Konzerthaus-Architektur mit Ausrufezeichen!

Konstanz präsentierte zum ersten Mal Konzerthaus-Pläne

Konstanz (wak) Zum ersten Mal hat die Stadt Konstanz am Donnerstagabend den Entwurf der Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller für ein Konzerthaus öffentlich gezeigt. Die beiden Vorarlberger Architekten setzen mit ihrem Entwurf ein Ausrufezeichen. Befürworter des Konzerhauses sind begeistert. Selbst Gegner loben die Architektur. Von außen sieht das Konzert- und Kongresshaus der Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller auf den ersten Blick eher raffiniert schlicht aus. Innen aber überrascht das multifunktionale Gebäude mit einem variablen Konzert- und Konferenzraum samt Schaufenster zum See. Das Alleinstellungsmerkmal des neuen Konzerthauses wären aber weder die Funktionalität noch die Ästhetik: Bauen würden die Architekten den Konstanzern ein Konzert- und Kongresspassivhaus. Es wäre das erste nicht nur in der Bodensee Region.

OB verteidigte nicht-öffentliches Verfahren

Zwischen 60 und 100 Konstanzer waren zur öffentlichen Sitzung gekommen, als der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank im Ratssaal zunächst noch einmal das heftig kritisierte Verfahren verteidigte, bei dem die Öffentlichkeit bis ganz zum Schluss draußen bleiben musste. Nur mit dem gewählten Wettbewerbsverfahren könne es aber die vom Gemeinderat geforderte Kostensicherheit geben, sagte Frank. Die Nicht-Öffentlichkeit sei mit Rücksicht auf die Firmen, die sich beteiligt hätten, geboten gewesen. Denn beim Verfahren ging es nicht nur um Architektenentwürfe, sondern auch um die Bauvergabe. Ein Hotel sollen die Bieter mit einem privaten Investor und Betreiber realisieren. Auch die Parkgarage soll mit privatem Geld finanziert werden. Die Stadt selbst möchte nur das nackte Konzert- und Kongresshaus finanzieren. Rechtsanwalt Frank Meininger wies darauf hin, dass die Gefahr bestanden hätte, das Bieter gegenseitig von einander abschauen. Immerhin 55 Interessenten hatten sich ursprünglich beworben und wollten das Konzerthaus auf Klein Venedig bauen. Den Zuschlag bekam nun die Bietergemeinschaft Geog Reisch GmbH+Co.KG mit den Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller.

Entscheidung gegen Deyle Gruppe

Zum Schluss waren noch zwei Bieter im Rennen. Beide Entwürfe kann sich die Konstanzer Öffentlichkeit in den kommenden Tagen anschauen. Ansichten der Gebäude sind seit Donnerstagabend im Rathaus in der Kanzleistraße ausgestellt. Die Bilder hängen im Vorraum eine Etage unter dem Ratssaal, der vom Innenhof des Rathauses aus zu erreichen ist. Prof. Auer, Vorsitzender der Beurteilungskommission, die die Entwürfe bewertete und zum Schluss den von Helmut Dietrich und Much Untertrifaller aussuchte, skizzierte die beiden favorisierten Vorschläge. Die Geog Reisch GmbH+Co.KG setzte sich mit ihrem Plan am 14. Januar, als die Beurteilungskommission zum letzten Mal nicht-öffentlich tagte, gegen die Planung der Deyle Gruppe durch.

Monumentaler Entwurf der Deyle Gruppe

Der im Vergleich zum Vorschlag der Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller vom Deyle Planungsbüro stammende Entwurf mutete eher monumental tempelartig an. So sagte es Prof. Auer. Zum Konzert- und Kongresshaus hätte bei Deyle ein fünfgeschossiges Hotel gehört, das nahe der Schweizer Grenze entstanden wäre. Anders als bei Helmut Dietrich und Much Untertrifaller hätte es eine vollkommene Trennung von außen und innen gegeben. Der Konzertsaal wäre von außen komplett abgeschirmt gewesen – Sichtkontakte aus dem Konzertsaal von innen zum See hin hatte das Deyle Planungsbüro nicht vorgesehen.

Vorzüge der schnörkellosen Passivhaus „Schachtel“

Helmut Dietrich und Much Untertrifallers Entwurf musste sich dagegen anfangs den Vorwurf gefallen lassen, wie eine „Schachtel“ auszusehen. Doch das sei nur ein Vorurteil, sagte Prof. Auer. Entscheidend sei die Qualität des Gebäudes. Für den Entwurf der Vorarlberger sprach: das sparsame Volumen, der Passivhausstandard sowie die Funktionalität. Das Gebäude würde sich sehr gut in die Hafenpromenade integrieren. Eissporthalle und Sealife würden daneben nicht wie Fremdkörper wirken. Zum See hin bliebe – übrigens bei beiden Entwürfen – noch so viel Platz, so dass dort Zirkusgastspiele oder Volksfeste stattfinden könnten. Das Hotel hätte nur vier Geschosse – jedes Zimmer Seeblick.

Multifunktionaler Raum mit ausfahrbarer Konferenzebene

Im Inneren möchten die Architekten viel Holz und hochwertige Materialien verarbeiten. Die Zuschauerränge im Konzertsaal sollen steil ansteigen. Direkt hinter der Bühne wäre der Blick auf den See frei. Die Konferenzzone ließe sich als zusätzliche Ebene wie ein Zwischenboden über den Konzertsaal schieben, so dass die Bestuhlung stehen bleiben könnte. Verbauen würden die Österreicher viel Holz. Der Innenraum würde sehr ästhetisch wirken.

Fotos: wak

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