Lächelnde Websites beim BlogCamp in Zürich

Über #bcch5 BlogCamp Switzerland 5.0 oder eine Unkonferenz für Blogger

Zürich Als vor gerade einmal fünf Sommern im August 2005 das erste BarCamp in Palo Alto in Kalifornien stattfand, war die Unkonferenz die erste ihrer Art überhaupt. Die Welle hat fünf Jahre später längst Deutschland und die Schweiz erreicht. Im Juni traf sich die Web 2.0 Gemeinde zum BarCamp Bodensee in Konstanz, am vergangenen Wochenende tauschten sich vor allem Blogger beim BlogCamp Switzerland 5.0 aus und am kommenden Wochenende reisen die „Techies“ zum nächsten BarCamp nach Stuttgart. Die Idee ist immer dieselbe: Menschen kommen zusammen, um ihr Wissen mit anderen zu teilen und sich in Sessions zwanglos auszutauschen.

Welcome im Technopark in Zürich

Zum ersten BarCamp, dem FooCamp  in Palo Alto, brauchte es noch eine persönliche Einladung. Heute ist das nicht mehr so. Wo BarCamps stattfinden, erfahren Interessierte in Wikis, auf Blogs oder bei Microblogging Netzwerken. Die Teilnahme ist – so war es auch am vergangenen Samstag in Zürich – grundsätzlich kostenlos. Bei einem Cometogether stellte sich im Technopark beim BlogCamp Switzerland 5.0 jeder Einzelne – das ist bei allen BarCamps so – vorab mit drei „Tags“ persönlich vor. Lauten könnten solche „Tags“ zum Beispiel „Linux“, „Onlinejournalismus“ oder „beratungsresistent“. Die Themen beim BlogCamp in Zürich waren – so wie die Teilnehmer – weniger Technik orientiert oder auch weniger „Techie“ als die bei anderen BarCamps.

Facebook killed die Blogger Star

Im Netz und erst Recht für Blogger ist es längst ein Thema: Was passiert mit Blogs? Welche Rolle spielen heute noch Blogs und laufen Soziale Netzwerke und Microblogging Dienste den Blogs etwa den Rang ab? Angeblich werde immer weniger gebloggt. „Ist der Saft raus?“, fragte Ralph Hutter, der in Zürich zu einer Session „Facebook killed the blogger star“ einlud. Dass der Saft raus ist, lasse sich anhand von Ranglisten und eigenen Lesegewohnheiten sagen, so Hutter. Viele Blogger hätten früher fast täglich geschrieben und seien jetzt aus dem Netz verschwunden. Die Vermutung ist: Social Media sind Blog Ersatz. „Das Medienverhalten hat sich geändert“, so Hutter. „Die ersten Blogs darben.“ Facebook, Twitter, Daily booth und YouTube seien wichtiger geworden. Gleichzeitig bloggen mittlerweile immer öfter auch Redakteure großer Verlage und Twitter und Blogs werden zu Echtzeitquellen für Journalisten. Journalisten informieren sich in Blogs.

Weniger Blogs sind mehr

Hutter glaubt, dass mobile Endgeräte den Medienkonsum noch einmal gewaltig verändern. Microblogging werde noch wichtiger. Von einem Ausverkauf der Blogs könne aber nicht die Rede sein. „Von wegen“, sagt Hutter. Bei denen, die noch bloggen, sei die Qualität der Beiträge höher geworden. Heute landeten Blogger sogar auf PR-Verteilern und Blogger könnten sich bei Pressekonferenzen akreditieren. „Man ist willkommen, man ist akzeptiert“, so Hutter.

Buschtrommel Twitter

Was auf einem Blog erscheint, wird oft automatisch auf Twitter veröffentlicht. Das hilft. Die Plattform ermögliche es, ein größeres Publikum zu erreichen. Facebook und Twitter sind gute Multiplikatoren, sagt Hutter. Statt einen Beitrag zu kommentieren, drücken Leser heute den Flattr Button, was so viel heißt wie „gefällt mir“. Zu einem guten Blogpost gehöre immer ein Titel, ein Bild, eine kurze Einführung und ein guter Text. Kleinkram werde heute nicht mehr gebloggt, sondern „vertwittert“. Das Verzetteln sei gut, sagt Hutter.

Bloggen im Bürgermeisterwahlkampf

Angekommen ist das Web 2.0 offenbar auch bei deutschen Kommunalpolitikern. Besim Karadeniz aus Pforzheim  berichtete vom Pforzheimer OB-Wahlkampf 2009, bei dem der neue OB Gert Hager auch auf einen Blog gesetzt hatte. Karadeniz zeigte die Vorteile eines Blogs gegenüber einer statischen Website auf. Der Blogger ist überzeugt, dass der Kandidat dank des Blogs authentischer wirkte und nur so eine direkte Ansprache der Wähler möglich gewesen sei, was bei einer Webvisitenkarte nicht möglich gewesen wäre.

Make the user smile

Mit emotionalem Webdesign beschäftigte sich Remy Blättler, der seine Session mit dem Titel „Make the user smile“ überschrieben hatte. Er brachte eine ans Web angepasste Bedürfnispyramide mit. Seine These: „Emotions make the difference“. Anders ausgedrückt: Eine Website muss funktionieren, sicher und bedienerfreundich sein. Sie soll aber auch Vergnügen bereiten. Schlechte Emotionen darf sie auf gar keinen Fall auslösen. Remy Blättler stellte den Happy User Peak vor und zeigte Beispiele für emotionales Design. Es könnte der Clippy sein oder ein sich rot verfärbendes Twittersymbol, wenn der Microblogger mehr als 140 Zeichen schreibt. Bei Photojojo gibt es einen lachenden Warenkorb, dessen Farbe sich von schwarz auf grün ändert, wenn der Kunde Ware in den Einkaufswagen legt.

Babylachen von der Website

Team Pages müssen nicht nur seriös sein. Die Unterschrift des Teammitglieds, das passende Horoskop, ein Kindergartenbild oder eine Karikatur statt eines üblichen Fotos können Team Sites besser machen. Anderes Beispiel: Zu sehen ist eine Jahrmarktbude. Köpfe wandern nach einander nach oben und werden mit Bällen wieder abgeschossen. Schon besser, wenn irgendwo auf einer Website wenigstens „Enjoy your weekend“ oder „Wow, still at work“ zu lesen ist. Es sei eine Gratwanderung, sagt Remy Blättler. Eine weitere Frage ist die, ob die Adressaten von E-Mails besser mit „Sie“ oder „Du“ angesprochen werden sollten. Systememails ohne persönliche Ansprache lösen jedenfalls keinerlei positive Reaktionen aus.

Nach dem BlogCamp in Zürich suchen die Organisatoren derzeit neue Mitstreiter und Sponsoren fürs nächste BlogCamp Switzerland.

Blogschau zum Blogcamp:

http://blog.netplanet.org/2010/09/05/blogcamp-switzerland-5-in-zuerich/

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