Konstanzer SPD stört Scherbenteppich an Fasnacht

SPD gegen ein Glas- aber möglicherweise für ein Verkaufsverbot für hochprozentigen Alkohol – Verschmutzung durch Scherben und Lärm angeprangert

Konstanz. SPD-Stadtrat Jürgen Leipold ist fassungslos. Drei Wochen nach dem Schmotzigen Dunschtig arbeiten Mitarbeiter der Technischen Betriebe noch, wie die SPD schreibt, „mühsam“ daran, die Spuren der Fastnacht zu beseitigen. Leipold ist das am Münsterplatz aufgefallen. Er hätte genauso gut Scherben in anderen gepflasterten Gassen und Straßen oder auch den Rande des Stephansplatzes erwähnen können. Auch Emissionen durch Lärm, unter der die Anwohner an der Fasnacht massiv gelitten haben, spricht Leipold an.

Hässliche Begleiterscheinung

Vor allem am Münsterplatz finden sich, was Leipold beklagt, in den Fugen des Kopfsteinpflasters noch unzählige Scherben, die in mühsamer Klein- und Handarbeit entfernt werden müssten. Dies mache jedem klar, dass etwas geschehen müsse, schreibt Stadtrat Jürgen Leipold (SPD) an den Oberbürgermeister. Das Scherbenmeer auf der Marktstätte und auf dem Münsterplatz sei eine „hässliche Begleiterscheinung“ der Fasnacht.

SPD will Vermüllung verringern

Die SPD will im Haupt- und Finanzausschuss des Gemeinderats darüber diskutieren, wie diese Vermüllung verringert oder vermieden werden könnte und hat dies in einem Schreiben an den Oberbürgermeister beantragt. Auffällig gewesen sei, dass vor allem bei Getränkeständen, die auch hochprozentigen Alkohol verkauft hatten und an den Orten, wo Lautsprecheranlagen fest installiert oder längere Zeit standen, besonders viele Scherben liegen geblieben seien.

Ärgernis Rabatt auf Schnaps

Der Antrag der SPD spricht die Rolle der Verkäufer an: Die Kosten der Abfallbeseitigung müsse die Stadt alleine tragen, während einzelne Verkaufsstände große Gewinne aus dem Verkauf hochprozentigen Alkohols ziehen könne. „Besonders unerträglich“ sind in Augen der SPD Rabattaktionen. „So wurde beobachtet, wie einzelne Verkäufer Schnaps im Zehnerpack vergünstigt abgegeben haben“, heißt es in einer Mitteilung der SPD.

Stadt soll auf Emissionen achten

Leipold fordert nun die Stadt zu Gesprächen mit den Anbietern und Veranstaltern auf, wie das Scherbenproblem besser in den Griff zu bekommen ist. Sollte eine freiwillige Vereinbarung nicht möglich sein, wollen die Sozialdemokraten den Straßenverkauf von Alkohol mit Auflagen versehen. Denkbar seien eine Pfandpflicht für alle Glasbehälter und sogar Verkaufsverbote für Hochprozentiges. Auch auf die Lautsprecherwagen sollte die Stadt besser achten und ihre Lautstärke kontrollieren.

Vergleich mit Seestraße

Von der Forderung nach einem Glasverbot an Fasnacht halten die Sozialdemokraten nichts. „Das ist eine populistische Einlage“, meint Leipold. Niemand könne es an Fasnacht wirksam kontrollieren und durchsetzen. „Außerdem würde sich die Stadt auch rechtlich auf schwankendem Grund bewegen“, heißt es weiter. Eines ärgere die Sozialdemokraten besonders: Während im Sommer bei Konflikten an der Seestraße immer von den außerordentlich hohen Kosten der Reinigung gesprochen wurde, sei davon nach der Fasnacht überhaupt nicht die Rede. Dies sei widersprüchlich und inkonsequent.

Stadt nannte erste Zahl

In der Woche nach der Fastnacht hatte See-Online bei der Stadt nach Kosten für die Stadtreinigung gefragt. Die zusätzlichen Kosten für die Sonderreinigungen der Stadt, für das Aufstellen und Abbauen zusätzlicher Müllcontainer und die Entsorgung des Mülls in der Fastnacht, lagen nach Auskunft der Stadt bei 14.000 Euro. Wenn die Putzarbeiten noch weitergehen, dürften noch einige Euros hinzugekommen sein.

Ein Kommentar to “Konstanzer SPD stört Scherbenteppich an Fasnacht”

  1. Franz Sauerstein
    8. März 2012 at 13:12 #

    „Von der Forderung nach einem Glasverbot an Fasnacht halten die Sozialdemokraten nichts. „Das ist eine populistische Einlage“, meint Leipold. Niemand könne es an Fasnacht wirksam kontrollieren und durchsetzen. „Außerdem würde sich die Stadt auch rechtlich auf schwankendem Grund bewegen“, heißt es weiter. Eines ärgere die Sozialdemokraten besonders: Während im Sommer bei Konflikten an der Seestraße immer von den außerordentlich hohen Kosten der Reinigung gesprochen wurde, sei davon nach der Fasnacht überhaupt nicht die Rede. Dies sei widersprüchlich und inkonsequent.“

    Ist das Glasverbot an der Seestraße dann nicht auch populistisch und instrumentalisiert? Bewegt sich die Stadt da nicht auch auf rechtlich schwankendem Grund? Widersprüchlich und inkonsequent, auf jeden Fall! Das Glasverbot an der Seestraße sproß aus einer guten Idee – Reduzierung von Verletztungen durch Scherben – aber das Glasverbot ist weder konsequent durchgeführt noch durchführbar, wurde instrumentalisiert und bastardisiert, um Glas und damit wohl auch Jugendliche von der Seestraße und dem Herosé nach 19 Uhr zu vertreiben – ein Vertreter der Jugendarbeit der Stadt kommentierte: „Die Problematik am Herosé ist ein städtebauplanerische Totalausfall!“

    Nicht Verbote lösen das Scherbenproblem, Aufklärung und Appel müssen dies tun! Die „2%, welche Ärger machen“ (laut Nachtwanderern) und Scherben verursachen müssen vom schlechten Handeln abgebracht werden – nicht die 98% friedlich-vorbildlichen Jugendlichen in ihrer Freiheit beschränkt und kollektiv bestraft werden!

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