Konstanzer Taximord-Prozess: Reue oder Show des Andrej W.?

Überraschende Äußerungen nach den Plädoyers – Angeklagter spricht doch noch vor Gericht

Konstanz. Im Konstanzer Taximord-Prozess hat der mutmaßliche Mörder am letzten Verhandlungstag vor Verkündung des Urteils unerwartet sein Schweigen gebrochen. Völlig unklar ist, ob Andrej W. echte Reue empfindet oder vor Gericht gelogen hat.

Angeklagter überrascht das Gericht

Als der Vorsitzende Richter Jürgen Bischoff nach den Plädoyers von Staatsanwalt, Nebenklägern und Pflichtverteidigern in Richtung Anklagebank blickte und die Frage stellte, ob Andrej W. zum Schluss doch noch etwas sagen wollte, bejahte der Angeklagte die Frage überraschend. Dass Andrej W. sein Schweigen brach, war das Erstaunlichste am letzten Prozesstag vor der Urteilsverkündung, die am Donnerstag um 15 Uhr stattfinden soll.

Andrej W. redet plötzlich von Reue

Der mutmaßliche Mörder gestand die Verbrechen an den beiden Taxifahrerinnen im Juni vergangenen Jahres am Bodensee. Detailliert schildert der 28-Jährige seine Taten in Singen und Hagnau. Er sagte in seinem Schlusswort auch: „Es tut mir sehr leid“. Er beteuerte: „Ich lüge nicht.“ Andrej W. behauptete: „Ich hätte Hilfe gebraucht.“ Der mutmaßliche Mörder sagte: „Ich habe die Kontrolle über mich verloren.“ Er habe nicht gewusst, was mit ihm los sei. „Ich denke, ich bin nicht schuldig.“ Einige Sätze sprach er auch auf Deutsch. Nicht auszuschließen ist, dass Andrej W. mit seinen Aussagen vor allem das Gericht dazu bewegen wollte, ihn in die Psychiatrie und nicht in eine Haftanstalt einzuweisen. Normalen Strafvollzug hatten die Anwälte der Nebenklage gefordert. Sie gehen davon aus, dass der mutmaßliche Mörder schuldfähig ist und sich nur mögliche Annehmlichkeiten in einer forensischen Abteilung erschleichen möchte.

28-Jähriger spricht über seine Mutter

Andrej W. erklärte: „Ich war früher ein normaler Mensch.“ Er drohte mit Selbstmord und sagte, er verstehe nicht, weshalb ihn der Bruder der ermordeten Taxifahrerin noch nicht umgebracht habe. Er sagte: „Ich hätte das getan, wenn man meine Schwester ermordet hätte.“ Insgesamt wirkten die Aussagen wirr. Angeblich habe er seiner Mutter aus der russischen Haft geschrieben, dass er einen Psychiater brauche. Sie habe sich seit seiner Kindheit über ihn lustig gemacht. Als er im Juni 2010 nach drei Jahren seine Mutter in Deutschland wieder gesehen habe, habe sie ihn nicht einmal umarmt und auch nicht viel mit ihm geredet. Er sagte: „Wenn es Mutter nicht gegeben hätte, hätte ich ein vernünftiges Leben führen können.“ Er habe seine Mutter töten wollen. Mehrfach sagte Andrej W.: „Irgend etwas ist mit mir passiert.“

Angeblich gescheiterter Gewehrkauf

In Singen habe er zuerst ein Gewehr kaufen wollen, in einem Waffenladen aber keines bekommen. Der Angeklagte sagte: „Wenn ich eine Waffe gehabt hätte, hätte ich so einiges angestellt.“ Über das erste Verbrechen in Singen sagte er, er habe die Taxifahrerin nicht töten können. Er habe gedacht, dass sie im Laufe der Zeit sterben würde. Er sei aber froh, dass sie überlebt habe. Zwölf Stunden lag sie schwerst verletzt, bewegungsunfähig nahe des Hohentwiels. Amnächsten Tag habe er dann „Kraft“ in sich gespürt, einen Menschen zu töten. Er sagte weiter: „Ich finde dafür keine Erklärung für das, was ich getan habe.“ Er habe eine der beiden Taxifahrerinnen umgebracht, weil er eine tote Frau gebraucht habe.

Foto: wak

2 Kommentare to “Konstanzer Taximord-Prozess: Reue oder Show des Andrej W.?”

  1. Kontrolleur
    8. Februar 2011 at 22:12 #

    Ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich,ich

    Sprach er wenigstens einmal über seine Opfer? Es scheint ein generelles Phänomen zu sein, daß Täter und Versager gerne über sich reden und allen anderen die Schuld geben. Aber unsere Kuscheljustiz und die allgegenwärtige 68er-Gutmensch-Versteher-wir-brauchen-noch-mehr-Geld-für-komische-Projekte-Mentalität macht ja sowas erst möglich.

  2. Lothar Herzog
    9. Februar 2011 at 08:00 #

    Wer kümmert sich um die Opfer?
    Sind die Opfer respektive die Kinder / Ehemänner finanziell
    abgesichert?
    Bekommen die Opfer, also sprich Kinder immerwährende
    psychologische Betreuung?
    Sind die Opfer / Kinder gut untergebracht?
    Das interesiert mich. Mich interessiert das Schicksal von dem
    Killer nicht die Bohne!
    Und die Anwälte? Schlimme Kindheit. Hätte die Gesellschaft
    dies früher gewusst hätte man…..
    Einsprerren. Wegsperren. Für immer!!!

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