Konstanzer VHS: Helmut Lehner und Reiner Schmid reagieren auf Anwürfe

Mittelsmann Günther Lieby erhebt schwerste Vorwürfe gegen frühere VHS-Leiter – Schlangengrube Volkshochschule

Konstanz. Wer dachte eine angekündigte öffentliche Aussprache vor dem Konstanzer Gemeinderat könnte das Schlamassel um die Regionale VHS Konstanz-Singen e.V. beenden und zu einer sachlichen Diskussion beitragen, irrte. Am Donnerstagnachmittag war Günther Lieby, Verbindungsmann zwischen dem VHS-Vorstand und den VHS-Mitgliedern, darunter der Landkreis und die Stadt Konstanz, nach vorn geprescht. Er hatte, wie die Lokalzeitung Südkurier online berichtete, in Zusammenhang mit angeblich nachträglich aufgetauchten Defiziten schwerste Anschuldigungen gegenüber den früheren VHS-Leitern geäußert. „Unprofessionell“ war die noch am wenigsten drastischste Aussage. Zuletzt war in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, dass es gar finanzielle Unregelmäßigkeiten gab und, wie die Jahresabschlüsse nicht korrekt waren. Das konnten der frühere Konstanzer Hauptstellenleiter und der frühere Verwaltungsleiter, Dr. Helmut Lehner und Reiner Schmid, nicht unwidersprochen lassen. Sie nahmen Stellung.

Die „Kaltschnäuzigkeit“ des Herrn Lieby

Die Lokalzeitung hatte Lieby wie folgt zitiert: „Die Führung damals habe eine Mischung aus ,Unwissenheit und Kaltschnäuzigkeit‘ ausgezeichnet, behauptet Lieby weiter.“ Über Jahre sei die Volkshochschule Konstanz-Singen „unprofessionell“ geführt worden, sagte Günther Lieby, anscheinend dem Südkurier. Bilanzen seien so „hingerechnet“ worden, dass weder die Mitgliederversammlung noch Rechnungsprüfer die Fehler hätten bemerken können. Diese Aussagen waren nicht nur scharfer Tobak, sondern kamen auch vollkommen überraschend. Bisher hatte auch Lieby jede Stellungnahme verweigert und erst am Tag zuvor hatte Landrat Frank Hämmerle für die Mitgliederversammlung gesprochen.

Früherer VHS-Chef Stetz schickte Warnrufe aus München

Dass mit solchen Anschuldigungen gerechnet werden musste, hatte offenbar Lothar Stetz, bis 2008 Leiter der Regionalen VHS Konstanz-Singen e.V. geahnt. In einem Interview mit dem Blog Seemoz sagte Stetz wörtlich: „Ich bekomme ja mit, dass schon versucht wird, die aktuellen Schwierigkeiten auf eine angebliche Misswirtschaft 2006/2007 zuzurechnen, die man jetzt eben auszubaden habe. Da soll sich niemand für dumm verkaufen lassen. Die VHS war bis zu meinem Ausscheiden seit vielen Jahren budgetiert und hat mit diesem immer gleichen knappen Budget jedes Jahr zähneknirschend bis zuletzt einen ausgeglichenen Haushalt hinbekommen. Lothar Stetz ist seit seinem Weggang VHS-Chef in München.

Helmut Lehner und Reiner Schmid haben fertig

Dr. Helmut Lehner und Reiner Schmid mailten am Donnerstagnachmittag ihre Stellungnahme zur Berichterstattung. Sie schreiben: „Wir weisen den Vorwurf entschieden zurück, die VHS Konstanz-Singen habe es mit den Finanzen nicht so genau genommen.“ Die VHS habe immer mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln (80% Eigenfinanzierung und Trägerzuschuss, der weit unter dem Landesdurchschnitt lag) einer zwar schlanken, aber effizienten und damit den Trägern, Dozenten und Teilnehmenden dienenden Verwaltung operiert.

Stellungnahme: Bis 2009 alles korrekt

Lehner und Schmid rechnen vor: „Die VHS wurde von Seiten der Träger bis 2007 mit einem Zuschuss von 570.000,00 € bezuschusst, ab 2008 wurde das Budget für die nächsten 5 Jahre auf 630.000,00 € pro Jahr erhöht. Mit diesen Zuschüssen ist die VHS über all die Jahre bis einschließlich 2009 gut zurechtgekommen.“

Vorwurf  ein Affront gegen alle Prüfer

Der Vorwurf, alle Kontrollmechanismen hätten versagt, sei ein Affront gegen alle „Prüfeinrichtungen“ der letzten Jahre. Nicht nur die Prüfer der Städte Konstanz und Singen, sondern auch die Rechnungsprüfer des Landratsamtes, sowie unabhängige Rechnungsprüfer, prüften laut Lehner und Schmid die Einrichtung gründlich und intensiv, „eine Finanzierungslücke oder Gefahren einer möglichen Zahlungsunfähigkeit wurde der VHS zu keiner Zeit attestiert.“

Zahlen sogar noch positiver

Sehr wohl sei aber der Umstand moniert worden, dass die Träger der VHS es der Verwaltung nicht gestatteten, größere Reserven zur Liquiditätssteigerung zu schaffen. Überschüsse mussten an die Träger zurückbezahlt werden. „Dies führte, durchaus mit Duldung der Rechnungsprüfer, dazu, dass in den Jahresabschlüssen seit 20 Jahren Bilanzierungsspielräume genutzt wurden, um mögliche Einnahmeausfälle in den Folgejahren abpuffern zu können“, heißt es in der Stellungnahme. Lehner und Schmid führen weiter aus: „Bei der Übernahme der Leitungsfunktion durch Frau J. Mühlstädt-Garczarek (zwischenzeitlich Leiterin, kehrte nach ihrem Mutterschaftsurlaub aber nicht als Vorstandsvoritzende zurück) wünschte sie eine geänderte Darstellung des Haushaltes gegenüber den Vorjahren, dabei stellte sie fest, dass die Haushaltszahlen positiver als von ihr erwartet seien und deshalb zu befürchten sei, dass ggf. Zuschüsse erneut an die Träger zurückzuzahlen seien.“

Indikatoren für Erfolgreiche VHS

Weiter heißt es: „Der Erfolg einer VHS lässt sich jedoch auch an anderen Indikatoren festmachen: Wie bereits oben erwähnt, finanzierte sich die VHS Konstanz-Singen in der Vergangenheit zu 80 % aus Teilnehmergebühren. Aus diesem Grunde war die VHS gezwungen und auch in der Lage, die Zahl der Veranstaltungen und der Unterrichtsstunden Jahr für Jahr zu erhöhen und damit auch die Zahl der Teilnehmenden bzw. die Teilnehmergebühren zu steigern.“

Appell: Nachfrage beim Verband

Deshalb sollte die VHS doch mal die Semesterzahlen der letzten Jahre offenlegen. Ansonsten geben aber auch die Zahlen des Landesverbandes Auskunft, ein weiteres Kontrollorgan der VHS, der über die Vergabe von Landesmittel entscheidet.

Behauptung: VHS trudelt seit 2010 und 2011

Lehner und Schmid erläutern im Detail: „Während die Teilnehmerzahlen, die Zahl der Veranstaltungen und der Unterrichtsstunden (und damit eben auch die Einnahmen) bis im 1. Semester 2010 stets gesteigert werden konnten, erlitt die Einrichtung im 2. Semester einen massiven Einbruch von ca. 20 %. Diese Entwicklung setzte sich in 2011 fort. Und statt auf die veränderten Rahmenbedingen zu reagieren, wurde das Personal aufgestockt (und teilweise gleich wieder entlassen), externe Berater auf Honorarbasis hinzugezogen, Rechtsstreite geführt, Abfindungen bezahlt, immer bürokratischere Strukturen aufgebaut, Dienstanweisungen als alltägliche Kommunikationsform eingeführt usw.“

Stellungnahme: Zahlen sprechen für sich

Die beiden früheren Mitarbeiter sind sich sicher: „Die Zahlen der Vergangenheit sprechen eine deutliche Sprache und halten auch einer neutralen Beurteilung stand. Die früheren Leitungen der VHS wurden von Landrat Hämmerle immer mit dem Zitat konfrontiert: ,Euer Arbeitsplatz ist nur so sicher wie die Arbeit, die ihr macht‘. Gibt es einen bestimmten Grund, warum das für die neue Leitung nicht mehr gilt?“

Lehner und Schmid ungeliebt von neuen Chefs

Dr. Helmut Lehner ging im vergangenen Jahr in den Ruhestand. Eine bereits angekündigte Abschiedsfeier für Lehner im „Wessenberg“ war wieder abgesagt worden – angeblich aus mangelndem Interesse der Mitarbeiter und Dozenten. Reiner Schmid wurde im vergangenen Jahr gekündigt. Auch seine Frau wurde damals von der VHS entlassen. Mit der VHS vereinbarten die Gekündigten 2010 Stillschweigen in der Öffentlichkeit und akzeptierten mutmaßlich eine Abfindung.

2 Kommentare to “Konstanzer VHS: Helmut Lehner und Reiner Schmid reagieren auf Anwürfe”

  1. applepie
    17. November 2011 at 21:45 #

    Das Abschiedsfest von Lehner – Dozenten wurden nicht mal eingeladen – sie hätten sicher Interesse gehabt, zu Helmut Lehner hatten ganz viele einen guten Draht. Schade, dass sie von der Leitung irgendwie als lästig geduldet werden…. Mit R. Zahn würde es sicher anders werden…

  2. Karottenstreichler
    17. November 2011 at 21:51 #

    Dies alles hätte den Hintergrund für einen Tatort in Konstanz!

    Titel: Die verschwundene Ehre der Niekohle Populäre!!!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.