Landespolitik kam zum Zuhören: Bärlauchknödel am Bodensee

Mitglieder des Arbeitskreises Ländlicher Raum und Verbraucherschutz von SPD und Grünen auf Bildungsreise

Bodenseekreis/Kreis Konstanz. Der eine ist Biobauer in Überlingen, der andere katholischer Theologe und arbeitete zuletzt als Pastoralreferent in Singen. Dann schickten die Wählerinnen und Wähler Martin Hahn (Grüne) und Hans-Peter Storz (SPD) in den Landtag nach Stuttgart. Beide sind dort  Mitglieder des Arbeitskreises Ländlicher Raum und Verbraucherschutz. Sie sind es gern.

Frühlingssalat mit Löwenzahn

Am Montagabend hatte Martin Hahn (Grüne) aus dem Bodenseekreis, der Vorsitzender des Arbeitskreises bei den Grünen und außerdem Sprecher seiner Fraktion für Landwirtschaftspolitik ist, seine Kollegen zu einem gesunden Essen und einer Weinprobe auf den Helchenhof eingeladen. Bodensee-Weinprinzessin Magdalena Malin aus Meerburg ließ die Parlamentarier Rivaner Sekt, Müller-Thurgau, Bacchus, Grauburgunder, Spätburgunder Rotwein und Spätburgunder Weißherbst verkosten. Mit dabei war auch Sabine Becker, Oberbürgermeisterin von Überlingen. Zwischen Frühlingssalat mit Spargel und Löwenzahn und Rinderbraten mit Bärlauchknödeln und Gemüse aus Bioanbau am Bodensee, nutzte sie auch die Chance für Überlingen zu werben.

Bodensee als Agrarregion

Ziemlich viel passt hier zusammen. Am Montag hatten die Landtagsabgeordneten zunächst einiges über gesunde und regionale Ernährung in der Klinik Buchinger in Überlingen erfahren. Regionale Produkte sind nicht zufällig auch Grundlage für einen nachhaltigen Tourismus. Nach einer Führung durch die Fastenklinik hoch über dem Überlinger See besuchte der Arbeitskreis Ländlicher Raum und Verbraucherschutz dann das größte Biogewächshaus Baden-Württembergs im Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf in Wahlwies. Thema war der Bio-Anbau. Hans-Peter Storz sagte später beim Abendessen, er habe viel gelernt. Er sprach zum Beispiel von dem ausgeklügelten Bewässerungssystem im Gewächshaus.

Lernende Abgeordnete

Am Dienstag machten die Parlamentarier auch noch einen Abstecher in die Gärtnersiedlung der Reichenau Gemüse e.g. in Singen-Beuren. Die Landtagsabgeordneten besichtigen das Gewächshaus, in dem die Gärtner Paprika für den Lebensmittler Edeka pflanzen. Hans-Peter Storz hatte schon bei einem Tischgespräch am Montagabend gesagt, er wisse nun, was er die Gärtner unbedingt fragen wolle.

Zu wenig Zeit für eigene Wahlkreise

Die grün-rote Fraktion nimmt ihren Auftrag ernst. Mit einer Vergnügungsreise oder Sommerfrische am Bodensee hatte die zweitägige Klausur mit insgesamt vier Betriebsbesichtigungsterminen nichts zu tun. Für den SPD-Abgeordneten und seine Kollegen aus der grün-roten Fraktion steht fest: Wer Politik machen will, muss zuerst quer durch das Land fahren, zuhören und und sich informieren. Sie seien sehr oft unterwegs, sagte auch Sandra Boser (Grüne). Sie kommt aus der Ortenau. Sie ist Betriebswirtin. Manchmal bleibe zu wenig Zeit für Veranstaltungen im Wahlkreis. Bevor sie in den Landtag gewählt wurde, war sie Kreisgeschäftsführerin im Grünen Kreisverband Ortenau und Mitarbeiterin des Bundestagsabgeordneten Alexander Bonde, der jetzt Minister ist. Martin Hahn, der sich noch zwei Betreuungswahlkreise kümmert, geht es oft genauso wie seiner Kollegin. Er ist oft unterwegs. Im Zug trifft er dann Hans-Peter Storz.

Ländlicher Raum ein großes Thema

Alle miteinander und nicht nur die Vorsitzenden und Sprecher der Arbeitskreises Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, Martin Hahn (Grüne) und Alfred Winkler (SPD), sind stolz darauf, das Politikfeld wie einen Acker bestellen zu dürfen. Sandra Boser sagte, hier würde über wichtige Themen geredet. Besonders für Grüne sind Landwirtschaft und Verbraucherschutz wesentlich. Anderswo wie in Überlingen ist es auch der Tourismus.

Stadtmarketing der Oberbürgermeisterin

Überlingens Oberbürgermeisterin Sabine Becker stellte ihre Stadt den Landtagsabgeordneten als Citta Slow vor. Sie sprach von Nachhaltigkeit, der Landschaft und regionalen Produkten. Sie erinnerte daran, wie Überlingen sehr früh zu gentechnikfreien Zone geworden ist. Die Oberbürgermeisterin sprach von der Landesgartenschau 2020, die mit dem Stadtjubiläum zusammenfällt, und von der Chance, eine Straße vom Seeufer wegzuverlegen und neue Aufenthalts- und Freiräume für die Bürger zu schaffen. Sie berichtete im Gespräch vom Bürgerbeteiligungsprozess und, dass Wünsche und Anregungen von Bürgern für die LGS 2020 in Überlingen schon in den Auslobungstext für den Ideen- und Realisierungswettbewerb mit einfließen. Überlingen ist aber trotz Biohöfen und LGS 2020 nicht nur eine grüne Stadt, die ausschließlich von der Landwirtschaft und dem sanften Tourismus lebt.

Überlingen nicht nur grün

Die Oberbürgermeisterin bedankte sich bei den Landtagsabgeordneten auch für Zuschüsse für die Kleinkindbetreuung, die der Stadt sehr geholfen haben,  und sie versäumte es nicht, darauf hinzuweisen, dass sich in der Stadt neue Unternehmen ansiedeln oder vergrößern und Arbeitsplätze entstehen. Überlingen hat viele Förderanträge gestellt, würde sich auch über den Besuch des Wirtschaftsministers freuen und bemüht sich um eine gute Außenpolitik.

Das Zuhören macht den Unterschied

Gegen Mitternacht verabschiedeten sich dann die Gäste. Was nach der Abreise der Landtagsabgeordneten bleibt, ist das Gefühl, dass sich so einiges geändert hat in Baden-Württemberg, seit Grün-Rot in Stuttgart regiert. Die politische Kultur im Land ist eine andere geworden. Das Zuhören und auf Augenhöhe mit den Bürgern sprechen, ist „gefühlt“ vielleicht der größte Unterschied zu früher. Dass die Überlinger Oberbürgermeisterin CDU-Mitglied ist, störte an dem Abend niemand. Vielleicht lag das auch daran, dass sie die Sache mit dem Zuhören und die Menschen mitnehmen längst verstanden hat. Am Dienstagabend ist sie in Nesselwangen beim Bürgergespräch. Da geht es dann um Windkraft.

Foto: Von links AK-Sprecher Alfred Winkler (SPD), Weinprinzessin Magdalena Malin, OB Sabine Becker, Thermenchef Peter Koop und AK-Sprecher Martin Hahn (Grüne).

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