Konstanzer Wissenschaftler forschen: Was wir essen und warum

1,36 Millionen Euro Förderung für das Projekt „Eatmotive“ normalgewichtiger Menschen an der Universität Konstanz

Konstanz. Warum essen wir das, was wir essen? Dieser grundlegenden Frage geht das Forschungsprojekt Eatmotive an der Universität Konstanz nach.

Interdisziplinäre Projekt Konstanzer Forscher

Unter Leitung der Psychologin Prof. Dr. Britta Renner wird das Gesundheitsverhalten normal-gewichtiger Menschen unter den Aspekten Ernährung und körperliche Aktivitäten untersucht. Das interdisziplinäre Projekt, an dem fünf verschiedene Fachdiszipli-nen mitarbeiten, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,36 Millionen Euro gefördert und hat eine Laufzeit von drei Jahren.

Gründe für Nahrungsaufnahme

„Wir interessieren uns für die ganze Breite von Motiven und Gründen hinter dem Ernährungsverhalten“, beschreibt Britta Renner, Professorin für Psychologische Diagnostik und Gesundheitspsychologie, den Forschungsgegenstand des Pro-jekts. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass Hunger und Appetit bei weitem nicht die einzigen Gründe sind für Nahrungsaufnahme. Das Projekt nutzt einen Forschungsansatz, der in der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur bisher stark vernachlässigt wurde: Im Fokus steht das normale und nicht, wie bislang fast ausschließlich, das pathologische Ernährungsverhalten. „Wir wollen das normale Verhaltensrepertoire erklären, um Hinweise zu bekommen, wie man eine Umgebung gestalten muss, damit es nicht aus der Balance gerät“, erläutert Britta Renner.

Hirn steuert unser Essverhalten

Aus der Perspektive fünf verschiedener Fachdisziplinen wird das normale Essverhalten von Konstanzer Wissenschaftlern analysiert: Prof. Dr. Harald Schupp untersucht im Bereich Biologische Psychologie, wie das Hirn auf Nahrungsreize, also Lebensmittel, reagiert. Mithilfe von neurowissenschaftlichen Untersuchungsmethoden wie EEG werden Hirnaktivitäten im Bereich bis zu 600 Millisekunden gemessen. Währenddessen stellt die Projektleiterin Britta Renner die Frage nach der grundlegenden Motivstruktur für normales Essverhalten. Die über Online-Befragungen erhaltenen Ergebnisse werden in Experimenten unter anderem auf stressbelastete Situationen übertragen.

Welche Alltagsfaktoren beeinflussen unser Essverhalten

Die Arbeitspsychologin Prof. Dr. Sabine Sonnentag, von der Universität Konstanz an die Universität Mannheim gewechselt, führt ihre Untersuchungen im realen betrieblichen Kontext durch. Sie fragt, inwieweit ein gesundheitsbezogenes Betriebsklima Einfluss hat auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten. Unter Einbeziehung körperlicher Aktivitäten schaut sich der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Alexander Woll das Ernährungsverhalten im Freizeit- und Familienkontext an. Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Breyer schließlich rechnet nach, inwieweit öffentliche Interventionen zugunsten gesunder Ernährung ökonomisch sinnvoll sind.

Forschungsergebnisse relevant für die Praxis

Eatmotive untersucht das Verhalten von Erwachsenen. Komplementär bezieht es ein EU-Projekt mit ein, das den Verhaltensmustern von Kindern und Jugendlichen in den Großstädten Berlin und Hamburg nachgeht. Erwartet werden neben neuen Forschungsimpulsen auch Beiträge zur Verbesserung von Maßnahmen im Rahmen von Gesundheitsförderungsprogrammen. Außerdem geht man von positiven volkswirtschaftlichen Auswirkungen aus. Die enge Kooperation mit Be-trieben und Kommunen bei den Untersuchungen legt es nahe, dass die Erkenntnisse schnell in die Praxis transferiert werden können.

Foto: Lichtbild Austria PIXELIO www.pixelio.de

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