Kreis Konstanz: Krankenhaus-Holding soll Kliniken retten

Oberbürgermeister und Landrat informieren die Medien – Schnitt tut allen Häusern weh

Klinik-Holding als Lösung im Kreis KonstanzKonstanz. Mit einander wollen die Oberbürgermeister und Bürgermeister im Kreis Konstanz ihre Kliniken retten. Als Landrat Frank Hämmerle am Montag zusammen mit dem Singener OB Oliver Ehret, dem Radolfzeller OB Jörg Schmidt, den Bürgermeistern Claus Boldt aus Konstanz, Rainer Stolz aus Stockach und Johannes Moser aus Engen sowie den Klinik-Geschäftsführern Peter Fischer, HBH-Klinikverbund, Rainer Ott, Konstanz, und Martin Stuke, Stockach, die Medien informierte, präsentierte er überraschend eine mögliche kreisweite Krankenhaus-Lösung, mit der auch das Kartellamt mutmaßlich einverstanden ist. Dickste Überraschung: Selbst die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers PWC hält plötzlich im Kreis Konstanz trotz einer flächendeckender Klinikversorgung mit fünf Häusern schwarze Zahlen für möglich.

Holding als eierlegende Wollmilchsau

Noch vor wenigen Monaten hatte alles ganz anders ausgesehen. Damals behaupteten die Berater von PWC noch, die Kliniken im Kreis Konstanz könnten wirtschaftlich nur überleben, wenn die kleineren Häuser in Radolfzell, Stockach und Engen geschlossen würden. Jetzt machte Armin Albat von PWC die Kehrtwende. Auch Berater Edwin Beckert teilt die Einschätzung von PWC. Im Kreis Konstanz könnten alle Kliniken erhalten werden, die Krankenhäuser blieben in öffentlicher Trägerschaft, Synergien würden genutzt und schwarze Zahlen seien möglich. Landrat Frank Hämmerle sagte es so: „Wir haben eine Lösung gefunden.“ Gab es beim Jahresabschluss 2009 bei den Krankenhäusern im Kreis Konstanz insgesamt noch ein Defizit von 2,2 Millionen Euro, so sei laut PWC mit Einspareffekten im medizinischen und nicht-medizinischen Bereich bei der Holding ein Überschuss von 3,2 Millionen Euro zu erwarten.

Holding mit Kreisbeteiligung

Der Kreis möchte einen 53-prozentigen Anteil an der Holding, Singen und Konstanz sollen jeweils 20 Prozent halten und Stockach 7 Prozent. Das Zauberwort heißt Synergien im medizinischen und im nicht-medizinischen Bereich. Die Kliniken im Kreis müssten mit dem Wettrüsten aufhören, so der Appell des Landrats. Die gefundene Lösung gehe nicht zu Lasten der Patienten oder Mitarbeiter, sagte Hämmerle. Letztere bekämen eine Arbeitsplatzgarantie, wenn auch keine Garantie ihres Arbeitsortes. Drei Jahre lang werde der Kreis – anstelle von Konstanz – dem Stockacher Krankenhaus maximal 250.000 Euro pro Jahr zuschießen. Noch ist aber nichts entscheiden: Am 13. Dezember ist die Holding dann erst einmal Thema im Kreistag.

Unternehmerischen Handlungsspielraum nötig

Allerdings sprach Albat von einem „ambitionierten Plan“ und von „Verbesserungen“, die nötig seien. Beckert sagte, die prognostizierten Zahlen seien belastbar. Er erklärte aber auch, dass der Geschäftsführer der Holding „unternehmerischen Handlungsspielraum“ brauche. Kurze und schnelle Entscheidungswege seien entscheidend. Der Konstanzer Claus Boldt sprach von einer „großen Schnittmenge gemeinsamer Interessen“. Weiter sagte er: „Es wird ein schmerzhafter Weg sein.“ Nicht alle Kliniken könnten alles weiterhin anbieten. Die Alternative wäre aber ein Verkauf, so Boldt. Und da sei die kommunale Lösung die bessere. Auch der Singener Oliver Ehret erklärte, dass nicht alle Kliniken alles bieten könnten. Rainer Stolz urteilte, die Stockacher Zusammenarbeit mit Konstanz sei nicht ausreichend gewesen. Der Radolfzeller Schmidt sieht die Holding sehr positiv. Es sei Zeit, Geld in bessere Strukturen zu investieren. Sonst würde es der Markt regeln. Längere Gesichter machten dagegen die Krankenhaus-Geschäftsführer. Ihre Jobs könnten gestrichen werden.

Welche Abteilungen wo noch unklar

Klar ist, dass „Spitzenmedizin“ jeweils nur noch in einem Haus im Kreis Konstanz angeboten werde – die übrigen Krankenhäuser müssten sich auf die Grundversorgung beschränken. Welche Fachgebiete wo aufrecht erhalten werden, ist aber noch nicht klar, und die Mitarbeiter sollten die Info auch nicht aus den Medien bekommen. Insgesamt seien die Vorteile aber enorm. Hämmerle sagte, eine Holding sei zu einzelnen Häusern auch eher in der Lage, die erforderlichen Fallzahlen zu erreichen. Wen die Holding Hüften einkaufe, bekomme sie höhere Rabatte und brauche auch nur noch einen Einkäufer.

Wettbewerb mit Kliniken außerhalb des Kreises

Weitere machten die Beteiligten klar, dass Altschulden von den heutigen Eigentümern der Kliniken beglichen werden müssten. Sollte ein Standort eine unwirtschaftliche Entscheidung treffen wollen, gelte, wer bestellt, zahlt. Starten könnte die Holding dann am 1. 1. 2012, so Hämmerle. Er sagte aber auch, dass er nicht wisse, wie der Kreistag entscheide. Mit den Nachbarkrankenhäusern in Villingen oder Friedrichshafen sei eine Zusammenarbeit möglich – die Konstanzer Holding trete aber auch mit den anderen Kliniken in den Wettbewerb, so Hämmerle.

Foto: Klinikum Konstanz

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