Konstanzer Taximordprozess: Kripo über russische Gewaltpornosite schockiert

Dritter Verhandlungstag im Konstanzer Landgericht hat begonnen – Angeklagter betrat wieder vermummt den Saal

Vermummter Angeklagter im TaximordprozessKonstanz. Auch am dritten Verhandlungstag in Konstanz hat der Angeklagte den Gerichtssaal mit einer über den Kopf gezogenen schwarzen Sturmhaube betreten. Im Mittelpunkt stand erstmals der Mord an der Taxifahrerin in Hagnau. Sie war eine alleinerziehende Mutter. Ihre beiden Söhne, die jetzt beim Bruder der Toten leben, waren zur Tatzeit in der Schule. Ein Polizeibeamter berichtete, dass mit dem Laptop des Angeklagten am Tag nach dem Mord an der Taxifahrerin eine russische Pornowebsite mit Gewaltdarstellungen aufgerufen worden sei. Zu sehen seien auf der Seite, die weiterhin im Netz sei, Pornoszenen und zerstückelte Leichen.

Verwandte kooperierten mit der Polizei

Ein Kripobeamte aus Friedrichshafen berichtete, dass der Angeklagte eine Tante in Fischbach und eine ehemalige Freundin in Markdorf habe. Die Freundin gab bereits im vergangenen Sommer gegenüber der Polizei an, keinen Kontakt mehr zu Angeklagten zu haben. Weiter sagte der Kripobeamte, die Verwandten des Angeklagten seien sehr kooperativ gewesen und hätten der Polizei den entscheidenden Hinweis auf den Aufenthaltsort des Russlanddeutschen in Senftenberg in Brandenburg gegeben.

Taxifahrerin war noch ausgestiegen

Als die Kripobeamten aus Friedrichshafen zum Tatort nach Hagnau gerufen wurden, wussten sie noch nichts von dem brutalen Verbrechen am Tag zuvor in Singen. Das Tatgeschehen konnte die Polizei zunächst nicht nachvollziehen. Die Situation sei beim Landeskriminalamt nachgestellt worden. Offenbar hatte die Taxifahrerin beim Strandbad ihr Taxi noch einmal kurzzeitig verlassen und etwa 40 Meter vom Taxi entfernt eine Zigarette geraucht, bevor sie sich arglos wieder auf den Fahrersitz setzte.

Mutmaßlicher Mörder wollte mit Leiche wegfahren

Der Mörder stach der Frau im Taxi mehrmals in den Hals. Die Frau versuchte, als sie bereits schwer verletzt war, vergeblich dem Messer auszuweichen. Sie hatte aber keine Chance. Der Täter stach mehrmals zu. Später schob der Mörder, bei dem es sich mutmaßlich um den russlanddeutschen Angeklagten handelt, die Leiche auf den Beifahrersitz und wollte mit der Toten wegfahren, so ein Kripobeamter. Er kam aber mit dem Automatikfahrzeug nicht zurecht und löste Alarm aus. Um ihn abzustellen, hätte der Täter die Motorhaube öffnen müssen. Der mutmaßliche Mörder flüchtete darauf hin. Später wurde im Fußraum des Taxis das acht Zentimeter lange blutige Messer gefunden, auf dem sich, wie der Richter feststellte, DNA-Spuren der Taxifahrerin aus Singen und der in Hagnau Ermordeten fanden.

Taxizentrale disponierte für den Täter um

Die ermordete Taxifahrerin hätte am Tag ihres Todes eigentlich eine andere Fahrt gehabt. Die Zentrale disponierte aber um, weil ein Fahrgast unbedingt von der Taxifahrerin von Friedrichshafen aus zur Insel Mainau gefahren werden wollte. Da das Taxi mit GPS ausgestattet war, konnte die Polizei die Fahrstrecke im Nachhinein genau rekonstruieren.

Schockseite mehrmals aufgerufen

Als die Kripo den PC des Angeklagten untersuchte, fand sie dort im Seitenverlauf eine russische Seite, die vom PC aus mehrmals besucht worden war. Die Website sei nicht gegoogelt, sondern die Adresse direkt eingegeben worden. Jedes Mal, wenn die Seite neu geladen werde, seien andere Bilder zu sehen. In der Mitte bauten sich laut Aussage eines Kripobeamten Fotos von zerstückelten Leichen auf. Außerdem seien pornografische Szenen zu sehen. Der Kripobeamte sprach von einer „schockierenden Seite“. Sie war auch an den Tagen nach dem Mord in Hagnau aufgerufen worden.

Keine Erkenntnisse über Haftzeit in Russland

Wie es zu der Wesensänderung des mutmaßlichen Mörders gekommen sein könnte, sollte es sich beim Täter um den Angeklagten handeln, sei unklar. Die Mutter des Angeklagten verweigerte die Aussage. Es gibt offenbar nur Schulunterlagen und einen Hinweis, dass der 28-Jährige in Russland in Haft war. Offizielle Dokumente zu seiner Haftzeit oder Haftgründen in Russland gebe es aber nicht.

Foto und Video: wak

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