Konstanzerisch ist out – Tobias Bücklein spricht japanisch!

Viel Applaus für Show mit Peter Friedrich und Prof. Götz Werner – Gastgeber erblasst nur einmal

Konstanz. Man spricht jetzt japanisch bei der bückleinmusiktalkshow, die auch nicht mehr bückleinkunsttalkshow heißt. Der Konstanzer Musiker, Talker und Unterhalter hat sein Publikum mit Hilfe seiner beiden Gäste, Landesminister Peter Friedrich, und dm-Markt-Gründer Prof. Götz Werner zwei Stunden lang bestens unterhalten. Kontrovers haben die Gäste auch über das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert – Prof. Götz Werner ist dafür, der SPD-Politiker Peter Friedrich sehr dagegen.

Hommage an Konstanz und Takeda

Bücklein setzte sich an seinen Flügel und überraschte seine Gäste mit einer kleinen musikalischen Hommage an Konstanz („Hier im Quartier“). Der Andrang im Quartierszentrum war sehr groß. „Sogar der Sommer ist noch gekommen“, kalauerte Bücklein. Nein, den Namen seines neuen Hauptsponsors wollte er nicht nennen. Es reichte, dass Bücklein einem Gast namens Ni(y)ko Med einen Tag lang ein bedingungsloses Grundeinkommen spendierte. Der Unterhaltungskünstler sprach japanisch – die zweite Hommage, dieses Mal an den japanischen Pharmakonzern Takeda, der Bücklein-Sponsor Nycomed aufgekauft hat.

Pfeifender Prof. Götz Werner

Bückleinkunsttalkshow mochte Bücklein nicht mehr sagen, weil das Wort je nach Lesart „kleinkunst“ „kunsttalk“ oder Schlimmeres enthalte. Sehr gut ist Bücklein stets, wenn es um Musik geht und auch, wenn die Gäste musizieren. Minister Peter Friedrich verblüffte die Zuhörer mit dem Vortrag des Liedes von Theordor Kramer „Wann in mein Grünes Haus ich wiederkehr“, bei dem er sich mit virtuosem Fingerpicking selbst auf seiner Konzertgitarre begleitete. Erblasst ist Bücklein später dann kurzzeitig, als Götz Werner ihm auf der Showbühne eröffnete, er habe seine Querflöte nun doch nicht mitgebracht. Bücklein fürchtete mutmaßlich schon eine seiner Perlen, die er während der Show an einer imaginären Schnur aufreiht – andere sagen vielleicht Höhepunkte – ginge ihm verloren. Werner pfiff statt dessen begleitet von Bücklein am Flügel aber Händel vom Blatt ab. Eine Querflöte brauchte er gar nicht. Ilse Werner wäre vor Bewunderung wohl schwach geworden – das Publikum applaudierte begeistert.

Apropos Fettnäpfchen-Hopping

Zu den Stärken von Bückleins Show gehört es, die Menschen hinter den Karrieren zu zeigen. Bücklein stolperte über Till Seiler, erinnerte an Andreas Renners Abgang als Landesminister und fragte, Peter Friedrich, dem er nur die Stringenz seiner Karriere vorzuwerfen hatte, ob es schwer sei, als Minister nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten. Peter Friedrich erzählte später, dass er es in Europa mit Günther Oettinger, dem baden-württembergischen EU-Kommissar, gut könne. Beim Tischkicker gewann aber der CDU-Politiker. „Wo ist Deine Heimat?“, fragte Bücklein den zwischen Konstanz, Stuttgart, Berlin und Brüssel hin und her sausenden Peter Friedrich. „Hier bin ich zu Hause“, sagte er. In Konstanz kickt er mit seinem Sohn im Garten und selbst spielte er zwei Jahre lang Rugby, solange bis ihm ein gegnerischer Spieler die Nase brach.

Beharrlich im Bemühen

Bevor Bücklein Götz Werner auf die Bühne bat, spielte er passenderweise ein Stück von den „Prinzen“ „Ich wär’ so gerne Millionär – dann wär’ mein Konto niemals leer“. Millionär oder Milliardär? 67 Jahre ist Götz Werner jetzt alt – seine Drogisten-Lehre absolvierte der Gründer der Drogeriemarktkette dm in Konstanz bei Kornbeck. Der Unternehmer, bekennender Autodidakt und Anhänger der Lehre Rudolf Steiners, der aus dem Stand zwei Verse Goethe rezitieren kann, sagte, es komme auf die Ziele an. Sein Urgroßvater war Drogist in Heidelberg. „Wenn jemand Milliarden haben will, soll er meine Läden übernehmen“, schlug Werner vor. Erfolg, erklärte er, haben man mit etwas, das man kann. Und noch so ein typischer Werner Satz: „Jeder Tag ist ein Beginn von vorn.“ Werner gibt die Parole aus: „Beharrlich im Bemühen – bescheiden in den Erwartungen.“

Bedingungsloses Grundeinkommen

Und das bedingungslose Grundeinkommen? Jedes Individuum soll es bekommen. Einkommen sei die Voraussetzung für Arbeit, sagt Werner. Er redet von Gütern, nicht von Geld. Ein steuerfreier Grundbetrag oder das Kindergeld seien bedingungslose Grundeinkommen. Tausend Euro pro Monat oder 4.000 für eine vierköpfige Familie, sagen Befürworter des bedingsungslosen Grundeinkommens. Werner würde das Geld bar auszahlen. Steuern würde er nur noch auf den Umsatz erheben und die Einkommenssteuer ganz abschaffen. Steuern würden sowieso nur in Preise hinein gerechnet.

SPD-Politiker findet es ungerecht

Peter Friedrich, der Sozialdemokrat, konnte da nicht mit. Von einer höheren Mehrwertsteuer wären die Bezieher kleiner Einkommen, die anteilig das meiste Geld für den Konsum ausgegeben müssen, stärker betroffen als die Bezieher höherer Einkommen. Friedrich möchte Zahlungen gerecht verteilen – ein Minister brauche keine 300 Euro Kindergeld im Monat. Der SPD-Politiker fürchtet außerdem, dass die Preise, gebe es das bedingungslose Grundeinkommen, nach oben schießen könnten und die tausend Euro am Ende nicht mehr die Kaufkraft hätten, die tausend Euro heute haben. Der Minister hatte sehr viele Bedenken.

Schöne Grüße nach Japan

Der „Schlagabtausch“ hätte das Format der bückleinmusiktalkshow fast gesprengt. Vom Plaudern bis zum zackigen Austausch von Argumenten, pro und contra und Sprechzeiten von jeweils nur 60 Sekunden war der Spagat schier zu groß. In zwei Stunden schaffte es Bücklein aber durch seine Show zu navigieren, die Perlen aneinanderzureihen und sein Publikum zu amüsieren. Die neue Klimaanlage im Quartierzentrum machte die Show auch sonst erträglich, sagte Bücklein. Die letzten Sommershows seien es nicht gewesen. Im Oktober möchte Bücklein mit einer neuen Ausgabe seiner bückleinmusiktalkshow wieder kommen. Wer seine Gäste sind, steht noch nicht fest – vielleicht trägt Bücklein dann Kimono und isst Sushi.

Fotos: wak/Gäste Götz Werner und Peter Friedrich

2 Kommentare to “Konstanzerisch ist out – Tobias Bücklein spricht japanisch!”

  1. Papuga
    11. August 2011 at 14:50 #

    Es war ein sehr kurzweiliger und informativer Abend.
    Vielen Dank an alle Protagonisten.

    Weiter so Herr Bücklein!

    Inhaltlich hätte ich mir natürlich mehr zum Thema BGE gewünscht, aber ich denke andrerseits, dass die Mischung das Salz in der Suppe war.

  2. BGE Konstanz
    11. August 2011 at 18:12 #

    Inhaltlich wird bei uns in Konstanz einmal im Monat diskutiert. Dazu gibt es den LeseTreff im Palmenhaus… Termine siehe Webseite und herzlich willkommen!

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