Kunst-Massen-Event scheiterte am Geld

Galeristin Heike Schumacher will Neuauflage der Kunstnacht 2011

Überlingen (wak) Die Überlinger Galeristin Heike Schumacher, Galerie für Grafik, Malerei und Skulpturen, ist tief betrübt. Nachdem zwei Sponsoren und die Stadt ihre Zuschüsse für die nur alle zwei Jahre stattfindende Überlinger Kunstnacht gestrichen haben, hat sie Kunstschaffenden wie der interdisziplinären Künstlerin Tina Zimmermann wieder abgesagt. Die Freigiebigkeit neuer Sponsoren kommt zu spät. Schuld an der Absage ist die Finanzkrise und schuld sein soll auch Heike Schumacher selbst. Das sagt wenigstens die Stadt.

Kunstnacht begeisterte Massenpublikum

Im September 2010 sollte es wieder soweit sein. Die Überlinger Kunstnacht, die erstmals im Jahr 2000 stattfand, ist ein besonderes Ereignis. Gezeigt werden Exponate, Skulpturen, Bilder, Performances und Installationen in vielen privaten Galerien, auf öffentlichen Plätzen und an eher ungewöhnlichen Orten. Bis zu 5000 Interessierte bummelten beim Event an langen Abenden der Kunst durch die Stadt. Erreicht hat die Überlinger Kunstnacht in der Vergangenheit nicht nur typische Galeriebesucher oder Leute, die sich sowieso regelmäßig auf Vernissagen treffen, sondern das Massenpublikum. Und auch das war – neben manchmal spektakulären Inszenierungen, weißer Strechtlimousine, Loungemusik und Prosecco – was die Kunstnacht einzigartig und aus machte.

Private Initiative erfolgreich

Organisiert wurde die Kunstnacht von Anfang an privat und mit hohem persönlichen Einsatz der Überlinger Galeristin Heike Schumacher. Die Stadt zeigte der Kunstnacht, so könnte man es wohl sagen, eher die kalte Schulter. Zu den Steckenpferden des Kulturreferenten Michael Brunner gehörte sie noch nie. Der promovierte Kunsthistoriker engagiert sich lieber für die von ihm konzipierten Ausstellungen in der Städtischen Galerie Fauler Pelz und hofft auf internationale Beachtung seiner Schauen. Einmal wollte er in einer Kunstnacht in der Städtischen Galerie sogar Eintrittsgeld von den Besuchern verlangen, während die Türen in allen anderen Ausstellungsorten den Besuchern zum Nulltarif offen standen. Geschadet hat diese public-private Arbeitsteilung bei der Kunstnacht freilich nie.

Zwei Sponsoren und Stadt sprangen ab

Doch in diesem Jahr war dann plötzlich alles anders. Zwei von acht Sponsoren und auch die Stadt sagten Heike Schumacher ab. Die Sponsoren hatten ihr Aussetzen gegenüber der Galeristin offenbar mit dem Hinweis auf die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise begründet. 3000 Euro fehlten im Etat, den Galeristin Schumacher mit etwa 15.000 bis 18.000 Euro beziffert. Den Ausfall hätte sie noch ausgleichen können, sagte Schumacher. Doch dann strich auch noch die Stadt, in der die Sparkommission das Sagen hatte, ihren Zuschuss in Höhe von 2000 Euro. Somit fehlten 5000 Euro oder mehr als ein Viertel oder sogar ein Drittel des Gesamtbudgets.

Von Ausfall der Stadt  kalt erwischt

„Sie kam überraschend“, sagte Heike Schumacher über die Absage der Stadt. Nach Angaben von Schumacher hatte Kulturreferent Michael Brunner zuvor noch signalisiert, dass es dieses Mal möglicherweise auch nur 1500 Euro werden könnten. Der Zuschuss aber käme. Während Michael Brunner für eine Stellungnahme telefonisch noch nicht zu erreichen war, wies Raphael Wiedemer-Steidinger von der Stadtverwaltung den Vorwurf zurück, die Stadt sei schuld an der Absage der Kunstnacht. Es sei zwar richtig, dass die 2000 Euro Zuschuss von der Sparkommission gestrichen worden seien. Heike Schumacher sollte aber offenbar einen Antrag an die Kunst- und Kulturstiftung des Bodenseekreises stellen, der „sehr wohlwollend“ behandelt worden wäre, so Wiedemer-Steidinger. Doch ein Antrag sei bei der Stiftung nie eingegangen. Etwas befremdlich sei es schon, dass nun die Stadt als Schuldige herhalten solle, sagte der neue Dezernent im Überlinger Rathaus. Davon, dass Oberbürgermeisterin Sabine Becker, die nach ihrem Amtsantritt Kulturbürgermeister Ulrich Lutz durch Baubürgermeister Ralf Brettin ersetzt hatte, eine Kunstbanausin sein könnte, wollte er nichts wissen. Ein solcher Vorwurf würde jeder Grundlage entbehren.

Rückabwicklung der Kunstnacht

Heike Schumacher war am Montag kurzfristig nicht für ein zweites Gespräch zu erreichen. An den Fakten geändert hätte die Beantwortung der Frage, weshalb kein Förderantrag bei der Stiftung gestellt wurde, sowieso nichts mehr. Die Kunstnacht ist abgesagt. Offenbar hat Galeristin Schumacher lange gezögert, bevor sie die Absage öffentlich machte. In die Öffentlichkeit ging sie erst, als sie bereits mit der Rückabwicklung des Projekts begann. So kamen auch die Angebote und Nachfragen von möglichen neuen Sponsoren, die einspringen wollten, zu spät.

Schmerzende Absagen an Künstler und Sponsoren

Künstlern wie der mittlerweile in Berlin lebenden Tina Zimmermann, die in früheren Kunstnächten mit ihren Klang-Bild-Video-Installationen für Beachtung sorgte, hat Schumacher bereits definitiv abgesagt. Das musste sie tun, denn sonst hätten die Künstler, hätte sie sie länger hingehalten, womöglich noch Gagen für die nicht stattfindende Kunstnacht gefordert. Auch den Sponsoren zahlte die Galeristin bereits überwiesenes Geld zurück. „Das war mir sehr peinlich“, so Schumacher. Der Narrenzunft teilte sie mit, dass der schummrige Gewölbekeller des Zunftgebäudes als Ausstellungsort nicht gebraucht wird und dem Kustos des städtischen Museums sagte sie, dass es in diesem Jahr keine Skulpturen im Museumsgarten geben wird.

Neuer Anlauf 2011

Im kommenden Jahr möchte Heike Schumacher nun einen neuen Anlauf machen. Die Absage der Kunstnacht 2010 soll nicht das tragische Ende der privat organisierten Überlinger Kunstnächte sein. 2011 möchte die Initiatorin der Kunstnacht die Galeristen und Kunstschaffenden wieder zum Mitmachen gewinnen. Ankommen wird es dann vor allem wieder auf die Sponsoren und vielleicht bekommt Schumacher dann ja auch wieder a little help von der Stadt. Für Ausstellungen im Faulen Pelz und 18.000 Euro Zuschuss fürs ebenfalls privat organisierte Wortmenue reicht es in Überlingen ja schließlich auch.

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