Konstanzer VHS-Dozenten senden Hilferuf an Bürgermeister Boldt

Fast 60 Dozenten melden sich nach Entlassung von Reinhard Zahn zu Wort – Unterzeichner fordern Rücknahme der Kündigung

Konstanz. Rund 60 Dozentinnen und Dozenten haben unterschrieben. Ihre Namen stehen unter einem offenen Brief, der mittlerweile im Konstanzer Rathaus auf dem Schreibtisch von Claus Boldt liegen dürfte. Kopien gingen an den VHS-Vorstand, die Bürgermeister Bernd Häusler, Singen, und Rainer Stolz, Stockach, sowie an Landrat Frank Hämmerle, den Konstanzer OB Horst Frank, die Konstanzer Gemeinderatsfraktionen und den VHS-Verband Baden-Württemberg. Der Brief liest sich wie ein Hilferuf. Die Rede ist von einer „ desolate Situation an der VHS“. Die Dozenten stellten sich hinter den gefeuerten VHS-Leiter Reinhard Zahn, den sie als „äußerst kompetent“, „ engagiert“ und „erfahrenen Mann“ beschreiben. Dem Vorstand werfen sie einen „unfreundlichen Ton und „Intransparenz“ vor.

Der Brief der VHS-Dozenten

In dem Brief schreiben die Absender zu allererst an zuständigen Bürgermeister Boldt: „Als langjährige Dozenten der VHS Konstanz-Singen wenden wir uns an Sie persönlich in der Angelegenheit von Herrn Zahn, gekündigtem Hauptstellenleiter in Konstanz.“ Wörtlich heißt es: „Wir bedauern die Kündigung seitens der VHS-Leitung sehr, denn wir haben Herrn Zahn in der kurzen Zeit nicht nur als äußerst kompetenten, sondern auch als sehr engagierten und erfahrenen Mann kennengelernt.“

Unverständnis angesichts der Kündigung

Die VHS-Dozenten schreiben: „Darüber hinaus, und das ist uns wichtig, verfügt er über die Qualitäten, die für eine offene, ehrliche Kommunikation sorgen ebenso wie für einen respektvollen und freundlichen Dialog zwischen VHS-Leitung, Fachbereichsleitern und Dozenten. Für uns gab und gibt es keinen Zweifel, dass er die desolate Situation an der VHS deutlich verbessern und die Institution wieder funktionsfähig und attraktiv machen kann. Die Chance dazu hat man ihm leider nicht gegeben, dagegen wird ihm aus, jedenfalls für uns nicht offengelegten und damit undurchsichtigen Gründen gekündigt.“

Dozenten kritisieren offen Vorstand

Klar benennen die Dozenten, wo sie die Ursache für Missstände vermuten: „Dies legt die Vermutung nahe, dass eigenmächtige und willkürliche Erwägungen der VHS-Leitung eine maßgebliche Rolle bei dieser Kündigung spielen, und dies lässt auch die Entscheidungen der Mitgliederversammlung zwielichtig erscheinen.“ Weiter heißt es: „Wir haben den Eindruck gewonnen, dass Erfahrung und Fachwissen in der neuen VHS-Leitung nicht gefragt sind. Schon seit geraumer Zeit leiden wir Dozenten unter dem leider oft unfreundlichen Ton und unter Intransparenz. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass unsere Arbeitsbedingungen schlechter geworden sind: Für Eigeninitiative und Phantasie bleibt kaum Raum, steigende Bürokratie erschwert effizientes Arbeiten in starkem Maße.“

Honorarerhöhung ist Mogelpackung

Immer mehr gut ausgebildete und von ihrer Arbeit begeisterte Dozenten verlassen die VHS, weil sie keine Wertschätzung erfahren. Bei der sogenannten „Honorarerhöhung“ handelt es sich in Wirklichkeit nur um eine Vereinheitlichung der bis dahin unterschiedlichen Honorarsätze. Da auch andere Ausgaben wie zum Beispiel Fahrtkosten nicht mehr erstattet werden, bedeutet dies für viele Dozenten sogar eine deutliche Herabstufung.

Aderlass befürchtet

Wenn sich diese Bedingungen nicht ändern, wird die VHS zunehmend auf erfahrene, engagierte Dozenten verzichten müssen. Dies kann nicht ohne Rückwirkungen auf die Kursteilnehmer bleiben. Noch (!) kommen viele Kursteilnehmer, weil sie sich wohlfühlen, weil sie kompetent und engagiert von ihren Kursleitern betreut sind – aber sie spüren bereits die massive Verschlechterung der Arbeitsatmosphäre in der VHS, die sich bereits auch in beginnender Unzufriedenheit einzelner Kursteilnehmer zeigt.

Appell an Bürgermeister

Wir bitten Sie deshalb, zum einen die Entlassung von Herrn Zahn unverzüglich rückgängig zu machen, und zum anderen die VHS-Politik der vergangenen Jahre zu überdenken und entsprechend neue Schritte einzuleiten.

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