Konstanzer Theater spielt Ulrike Maria Stuart

Im deutschen Frühling bringt Theater Königinnendrama von Elfriede Jelinek auf der Bühne

Konstanz. Im deutschen Frühling 2011 bringt das Konstanzer Stadttheater den Deutschen Herbst auf die Bühne. Bis zu ihrer Auflösung 1998 hat die RAF 34 Menschen getötet. Nach 30 Jahren war sie 2007 noch einmal großes Thema . Jetzt kehrt der Deutsche Herbst ans Konstanzer Stadttheater zurück. Am Tag vor der Premiere von „ Ulrike Maria Stuart“ ist der Stoff seltsam aktuell. In einer großen deutschen Zeitung meldete sich gerade Ignes Ponto, die Witwe des von der RAF erschossenen Bankiers Jürgen Ponto, zu Wort. Sie kritisiert die Hinwendung zu RAF-Tätern und die Abwendung von den Opfern. Noch ist nichts vorbei. Heute, Donnerstagabend, findet in Konstanz die Generalprobe statt – der Eintritt kostet 3 Euro.

Zeitreise mit Zeitzeugen

Am Konstanzer Stadttheater inszeniert Samuel Schwarz Elfriede Jelineks Stück. Mit dabei ist der Musiker Ted Gaier, der Brigitte Mohnhaupt, die 1977 am Mord von Jürgen Ponto, dem Chef der Dresdener Bank, beteiligt war, persönlich kannte. Im Stück „Ulrike Maria Stuart“ geht es um die Zeit in Stammheim. In einem Gespräch mit den Medien werden wieder Fragen gestellt: „War es Mord, war es Selbstmord?“ Es fallen Sätze wie: „Das glauben wir nicht.“ Die geistige Elite rebellierte. So sagt es Ted Gaier – die meisten wissen es. Er erzählt aus eigenem Erleben. Der Musiker sagt, es sei der RAF nicht um die Macht gegangen damals. Es geht um die Frage, ob die Terroristen Befehlsempfänger waren oder ob ein Kollektiv handelte.

Elfriede Jelineks Story

Auf der Bühne geht es auch um Macht aber vielleicht mehr um Elfriede Jelinek als um die RAF. Dramaturgin Sophia Lungwitz spricht von den 100 Seiten Text. Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek lässt zwei durch ihr Schicksal miteinander verbundene Rivalinnen zum Zweikampf gegeneinander antreten: Ulrike Meinhof / Maria Stuart gegen Gudrun Ensslin / Elisabeth von England. Indem Jelinek den Schillerschen Sprachduktus mit Anspielungen und Zitaten des „Deutschen Herbstes“ anreichert, entsteht ein komplexes Geflecht, in welchem Politik und Erotik nicht voneinander zu trennen sind. Die Kluft zwischen den Königinnen, die von Geburt an über Macht verfügen und den RAF-Vordenkerinnen, die diese mit Gewalt erkämpfen müssen, wird durch ihr bisweilen grotesk-komisches Ringen um die Gunst ihres Geliebten, Andreas Bader / Leicester, aufgehoben.

Samuel Schwarz‘ Inszenierung

Regisseur Samuel Schwarz suchte einen neuen Zugang. Eine junge, angesagte Regisseurin erhält eine große Chance: Sie darf an einem kleinen Stadttheater eine aufregende Inszenierung übernehmen: Ulrike Maria Stuart von Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Zum Konzept der Inszenierung gehört, dass eine spezielle Gruppe Schauspieler engagiert wird, die einst an einer legendären, radikalen Inszenierung beteiligt waren. Bei den Proben tauchen die Spieler ein in den mitunter gewalttätigen Konkurrenzkampf zwischen Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin, die Entwicklung der Raster-Fahndung und die Rolle des Nobelpreises in der deutschsprachigen Kulturlandschaft. Doch alles gerät zunehmend außer Kontrolle: Die hoch motivierte Jung-Regisseurin wird von den Spielern demontiert und wandelt sich zur Fanatikerin, die Spieler entdecken ihre alte Radikalität wieder. Samuel Schwarz kündigt eine Inszenierung mit „installativen Momenten“ an. Das Publikum, das die Rolle von Justizwächtern einnimmt, wird aufgefordert selbst mobil zu sein. In der Pressevorankündigung steht, dass es seine Plätze im Stadttheater verlässt. Samuel Schwarz möchte das aber vorab eigentlich gar nicht erzählen.

Widerborstiger Samuel Schwarz

Regisseur Samuel Schwarz inszeniert nach Die Heilige Johanna der Schlachthöfe in der Spielzeit 2009/2010 nun zum zweiten Mal am Theater Konstanz. Wieder einmal übte er im Mediengespräch fundamentale Kritik am Stadttheaterbetrieb. Er mag keine Hierarchien. Er bevorzugt das Kollektiv. So könne kostengünstiger gearbeitet werden – den Kommunen gehe das Geld aus.

Eintritt zur Generalprobe 3 Euro

Was hat das mit dem Stück zu tun? Macht, Kollektiv, RAF, Samuel Schwarz – am besten selbst schauen. Premiere ist am 11. März um 20 Uhr im Stadttheater Konstanz. Heute, Donnerstag, 10. März, findet ab 20 Uhr eine öffentliche Probe statt. Der Eintritt kostet 3 Euro. Information und Reservierung unter 07531/900 150 oder theaterkasse@stadt.konstanz.de

Foto: Ilja Mess Stadtheater Konstanz

 

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