lahme Ente oder schlauer Fuchs Leipold

Dass er jetzt eine „Lame Duck“, eine lahmer Ente, sein könnte glaubt Leipold offenbar nicht. Ein Abgang Leipolds als „Lame Duck“ – das ist die Bezeichnung für einem Politiker, der noch im Amt ist aber so wie der scheidende SPD-Fraktionsvorsitzende nicht mehr wiedergewählt werden möchte oder kann – ist tatsächlich nur schwerlich vorstellbar. Mehrmals – und das auch schon vor Jahren – hatte er angedeutet, nicht ewig weiter machen zu wollen.

Respektierter Kommunalpolitiker

Leipold gehört dem Gemeinderat seit 1971 – das sind im Oktober 40 Jahre – ununterbrochen an. Er gilt als kompetent, ist gewieft und rhetorisch steckt er viele andere und auch jüngere Gemeinderatskollegen in die Tasche. Respekt hat er sich in den vergangenen Jahren über die Fraktionsgrenze hinaus erworben. Leipold, der neben seiner Frau Brigitte am Ratstisch sitzt, gilt als versierter Haushaltspolitiker und Stratege.

Manchen in der SPD zu mächtig

In der SPD ist Leipold aber nicht unumstritten. Vielen Mitgliedern kommt er als zu mächtig vor. Vorstände des Konstanzer SPD-Ortsvereins taten sich – und das jahrzehntelang – schwer neben Leipold in der Partei und in der Kommunalpolitik zu bestehen und politisches Profil zu gewinnen. Einige haben sich verschlissen. Leipold war stets der mächtige Mann im Hintergrund, der mit entschieden hat, wenn es darum ging, geeignete OB- oder Bürgermeister-Kandidaten zu einer Bewerbung zu ermuntern oder auch, sie fallen zu lassen.

Kein Roter mehr im Rathaus

Dafür, dass Volker Fouquet (SPD), der Amtsvorgänger von Baubürgermeister Kurt Werner, nicht mehr antrat und Johannes Kumm (SPD) bei der Wahl des Fouquet-Nachfolgers durchfiel, machten einige in der SPD – ob zu Recht oder zu Unrecht – Leipold mit verantwortlich. Fest steht: Seit Fouquets Abgang gibt es keinen SPD-Bürgermeister mehr im Konstanzer Rathaus. Jürgen Leipold, der talentierte Strippenzieher, hat zumindest das nicht verhindern können – und auch nicht, dass die SPD bei der letzten Kommunalwahl einen Sitz verloren hat. Der von der Neuen Linie zur SPD gewechselte Frieder Schindele war damals nicht wiedergewählt worden.

Ein Abgang und ein angekündigter Abgang

Leipold ist nun der zweite große „elder“ Stadtrat, der sich zurückzieht. Im April hatte der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Fecker den Vorsitz seiner Fraktion abgegeben. Sein Verzicht kam plötzlich und Fecker trat sozusagen ohne Restlaufzeit ab. Mehrfach hat Leipold zwar in der Vergangenheit parteiintern gesagt, dass er nicht noch einmal bei einer Kommunalwahl antreten wolle. Wann er seinen Rückzug bekannt geben wollte, hatte er aber offen gelassen.

Bernd Sonneck wäre Nachrücker

Offen lässt Leipold weiterhin, ob er nach seinem Rückzug vom Fraktionsvorsitz noch die gesamte restliche Wahlperiode Mitglied des Rats bleiben möchte. Sollte er früher ausscheiden, wäre der Dingelsdorfer Bernd Sonneck der erste Nachrücker, der für ihn in den Rat einziehen würde. Der Dettinger SPD-Ortsvereinsvorsitzende gilt als eigenwillig und unangepasst, nicht als Leipold-Freund und wirkte zuletzt in der SPD außerhalb des Kreises der „Mächtigen“ eher lustlos. Engagiert hatte er sich dagegen in der Bürgerinitiative „Nein-zu-Klein-Venedig“.

Leipold will noch neuem OB begegnen

Gegenüber Parteifreunden soll Leipold geäußert haben, er wolle wenigstens noch so lange im Rat bleiben, dass ihn der neue OB verabschieden könne. Ob er es wirklich so gesagt hat, ist nicht verbürgt. Womöglich müsste er dann aber sogar noch einmal fünf Jahre anhängen – solange könnte Horst Frank nach einer möglichen Wiederwahl jedenfalls noch im Amt bleiben. Der Oberbürgermeister eröffnet in diesem Jahr das Wollmatinger Dorffest und will im zehnten Jahr auch die Besucher des Kinderfestes im Stadtgarten begrüßen. Das war nicht immer so. Derweil spekulieren die Konstanzer darüber, ob sich Frank nach zwei Amtszeiten und vor der OB-Wahl 2012 auf Abschiedstour befindet oder aber bereits in den Wahlkampf gestartet ist.

Nachfolger stünden bereit

In dieser Woche traf sich die SPD-Fraktion in der Sommerpause zum Austausch mit den Singener SPD. Bei dieser Gelegenheit ließ Leipold die Katze aus dem Sack und berichtete, dass er der örtlichen Tageszeitung ein Interview gegeben habe, in dem er seien Rückzug in drei Monaten ankündigte. Als mögliche Nachfolgerin als Fraktionsvorsitzende gilt Hanna Binder, Juristin in Diensten von Verdi, Mutter von zwei Kindern und Ehefrau von Minister Peter Friedrich. Sie ist die Jüngste in der Fraktion. Weitere mögliche Leipold-Nachfolger könnten der Arzt und „Gesundheitspolitiker“ Jürgen Puchta oder der promovierte Biologe und „Verkehrsexperte“ Jürgen Ruff sein. Da die SPD einen Generationswechsel vollziehen möchten, kämen Herbert Weber, Sonja Hotz und Brigitte Leipold als Nachfolger nicht in Frage. Auch Herbert Weber hat seinen 70. Geburtstag bereits gefeiert. Auf den Senior-Partner möchte aber zum Beispiel Jürgen Puchta auch in Zukunft auf gar keinen Fall verzichten.

Jürgen Leipold auf der Gass‘

Wer mit Jürgen Leipold persönlich über seine Beweggründe sprechen oder ihm vielleicht auch schon auf Wiedersehen sagen möchte, hat dazu am Freitag, 2. September, beim Gassenfreitag in der Niederburg Gelegenheit. In der Tulengasse bewirtet die SPD – wie an jedem Gassenfreitag – vor dem Hause der Familie Leipold. Der Gesprächsstoff wir den Genossen nicht ausgehen.

Ein Kommentar to “Konstanzer SPD-Stadtrat Jürgen Leipold jetzt eine „Lame Duck“?”

  1. hans paul lichtwald
    1. September 2011 at 14:26 #

    Sie begreifen das ganze Problem Konstanz nie. Jürgen Leipold gehört zu den eher angenehmen Machtfaktoren. Aber was hat er gegen Hansen (CDU) gemacht? Er hätte ihn zum Landrat gemacht! Das sind die Spiele der Konstanzer Journallie, zu der Sie damals nicht gehört haben. Ich war damals im Kreistag der einzige Journalist mit einer anderen Rechnung. Das ist das Konstanzer Problem. Auch Sie werden es nie begreifen.

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