Landgericht Konstanz entscheidet wer Rettung von Dschungel-Studentin bezahlt

Leipziger Max-Planck-Institut verlangt 66.000 Euro von früherer im Urwald vermissterAffen-Forscherin

Konstanz/Leipzig (wak) Am kommenden Freitag beschäftigt sich die dritte Zivilkammer am Konstanzer Landgericht mit dem Fall einer Studentin, die vor zwei Jahren mehrere Tage im kongolesischen Dschungel verschwunden war. Die ehemalige Affen-Forscherin hatte sich im Urwald verlaufen. Die Frage, mit der sich das Konstanzer Gericht befasst, lautet, wer ist schuld an der Odyssee der Studentin durch das Dickicht. Das Max-Planck-Institut möchte, dass die Studentin für ihre Rettung bezahlt. Die junge Frau, die mittlerweile in Konstanz wohnt, fühlt sich unschuldig und verlangt ihrerseits Schmerzensgeld vom Max-Planck-Institut.

Studentin verlief sich im Dschungel

Die tragische Geschichte, die am 30. Juli vor dem Konstanzer Landgericht verhandelt wird, nahm ihren Anfang im Mai 2008 im kongolesischen Urwald. Die Studentin wollte während eines Praktikums im Dschungel Daten über Zwergschimpansen sammeln. Zusammen mit einem Forscher brach die junge Frau am Morgen im Camp des Max-Planck-Instituts auf. Vermutlich nur in etwa fünf Kilometer Entfernung vom Camp und mutmaßlich 50 Meter von einem Hauptweg entfernt machte sich die junge Frau auf eigene Faust mit Kompass und Karte allein auf den Rückweg, während der Forscher weiter einer Affengruppe folgte. Die Studentin, eine Pfarrerstochter, wollte zum Mittagessen zurück ins Camp.

Teure Suchaktion im Urwald gestartet

Die Studentin verlor im Dschungel die Orientierung und verschwand spurlos im Urwald. Sieben Tage später stieß die Deutsche auf vier einheimische Männer, vermutlich Wilderer, die die junge Deutsche retteten, ihr zu essen und trinken gaben und sie zurück ins Camp führten. Zu diesem Zeitpunkt suchten bereits mehr als 50 Helfer nach der vermissten Studentin. Mit Versorgungsflügen wurden Zelte und andere Ausrüstungsgegenstände in den Dschungel gebracht. In Deutschland startete eine Hundestaffel der Johanniter, die mit fünf Suchhunden in den Kongo aufbrach, um nach der Vermissten zu suchen. Die Rechnung ging an das Max-Planck-Institut in Leipzig.

Junge Frau will nicht zahlen

Mitten im Urwald stieß ein Suchtrupp auf die Frau und ihre vier afrikanischen Begleiter. Die Studentin schilderte nach ihrer Rettung gegenüber einem Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts die Geschehnisse. Offenbar liegt auch ein unterschriebenes Gesprächsprotokoll vor. Offenbar ist es nicht alltäglich, dass sich eine Praktikantin ohne Begleitung durch den Dschungel bewegt. Später stritten sich dann die ehemalige Affenforscherin und das Max-Planck-Institut über die Schuldfrage und die Aufteilung der Kosten für die Rettung der Studentin. Die junge Frau weigert sich, für die aufwändige Suchaktion zu bezahlen. Offenbar ist sie der Ansicht, dass sie sich selbst gerettet hat.

Konstanzer Gericht muss Schuldfrage klären

Das Max-Planck-Institut sieht das anders und verlangt von der Studentin 66.121,55 Euro. Die damalige Studentin ihrerseits fordert jetzt 100.000 Euro Schmerzensgeld. Vor Gericht vertreten wird die ehemalige Affen-Forscherin von der Friedrichshafener Rechtsanwältin Nuria Schaub. Das Landgericht Konstanz muss am Freitag nun darüber entscheiden, wer welchen Betrag und damit die Kosten für die Rettung der jungen Frau bezahlen muss. Das sagte eine Sprecherin des Landgerichts Konstanz am Montag See-Online. Ihr Praktikum durfte sie junge Frau beim Max-Planck-Institut nicht fortsetzen. Statt mit Bonobos beschäftigte sich die Studentin später mit dem Paarungsverhalten von Nacktschnecken. Dazu mehr hier.

Die Verhandlung vor dem Konstanzer Landgericht beginnt am Freitag, 30. Juli, um 14 Uhr im Saal 200.

Foto: wak

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