Konstanzer Theater schaut über die Grenze ins Heidi-Land

Spielzeit 2012/2013 steht unter dem Motto Borderline – Hohe Berge und weiter Blick

Konstanz. Während das Herz des Konstanzer Theaters gerade noch für Afrika schlägt, blicken Intendant Christoph Nix und sein Team schon auf die nächste Staffel an Stücken. Die kommende Spielzeit 2012/2013 stellt das Theater unter das Motto „Borderline, Deutsche Heimat Schweizer Berge“. Christoph Nix kündigte bei der Vorstellung des Programms an, die Zusammenarbeit mit den Schweizer Nachbarn noch intensivieren zu wollen. Einige Stücke führt das Konstanzer Theater zuerst in der Schweiz auf.

Schweizer Schokolädli und Come Together beim Zoll

Zur Pressekonferenz gebeten hatte das Theater in einen Raum beim Zoll in der Kreuzlinger Straße. Auf dem Reader, den das Theater austeilte, lagen zwei Schweizer Schokolädli. Es geht um Deutsche und Schweizer, was sie verbindet und um Gegensätze. Der Schweizer Germanist Peter von Matt hat einmal gesagt: „Das Elend beginnt genau bei der Konstruktion von Typen. Ich kenne viele Schweizer, sympathische und weniger sympathische, aber von keinem habe ich je gedacht, er sei ein typischer Schweizer. Und mit den Deutschen geht es mir gleich. In den Zeitungen aber tut man so, als redeten alle Schweizer über die Deutschen wie die Radikalfeministinnen vor zwanzig Jahren über die Männer. Von jedem Land existiert seit Jahrhunderten ein Negativklischee.“

Theater plant 22 Inszenierungen

22 Inszenierungen wird es geben. Das sind sechs weniger als zuletzt. Zu tun hat das auch mit den Bauarbeiten im Theater, die die Spielzeit verkürzen. Nix sagt, die roten Sessel bleiben, renoviert werde hinter den Kulissen. Saniert werde der Bühnenturm. „18 Millionen, die man nicht sieht“, so der Intendant. Voraussichtlich werden die Einnahmen aufgrund der verkürzten Spielzeit um 200.000 bis 300.000 Euro zurück gehen. Woher das fehlende Geld herkommen soll, weiß Nix noch nicht.

Spielzeiteröffnung im Kreuzlinger Dreispitz

Die Spielzeit eröffnen wird das Theater am 5. Oktober mit „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ von Peter Handke im Dreispitz in Kreuzlingen. Die Premiere von „Lametta“ von Fitzgerald Kusz wird im Gemeindesaal St. Martin in Wollmatingen auf die Bühne kommen. Mit dem Weihnachtsmärchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff für Kinder ab sechs kehrt das Theater am 17. November dann ins wieder eröffnete große Haus zurück.

Revival von „Biedermann und die Brandstifter“

Das Theater inszeniert Stücke wie „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt, „Das brennende Dorf von Rainer Werner Fassbinder oder auch Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“, ein Stück das durch die Nazi-Moder und den Nationalsozialistischen Untergrund wieder aktuell geworden ist. Jahrzehntelang galt es als unspielbar, so Nix. Im Stadttheater Schaffhausen findet die Uraufführung von „Der Bären wilde Wohnung“ von Lukas Linder, einem Deutsch-Schweizer Stück aus der Jetzt-Zeit, statt. Zu sehen ist es anschließend in der Spiegelhalle. Mario Portmann bringt den 800-seitigen Roman „Der Sonnenwirt“ auf die Bühne. Nix sagte: „Wenn das einer kann, ist das Portmann.“ Die Bandbreite in der kommenden Spielzeit ist groß: Georg Büchners „Dantons Tod“ findet sich genauso in die Reihe wie Herta Müllers „Herztier“ oder Friedrich Schillers „Don Carlos“. Das Junge Theater, genauer der Jugendclub, widmet sich nach „9/11“ und „Konstanz Identity“ dem Mauerfall von 1989. In der Spiegelhalle steht „Berlin 1989“ auf dem Programm und ein Stück darüber, wie Jugendliche diese Zeit erlebt haben.

Theater provoziert mit Wilhelm von Scholz

In der kommenden Spielzeit geht es nicht nur um Heimat, um Klischees und um grüne Zettel. Thematisieren wird das Theater Konflikte und auch den Faschismus. Nix sagte: „Wir sind Grenzgänger.“ Er habe von Schweizern gehört, die sich geweigert hätten, nach Konstanz zu gehen. Eine besondere Provokation sein dürfte die Inszenierung des Stückes „Der Jude von Konstanz“ des wegen seiner Verstrickungen in die NS-Vergangenheit umstrittenen Dichters Wilhelm von Scholz. Nix sagte, es werde um Fragen gehen, wie begegnet man dem Faschismus und wie begegnet man Ausgrenzung? „Wir erhoffen uns zahlreiche Kontroversen“, erklärte Nix. Er will den Diskurs.

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