Konstanzer Vorleser bitten zur Literatur in die Häuser der Stadt

Nachgefragt bei Mitorganisator Frank Lettenewitsch – Texte von Heinz Erhardt bis John Irving oder Luis Bunuel

Konstanz/Kreuzlingen. Am Sonntag, 29. Januar, ist es wieder soweit: Ab 18 Uhr verwandeln sich Konstanzer Wohnküchen und Stuben jeweils für etwa eineinhalb Stunden in literarische Salons. Literaturfreunde in Litzelstetten müssen sich noch bis zum 26. Februar und die in Kreuzlingen sogar bis zum 4. März gedulden. Ein „Vorleser“ trägt an den Sonntagabenden den jeweils etwa 15 bis 20 Zuhörern einen literarischen Text vor. „Literatur in den Häusern der Stadt“ ist ein populäres Veranstaltungsformat, für das die Erfinder und Organisatoren, allen voran das Stadtmarketing und Frank Lettenewitsch vom Theater Konstanz, kaum mehr Werbung zu machen bräuchten. Die Karten sind meist schnell vergriffen. Wir fragten bei Mit-Organisator Frank Lettenewitsch vom Konstanzer Stadttheater, danach wie „Literatur in den Häusern“ funktioniert.

Interview

See-Online: Trotz Hörbüchern und Kindles ist „Literatur in den Häusern der Stadt“ ein Bestseller. Weshalb lassen sich selbst Erwachsene noch so gern vorlesen?

Frank Lettenewitsch: Also wenn man das gut macht, und unsere Leute machen das sehr gut, dann ist Vorlesen eine ganz eigene Musik, die die Phantasie in Bewegung setzt, mühelos, ein Hörfilm sozusagen. Das ist ja  übrigens die älteste Vermittlungsform, zu Zeiten als ein Buch noch ein Unikat war, wurde laut gelesen, auch laut sich selbst vorgelesen, um den Rhythmus der Worte und deren sinnliche Kraft besser zu spüren.

See-Online: Ist es richtig, dass sich die Gäste einen „Vorleser“ oder eine „Vorleserin“, also vielleicht Hans-Helmut Straub oder Maria Falkenhagen aussuchen, oder auch wegen eines Textes kommen und erst später erfahren, wo die Lesung stattfindet?

Frank Lettenewitsch: Ja so ist es.

See-Online: Wer sagt den Besuchern, wann und wo die jeweilige Lesung beginnt? Es gibt ja 16 Gastgeber allein in Konstanz.

Frank Lettenewitsch: Die Mitarbeiter des Stadtmarketings hängen am Telefon und beantworten alle diese Fragen.

See-Online: Achim Eckert liest „Von der Pampelmuse geküsst“ Texte und Gedichte von Heinz Erhardt, Ekkehard Faude liest „Mein letzter Seufzer“ Erinnerungen von Luis Bunuel, Theaterintendant Christoph Nix liest aus „Gerron“ von Charles Lewinsky und Thomas Fritz Jung liest aus John Irvings „Garp“. Wer hat die Texte nach welchen Kriterien ausgesucht? Wie fanden die Texte zu ihren „Vorlesern“ und in die Häuser?

Frank Lettenewitsch: Die Interpreten suchen ihre Texte selbst. Es sind Texte, die sie besonders gut oder wichtig finden. Natürlich sprechen wir darüber und manche dieser Texte suchen wir zusammen, wie z. B. die Texte die wir jetzt für die „Junge Literatur“ gefunden haben. Da danke ich auch einem Dramaturgen des Theaters.

See-Online: Bei welche Lesung wären Sie selbst gern als Gast dabei – und warum?

Frank Lettenewitsch: Bunuels „letzte Seufzer“ mit Ekkehard Faude hätte ich doch liebend gern erlebt. Dieser Anarchistenerzengelpoet ist eine Lieblingsfigur für mich. Aber natürlich sind da eine Menge Texte, die ich gern gehört hätte. Da fiele ich von einem zum andern.

See-Online: Sie selbst lesen aus „Vincent“ von Joe Goebel, aus einem melancholischen Erziehungsroman aus dem Internetzeitalter. Wie kamen Sie auf den Bestseller des jungen amerikanischen Autors?

Frank Lettenewitsch: Ich habe mich mit „junger Literatur“ sehr stark beschäftigt bzw. Literatur, die speziell junge Leute als die ihre sehen, darunter war auch Joey Goebel, so blieb ich bei diesem Thema. Das ist ja ein ungewöhnlicher Roman der Popwelt hervorragend geschrieben.

See-Online: Nach den Lesungen treffen sich die Literaturfreunde in Konstanz ab 21 Uhr zu einer literarischen Salon-Nacht im Café Wessenberg. Welches Publikum erwarten Sie? Frauen, Männer, Junge, Alte? Sind es die Theatergänger und Literaturfreunde oder ein ganz anderes Publikum, das sich statt für einen Sonntagabendkrimi und Günther Jauch ausnahmsweise für einen literarischen Abend entscheidet?

Frank Lettenewitsch: Das sind unsere Gastgeber und deren Gäste und die Interpreten. Oft Theatergänger aber nicht nur. Wir freuen uns natürlich, wenn sie andere Attraktionen links lassen um an unserem Event, das es verdient hat, teilzunehmen. Es ist ja nicht nur ein Literaturereignis. Es ist ja auch ein bürgerschaftliches, an dem sich Leute treffen, auch kennenlernen, das ist auch was.

See-Online: Erstmals findet am selben Tag unter dem Motto „Leih mir Dein Ohr“ auch eine ganz spezielle Lesung mit Geschichten für Kleine ab drei Jahre statt. Der Erlös kommt dem im Juni 2010 abgebrannten Kinderhaus Edith Stein zugute. Wer kam auf die Idee?

Frank Lettenewitsch: Marc Diez hat die Anregung gegeben, Verbindung aufzunehmen, ich hatte etwas in der Richtung schon ins Auge gefasst und dann mit den Verantwortlichen des Kinderhauses die Aktion entworfen.

See-Online: Neu ist auch „Junge Literatur in den Häusern der Stadt“. Max Hemmersdörfer, Sophie Köster, Julia Philippi (Stadttheater Konstanz) und Ingo Bloedt (Beatboxer) lesen ebenfalls in Wohnungen „junge“ Literatur. Glauben Sie, dass Sie damit junge Konstanzer aus der Generation Web 2.0 fürs Lesen begeistern können?

Frank Lettenewitsch: Das hoffe ich stark

See-Online: Seit 1988 gehört Sie zum Ensemble des Theaters Konstanz. In der Spielzeit 2011/2012 waren Sie zu sehen als Montano in „Othello“. Haben Sie privat noch Zeit zum Lesen und was lesen Sie?

Frank Lettenewitsch: Zur Zeit „Accabadora“ von M.Murgia und Nagib Machfus’ „Der Dieb und die Hunde“.

See-Online: Vielen Dank für das Gespräch.

 Hinweis:

Für jede Lesung stehen in der Regel nur 15 bis 20 Karten zur Verfügung. Diese sind ausschließlich im Vorverkauf erhältlich. Die Eintrittskarte zu 15 Euro / 22,50 SFr. berechtigt zu einem Apéro bei der anschließenden Salon-Nacht im Café Wessenberg, im Restaurant Bären in Kreuzlingen oder im VIVA in Litzelstetten. Dort können sich Besucher der Lesungen mit den Lesenden und Veranstaltern in angenehmer Atmosphäre plaudern. Reservierungen und Kartenvorverkauf für die Lesungen in Konstanz sind ab dem 16. Januar 2012 möglich beim Stadtmarketing Konstanz, Obere Laube 71, Tel. +49 (0)7531 28248-10, Fax +49 (0)7531 28248-11 und unter info@stadtmarketing.konstanz.de. Der Kartenvorverkauf für die Lesungen in Litzelstetten beginnt ebenfalls ab dem 16. Januar 2012 im Hotel VIVA, Martin-Schleyer-Str. 19, 78465 Konstanz, Tel.: +49 (0)7531 361900. Karten für die Lesungen in Kreuzlingen sind ab dem 20. Februar 2012 ausschließlich in der Bodan Buchhandlung, Hauptstrasse 35, 8280 Kreuzlingen Tel. +41 (0)71 6721112 oder unter papeterie@bodan-ag.ch zu haben.

Die Flyer mit den Programmankündigungen liegen schon seit einigen Tagen in Konstanz aus. Zu finden sind sie außerdem zusammen mit weitern Infos zum Download unter http://www.konstanz.de/smk/01206/01211/01213/index.html .

Hier geht es zum Flyer Juge Literatur A5_WG-Lesung_2012_Internet (2)

Hier geht es zum Programmflyer Literatur in den Häsusern der Stadt  A5_Flyer_Lit_2012_Internet (3)

Hier geht es zu Kinder-Lesung A5_Kinderlesung_2012_Internet (1)

Foto: Theater Konstanz

 

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