Konstanzer Stadtmarketing setzt im Advent auf Verkehrskadetten

Parkbote erscheint pünktlich zum Brückentag nach Allerheiligen – Kreisverkehrswacht bildet junge Kadetten aus

Konstanz. In Konstanz sollen ausgebildete Verkehrskadetten in Zukunft die Verkehrsengel ersetzen. Das hat sich Stadtmarketing-Geschäftsführer Hilmar Wörnle so gewünscht. Die Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau bildet gerade die ersten zehn jungen Männer und Frauen aus. 20 weitere würde die Verkehrswacht ausbilden, wenn sie neue Kadetten für Einsätze bei Großereignissen und in den Straßen von Konstanz begeistern könnte. Rechtzeitig zum Brückentag am 2. November ist außerdem der „Parkbote“, herausgegegben von Stadtmarketing und Stadt, erschienen. Er enthält Hinweise auf P&R-Parkplätze sowie Busse und den Seehas. Wie alle Jahre wieder sollen Bratwurstgutscheine Autofahrer auf P&R-Parkplätze locken.

Konstanz bereitet sich auf Advent vor

Konstanz stellt sich schon Anfang November für den ersten Adventssamstag auf. Die Stadt bereitet sich schon einmal auf die mega Einkaufstage vor, die an Weihnachten 2012 und auch in den nächsten Jahren voraussichtlich noch kommen werden. Denn Großereignisse und Haupteinkaufstage dank des Franken-Kurses gibt es in Konstanz viele.

Verkehrskadetten kommen

Stadtmarketing-Geschäftsführer Hilmar Wörnle hat zusammen mit der Deutschen Verkehrswacht in Sachen Lenkung des Verkehrs einen Schritt nach vorn gemacht. „Freundliche Gesichter“ in signalfarbener Schutzkleidung und mit Funkgerät in der Hand sollen mit Autofahrern künftig kommunizieren, deeskalierend wirken und Autos auf freie Parkplätze in der Peripherie leiten. Konkret: Konstanz setzt in diesem Jahr erstmals auf Verkehrskadetten.

Großereignis Verkehr

Zusammen mit dem Vorsitzenden der Kreisverkehrswacht, Willi Streit, und dessen Stellvertreter Jürgen Penßler geht das Stadtmarketing das Projekt Kadetten an. Als Bobachter und Berater weiß Hilmar Wörnle IVVM Daniel Schlatter mit seiner Firma Innovatives Veranstaltungs- und Verkehrsmanagement (IVVM) an seiner Seite, auch wenn die Stadt kein Budget für den Profi aus Konstanz habe, der sich ansonsten verkehrsmäßig um Großereignisse wie das Southside Festival oder den Papstbesuch in Freiburg kümmert.

Engel überfordert

Beim Gedanken an „restriktive Regelungen“ wie Absperrungen oder Citymaut stellen sich dem Mann, der fürs Stadtmarketing zuständig ist, die Nackenhaare. Er setzte da bisher lieber auf Verkehrsengel. Mittlerweile sei die Aufgabe für seine Engel aber zu groß geworden, erklärt Wörnle. Außer der Polizei darf in Deutschland – anders als in der Schweiz – zwar niemand den Verkehr regeln, aber ausgebildete Verkehrskadetten seien das perfekte Bindeglied zwischen der Polizei und ungeschulten Helfern in Sicherheitswesten.

ÖPNV muss fließen

Beim Googeln fand Wörnle heraus, dass es solche Verkehrskadetten in Deutschland, besonders in Nordrhein-Westfalen, bereits gibt. Um die Schulung werde sich die Kreisverkehrswacht kümmern. Das Stadtmarketing sieht Wörnle in der Rolle des „Geburtshelfers“. Ziel aller Aktionen sei es, so der Geschäftsführer, dass der ÖPNV in Konstanz fließt. Die neuen Verkehrskadetten könnten auch beim Flohmarkt, an Verkaufssonntagen oder in anderen Städten wie Singen zum Einsatz kommen.

Ausrüstung kostet 500 Euro

Willi Streit sagte, in Düsseldorf seien Kadetten seit 1972 im Einsatz. Aktuell sind es 85. Auch in Stuttgart gebe es eine ähnliche Gruppe, die aber „Verkehrsjunioren“ heiße. Gesucht sind nun Jugendliche und junge Erwachsene, die mindestens 14 und höchstens 22 bis 25 Jahre alt sind. Die ersten zehn würden vom 15. bis 18. November von der Verkehrswacht in den Räumen der Polizeidirektion ausgebildet. Anschließend legen sie eine eher anspruchsvolle Prüfung ab und werden von der Verkehrswacht ausgerüstet. 500 Euro pro Verkehrskadett kostet das. Die Verkehrswacht bezahlt die Ausbildung der Kadetten, stellt die Einsätze aber in Rechnung. Die Kadetten selbst erhalten ein Taschengeld. Los geht’s am 2. Dezember. Zu den Aufgaben der Kadetten gehören die Lenkung des Einkaufsverkehrs und Parkplatzmanagement. Jürgen Penßler hofft, dass sich eine Gruppe zusammenfindet, die sich auch einmal in der Freizeit trifft. Hilmar Wörnle möchte gern mit Vereinen wie Segelclubs und Fanfarenzügen zusammenarbeiten.

Kadetten nicht zum Nulltarif

Hilmar Wörnle meinte, es wäre gut, wenn sich alle beteiligen würden, die einen Nutzen von den Kadetten haben. Das sei nicht nur der Handel, der sich aber an der Finanzierung der Kadetten selbst nicht einmal beteiligt. Bisher sind noch 30 Verkehrsengel an den Haupteinkaufstagen im Einsatz, die bezahlt werden müssen. Jeder Tag koste etwa 3.000 Euro. Die zehn ausgebildeten Verkehrskadetten würden, wenn sie zehn Stunde in den Straßen der Stadt unterwegs sind, etwa 800 bis 1.200 Euro kosten. Die Kreisverkehrswacht, ein gemeinnütziger Verein, könnte sich vorstellen, insgesamt etwa 20 Kadetten auszubilden. Hilmar Wörnle wären 40 oder 50 lieber. Solange es nicht genug Kadetten gibt, muss Wörnle weiterhin mit Engeln aushelfen.

Viel Geld für den Advent

Die Stadt lässt sich die Verkehrsregelung an den Adventssamstagen 89.000 Euro kosten, so Weoernle. 19.000 Euro seien für Anzeigen und 70.000 könne das Stadtmarketing ausgeben. Außer Kadetten kosten zum Beispiel auch die Bratwürste Bares. Das Lago und Edeka Baur unterstützen das Stadtmarketing. Der Treffpunkt e.V. steuert Gewinne für eine Tombola bei, damit ÖPNV-Nutzer wieder Lose unter Bussitzen finden können.

Kollaps in Konstanz vermeiden

Insgesamt gibt es dieses Jahr einige unbekannte Größen. Niemand weiß, wie sich die Begegnungszone und die Bauarbeiten in der Oberen Laube auswirken. Nur so viel: Wenn die Parkhäuser belegt sind, werde die Grenzbachstraße gesperrt. Navis leiten Autos nicht mehr von der Europa- durch die Gartenstraße. Parkende Autos von Einkäufern, die im Paradies im Anwohnerparken stehen, bekommen einen Zettel mit dem Hinweis auf Parkplätze und einen Bon für eine Wurst an den Scheibenwischer geklemmt. P&R am Schänzle und auch Stellplätze an Benediktinerplatz sind fest eingeplant. Daniel Schlatter sagte, es gehe um die Entflechtung der Verkehrsströme. Das schütze Konstanz vor dem Kollaps.

Wer Verkehrskadett werden will, kann sich unter info@verkehrswacht-hegau.de oder Stadtmarketing Konstanz melden.

Keine Kommentare bis jetzt to “Konstanzer Stadtmarketing setzt im Advent auf Verkehrskadetten”

  1. spixx
    3. November 2012 at 09:02 #

    Also nochmals für mich, ob ich soweit richtig verstanden habe:
    Hilmar Wöhrle und seine Stadtmarketing haben pro Adventsamstag 22.250 Euro zur Verfügung, jammen aber rum, dass die Verkehrskadetten auch so viel Geld kosten. Und die Bratwürste sind auch nicht umsonst.
    Dazu bekommen alle, die mir als Altstadtanwohner den Anwohnerparkplatz wegnehmen eine Bratwurst umsonst.
    Dazu kommt, dass ich als Steuerzahler dieser Stadt auch noch meinen Anteil an diesen ganzen Kosten entrichten darf.
    Sagt mal, seid ihr eigentlich noch ganz dicht? Es ist mir völlig egal ob H. Wöhrle die Schweizer und Deutschen Einkaufstouristen auf Händen durch die Stadt trägt, aber lasst mich und die anderen Steuerzahler da draussen. Das soll der Handel alleine bezahlen. Die machen auch die Gewinne. Und das übrige Geld soll in echte (Orts-) Polizisten gesteckt werden, so dass man als Konstanzer Einwohner sich über die Adventsamstage einigermaßen frei bewegen kann.

  2. Fafnir
    3. November 2012 at 14:33 #

    Wieso gibt das Stadtmarketing jetzt 70.000 EUR aus, wenn bereits im August gejammert wurde, daß für dieses Jahr ein Verlust von 42.600 EUR erwartet wird?

    Jeder Frisör kauft nicht tonnenweise Haarspray wenn die Kundschaft nicht genug Geld bringt. Aber bei diesen städtischen Gesellschaften gilt: Kann der Geschäftsführer nicht wirtschaften, wird der Steuerzahler am Ende schon irgendwie für die Verluste aufkommen.

    http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Das-Minus-wird-bedrohlich;art372448,5621169

    • wak
      3. November 2012 at 14:53 #

      @Fafnir Dieses Geld ist für Aktionen zur Verkehrslenkung und Verhinderung des Kollaps an den Adventstagen vom Gemeinderat bereit gestellt worden. Das Stadtmarketing muss den Job im Auftrag der Stadt erledigen. So habe ich es verstanden. @spixx Heute Morgen war ich laufen. In der Schottenstraße parkte ein SUV mit Züricher Kennzeichen im Bewohnerparken. Das muss wirklich nicht sein. Wenn jemand gerade beim Einparken ist, spreche ich die Leute oft an, um sie aufmerksam zu machen, weil es mich nervt, wenn wir Bewohner der Altstadt und des Paradieses oft keinen Parkplatz mehr finden.

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