Konzertbesuche sind nach wie vor nicht nur in Konstanz hoch subventioniert

Südwestdeutsche Philharmonie mit rekordverdächtigen Einspielergebnis

Konstanz (gro) Konzertbesuche sind fürs Publikum nach wie vor ein glänzendes Geschäft: Im Durchschnitt zahlt der Zuhörer gerade einmal ein Viertel dessen, was ihm von der Südwestdeutschen Philharmonie geboten wird. Oder anders herum: Jeder Konzertbesuch müsste vier Mal so viel kosten wie auf dem Eintrittsbillett steht, damit die tatsächlichen Kosten eingespielt würden. Dabei kann die Konstanzer Philharmonie deutschlandweit mit einem der besten Einspielergebnisse aufwarten: Mit über 1 Million Euro wurde im vergangenen Jahr ein rekordverdächtiger Wert erreicht.

Löwenanteil für Gehälter und Sozialleistungen

Zu den Zahlen, mit denen sich der Orchesterausschuss des Gemeinderats am Mittwoch dieser Woche auseinanderzusetzen hat, gehören die Zuschüsse der öffentlichen Hand: gut 2 Millionen aus der Stadtkasse, knapp 2 Millionen Euro vom Land Baden-Württemberg. Der Gesamtumsatz des städtischen Orchesterbetriebs liegt laut dem vorläufigen Rechnungsabschluss für das Jahr 2009 bei 5,2 Millionen Euro. Mit fast 4 Millionen Euro wird der Hauptteil der Aufwendungen für Gehälter und Sozialabgaben benötigt.

Auch künftig kein standesgemässer Aufführungsort

Nach dem ablehnenden Bürgerentscheid vom März dieses Jahres, bei dem es um das Projekt eines Konzert- und Kongresshauses auf Klein Venedig ging, wird dem Konstanzer Sinfonieorchester, das im nahen und fernen Ausland regelmässig Erfolge feiert, auch künftig ein standesgemässer Aufführungsort für seine Auftritte fehlen. In den kommenden Jahren steht selbst der angestammte, unzureichende Konzertsaal, der obere Saal des Konzilgebäudes, nicht zur Verfügung.

Landesausstellung bringt Musiker vorübergehend um Konzertsaal

Zunächst muss die grossangelegte Sanierung des weit über 600 Jahre alten Bauwerks zu Ende gebracht werden. Anschliessend wird in dem altehrwürdigen Haus, in dem 1417 Papst Martin V. gewählt wurde, eine Ausstellung zum Jubiläum „600 Jahre Konstanzer Konzil“ gezeigt. Sie entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem baden-württembergischen Landsmuseum.

Foto: Peter Kirchhoff PIXELIO

Ein Kommentar to “Konzertbesuche sind nach wie vor nicht nur in Konstanz hoch subventioniert”

  1. Fenedig
    28. Juni 2010 at 13:15 #

    Kultur kostet – nicht ganz neu! Das Einspielergebnis der Philharmonie ist in diesem Zusammenhang erfreulich. Es weist auf das Potential des Orchesters hin, auf die gute Resonnanz beim Konzertpublikum, sicher auch auf ein gutes Management, das dabei in Konstanz nicht mal eine adäquate Spielstätte vorfindet. In den kommenden Jahren wird sich, was die Konzertsaal-Verhältnisse betrifft, in der Stadt nichts ändern! Bekanntlich ging ein entsprechendes Vorhaben – mit allen Konsequenzen – schief. Eine weitere Optimierung der Spielkultur (des grossen Orchesters) ist auf Dauer, neben vorhandenen geeigneten Proberäumen, nur in Verbindung mit einem modernen Konzertsaal möglich. Für kleinere Ensembles mögen die Verhältnisse etwas anders gelagert sein, wenn auch nicht grundverschieden. Und an die Durchführung eigener tourismus-beflügelnder Konzertwochen ist schon gar nicht zu denken. Bei allem Pessimismus sollte trotzdem der Glaube an die Verwirklichung eines Konstanzer Konzertgebäudes bestehen bleiben und bereits heute einen Horizont von z.B. 4-8 Jahren gesetzt werden. Sonst stellte sich die Frage nach dem Sinn eines „Philharmonischen Orchesters ohne Konzertsaal“ immer wieder neu. Und das wäre für eine definierte Kulturstadt schlecht.

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