„Nkhata Bay – Inventing Parzival“: Konstanzer Theater probt ein Stück für Afrika

Produktion geht nach Malawi – Uraufführung im Archäologischen Landesmuseum

Konstanz. Wieder macht das Konstanzer Stadttheater mit einem sehr ungewöhnlichen Theaterprojekt auf sich aufmerksam. Vier Schauspieler spielen ein Stück, das Regisseur Clemens Bechtel für Afrika inszeniert. Bewusst beschränkt sich das Theater dabei auf Mittel wie sie auch dem Partnertheater Nanzikambe in Malawi zur Verfügung stehen. Mit öffentlichem Geld subventionierte Theaterkultur gibt es dort nicht. Statt im Stadttheater spielen die Schauspieler häufig auch unter freiem Himmel.

Ein Stück für Afrikaner

Zwei Kulturen begegnen sich. Die Afrikaner sagten den Europäern, sie müssten unbedingt eine Geschichte erzählen. Das erwarte das afrikanische Publikum. „Sie sind mein Zielpublikum“, sagt Autor und Regisseur Bechtel. Die Inszenierung darf nicht zu aufwändig sein. Sie muss sich sozusagen in Kisten verpacken lassen und transportabel sein.

So fremd wie Parzival

Das afrikanische Publikum soll sich über die Konstanzer Schauspieler amüsieren und darüber lachen wie Europäer den Kontinent Afrika sehen. Clemens Bechtel probt deswegen ein heiteres Stück. Es beginnt in Deutschland. Vier Schauspieler sitzen kurz vor der Abreise nach Malawi auf gepackten Koffern. Sie wollen „Parzival“ spielen. „Parzival“ ist ein höfischer Roman aus dem Hochmittelalter. Parzival ergeht es wie Europäern in Afrika oder Afrikanern in Europa, sagen die Theaterleute. Der naive Tor, begegnet Rittern, die aus einer ihm gänzlich fremden Welt entsprungen sind. Das ist komisch. Die Afrikaner lachen gern.

Ängste vor fremder Welt

Der „Held“ und der Theatertrupp reisen also in eine fremde Welt – so wie Europäer, wenn sie nach Afrika fliegen, in eine andere ihnen unbekannte Welt eintauchen. Die Theaterschauspieler, die sich mit Moskitonetz und Malariaprophylaxe auf den Weg machen, spielen in „Nkhata Bay – Inventing Parzival“ sich selbst. Vor dem Flug fürchten sie sich vor wilden Tieren, furchtbaren Krankheiten und fremden Sprachen. Bechtel zeigt Europäer, die unfähig sind, in der fremden Welt zu bestehen oder sie zu verstehen. Umgekehrt sei aber genauso. „Ich erinnere mich, wie eine Freundin aus Malawi vor einer Rolltreppe stand und sich nicht traute, dieses eigenartige Ding zu betreten“, erzählt Bechtel.

Archäologisches Landesmuseum steht für Reisen

Die Pressekonferenz fand im Archäologischen Landesmuseum statt. Die Eingangstür war verschlossen. Montags hat das Museum zu. Regisseur Clemens Bechtel und Chefdramaturg Thomas Spieckermann waren schon drin – drin im Museum und sie sind vor allem mitten drin im Projekt „Crossing Borders“. Im Juli werden sie eine Reise unternehmen und ihr Stück „Nkhata Bay – Inventing Parzival“ in Blantyre, Zomba und Lilongwe in Malawi aufführen. Vier Schauspieler sind mit dabei: Ralf Beckord, Thomas Fritz Jung, Johannes Merz und Yannick Zürcher. Im Juni spielen Afrikaner in Konstanz.

Abschlussprojekt 2012

Das Thema Reisen schafft auch die Verbindung zum Archäologischen Landesmuseum in Konstanz. Im Ausstellungsraum steht ein Schiff. Spieckermann und Bechtel sprechen über frühgeschichtliche Migration, über Wanderung, Bewegung und kultureller Migration von Theaterkünstlern. Spieckermann erzählt über die Partnerschaft zu Malawi, die vor zwei Jahren begonnen hat. Zuerst sei es um das gegenseitige Kennenlernen gegangen. Jetzt folgt der Austausch von Inszenierungen. Im kommenden Jahr soll es dann ein gemeinsames Abschlussprojekt geben. „Vier Autoren, zwei Regisseure und ein Ensemble“, so Spieckermann.

Konstanzer wollen nicht aufklärerisch wirken

Die Konstanzer Theaterleute, die Geld von der Kulturstiftung des Bundes bekommen, möchten die Afrikaner auf keinen Fall belehren. Und sie machen es auch anders als afrikanische Theater, die europäisches Geld erhalten und dann Stücke spielen sollen, in denen es darum geht, Kondome zu benutzen oder gegen Korruption zu kämpfen. Die Konstanzer möchten vor allem gegen Klischees kämpfen.

In Konstanz gibt es einen deutschsprachigen Preview des Stücks für Afrika. Premiere ist am Freitag, 8. April um 20 Uhr im archäologischen Landesmuseum. Es gibt etwa 40 Plätze. Weitere Termine sind dann am 25. April, 9. und 13. Juni sowie am 28. Juni.

Das Projekt Crossing Borders hat der Student James Chan-a-sue mit einer Videokamera begleitet. Der Student der Kommunikationswissenschaft hat einen Film über Afrika gedreht.

Hier geht es zu dem Video. http://www.theaterkonstanz.de/tkn/galerie/video/index.htm

Foto: Lothar Henke PIXELIO www.pixelio.de

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