Landschaftsarchitekturbüro relais Landschaftsarchitekten aus Stuttgart gewinnt Wettbewerb LGS 2020 in Überlingen

Landesgartenschau Überlingen 2020 bekommt ein Gesicht – Who ist who der Landschaftsarchitekten reichte Wettbewerbsarbeiten ein

Überlingen. Die Stadt Überlingen und das Land Baden-Württemberg haben am Samstag, 13. Oktober 2012, bei einer Medienkonferenz die Gewinner des Planungswettbewerbs Landesgartenschau Überlingen bekannt gegeben. Der erste Preis geht an relais Landschaftsarchitekten aus Stuttgart.

Meilenstein auf Weg zu LGS 2020

„Die Vorbereitungen zur Landesgartenschau Überlingen haben einen wichtigen Meilenstein erreicht“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde. Der Minister weiter: „Jetzt steht das mit Spannung erwartete Wettbewerbsergebnis für den landschaftsplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerb ,Landesgartenschau Überlingen 2020′ fest.“

Einstimmiges Votum

Ein 24-köpfiges Preisgericht hat nach einer 20-stündigen Sitzung fünf Preise sowie drei Anerkennungen vergeben. Das Preisgeld lag insgesamt bei netto 92.000 Euro. An dem von der Stadt Überlingen und dem Land Baden-Württemberg gemeinsam ausgelobten Wettbewerb nahmen 27 Planungsbüros aus Deutschland und dem benachbarten Ausland teil. „Die große Anzahl und die hohe Qualität der abgegebenen Entwürfe war eine große Herausforderung für die Jury. Wir haben nach zwei anstrengenden Tagen mit intensiven Diskussionen ein einstimmiges Votum des Preisgerichts. Dies ist eine hervorragende Basis für unsere weitere Arbeit“, freute sich Oberbürgermeisterin Sabine Becker.

Hohe Qualität aller Arbeiten

Das Preisgericht, in dem Vertreter des Gemeinderates, der Stadtverwaltung, des Ministeriums Ländlicher Rau sowie namhafte Landschaftsarchitekten und Stadtplaner aus ganz Deutschland und Österreich mitwirkten, hat sehr unterschiedliche Konzepte gesichtet und bewertet. Alle eingereichten Entwürfe zeugen von hoher Qualität.

 So geht es weiter

Oberbürgermeisterin Sabine Becker kündigte an: „Wir werden in Kürze Gespräche mit den Preisträgern führen insbesondere zur Weiterentwicklung und Nachhaltigkeit der Konzeptionen.“ Mehrere Büros werden hierzu nach Überlingen eingeladen und haben bis Mitte November Zeit, die Vorschläge des Preisgerichts einzuarbeiten. Erst danach wird endgültig über die Vergabe des Auftrags entschieden, wobei das Wettbewerbsergebnis das wichtigste aber auch die Leistungsfähigkeit der Büros ein Entscheidungskriterium ist. Momentan steht in Überlingen auch die endgültige politische Entscheidung darüber, ob die Stadt die Landesgartenschau 2020 ausrichtet, noch aus.

Siegerentwurf zurückhaltend

Der Siegerentwurf überzeugte auf zurückhaltende Weise konsequente landschaftliche Transformation. Das entstehende Bild berücksichtigt in besonderer Weise die Nachbarschaft des Sees und der Molassekante. „Die grünen Freiflächen könnten zum sozialen Mittelpunkt der Stadt Überlingen werden“, sagte Frau Prof. Donata Valentien, die Vorsitzende des Preisgerichts.

1. Preisträger:

Die Verfasser stellen dem urbanen Ufer der historischen Altstadt einen konsequent landschaftlich geprägten Entwurf gegenüber, mit weichen Formen in der Geländegestaltung. Gut beurteilt wird auch der langsam ansteigende Grünzug mit dem Hochpunkt westlich des Bahnhofs, hier erschließt sich dem Betrachter der Park in beiden Richtungen. Die Arbeit greift in ausgezeichneter Weise bestehende Elemente der lokalen Landschaft auf und führt sie zu einem für Überlingen spezifischen Entwurf zusammen.

2. Preisträger:

Dieser Beitrag bildet eine insgesamt landschaftliche Charakteristik, die von den Besonderheiten des Entwurfs ausgeht und diese weiterentwickelt. In der Mitte des Bürgerparks ist das Pflanzenhaus situiert, das zu einem Magneten dieses neuen Parkbereiches werden könnte. Das Projekt besticht durch eine unprätentiöse Eleganz (raffiniert wenig): Es ist von großer räumlicher wie konzeptioneller Offenheit gekennzeichnet, die künftigen Entwicklungen ausreichend Platz bietet. Der Umgang mit dem Bodenseeufer eröffnet attraktive neue Nutzungen, die finanziell vertretbar und technisch unaufwendig sind. Die Verbindung mit der Altstadt und den bestehenden historischen Freianlagen ist gut gelöst.

Oberbürgermeisterin Sabine Becker erklärte: „Mit dem Wettbewerbsergebnis wurden unsere Erwartungen voll und ganz erfüllt.“

 Die Ausstellung

Die Wettbewerbsarbeiten werden vom 13. Oktober bis zum 21. Oktober öffentlich ausgestellt. Ausstellungsort ist das Gebäude Hägerstraße 8 (ehemals „Minimal“). Öffnungszeiten sind täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr. Die Stadtverwaltung bietet zu diesen Zeiten regelmäßig Führungen an, interessierte Gruppen erhalten nach Anmeldung auch Führungen außerhalb der genannten Zeiten.

 Ausstellung ist Bürgerbeteiligung

„Diese Ausstellung ist ein wichtiger Beitrag zur Beteiligung der Überlinger Bürgerinnen und Bürger“, sagte Oberbürgermeisterin Sabine Becker. Drei Bürger, die sich zuvor an einer Bürgerwerkstatt beteiligt hatten, gehörten als nicht stimmberechtigte Mitglieder dem Preisgericht an. Alexander Bonde erklärte: „Wir bauen in Baden-Württemberg nur maßgeschneiderte Landesgartenschauen, eine umfassende und frühzeitig Einbeziehung der künftigen Nutzer ist uns sehr wichtig.“

 Über Landesgartenschauen in baden-Württemberg

Landesgartenschauen werden in Baden-Württemberg bereits seit 1980 durchgeführt. „Nach über 30 Jahren Landesgartenschau können wir auf eine überaus erfolgreiche Geschichte zurückblicken, zum Nutzen von Städten wie Besuchern“, betonte Bonde. Über 28 Millionen Menschen haben die Gartenschauen besucht. Die Investitionszuschüsse des Landes in die Grünanlagen beliefen sich insgesamt auf über 80 Millionen Euro. Die veranstaltenden Städte hätten zusätzlich über 170 Millionen Euro investiert. „Der Landeszuschuss hat durchschnittlich mehr als den sechsfachen Betrag an Investitionen im unmittelbaren Bereich der Grünflächen wie auch im weiteren Bereich der städtebaulichen Entwicklung ausgelöst. Damit wurden vor Ort wertvolle Impulse gesetzt“, sagte der Minister. Für die Gestaltung der dauerhaft nutzbaren Freiflächen in Überlingen sei ein Landeszuschuss von 5 Millionen Euro vorgesehen.

Die Preisträger:

1. Preis: relais Landschaftsarchitekten, Stuttgart

2. Preis: Faktorgrün, Freiburg und K9 Architekten, Freiburg

3. Preis: Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin und MONO Architekten, Berlin

4. Preis: geskes.hack Landschaftsarchitekten, Berlin und Kersten und Kopp Architekten, Berlin

5. Preis: Weidinger Landschaftsarchitekten, Berlin und Ludoff+Ludoff Architekten, Berlin

Ankäufe:

lohrer.hochrein landschaftsarchitekten, München und architekten linie 4, Konstanz (5011)

Stefan Fromm, Dettenhausen und Hähnig Gemmeke, Tübingen und Pirker und Pfeiffer Ingenieure, Überlingen (5005)

A 24 Landschaft, Berlin und Swillus Architekten, Berlin (5013)

Das Preisgericht

Dem Preisgericht gehörten an als Vertreter der Auslober:

Oberbürgermeisterin Sabine Becker, Stadt Überlingen

Gartenbaudirektor Erich Herrmann, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg

Ulrich Krezdorn, Fraktion der CDU

Lothar Thum, Fraktion der ÜfA

Bernadette Siemensmeyer, Fraktion der LBU

Ingo Wörner, Fraktion der FDP

Oswald Burger, Fraktion der SPD (stv.)

Robert Dreher, Fraktion der Freien Wählergemeinschaft (stv.)

sowie weitere Vertreter der Stadt Überlingen und drei Bürger.

Fachpreisrichter waren die renommierten Architekten:

Ralf Brettin, Baubürgermeister Überlingen

Prof. Cornelia Bott, Landschaftsarchitektin, Korntal

Prof. Donata Valentien, Landschaftsarchitektin, Weßling

Prof. Walburg Prechter, Landschaftsarchitektin, Nürtingen

Pit Müller, Landschaftsarchitekt, Freiburg

Dieter Pfrommer, Landschaftsarchitekt, Stuttgart

Prof. Janos Kárász, Architekt, Wien

Begründungen für den 1. und den 2. Preis

 1. Preis , relais Landschaftsarchitekten Stuttgart

Die Verfasser stellen dem urbanen Ufer der historischen Altstadt einen konsequent landschaftlich geprägten Entwurf gegenüber, mit weichen Formen in der Geländegestaltung, der Uferausbildung und der Wegeführung. Die Ufer sind durchgängig geneigt gehalten, das Geländeniveau ist teils erhöht, teils abgesenkt, die mäandrierende Wegeführung entspricht diesem Duktus.

 

Die Silvesterkapelle wird in einer Wiese freigestellt und bekommt durch eine geschnittene Hecke eine angemessene Fassung, die Umwandlung der Bastion in einen kleinen Hügel ist spannungsreich, wird aber kontrovers beurteilt. Die wenigen Maßnahmen am Stellwerk (Nutzung als Café) sind auf die Bahnlinie bezogen und entsprechen der guten Qualität des Entwurfs.

Die schwingende Wegeführung entspricht dem Konzept, sie erschließt und durchquert in ihrer Längsentwicklung unterschiedliche landschaftliche Räume, mal entfernt sie sich vom See, mal nähert sie sich ihm an, es eröffnen sich neue Blickbeziehungen. Ergänzt wird dieser Hauptweg durch ein intelligentes System von untergeordneten Saumwegen. Ein dem Ufer vorgelagerter sichelförmiger Holzponton entspricht dieser Entwurfsabsicht und verspricht hohe Aufenthaltsqualität.

Gut beurteilt wird der langsam ansteigende Grünzug mit dem Hochpunkt westlich des Bahnhofs, hier erschließt sich dem Betrachter der Park in beiden Richtungen, die Höhe dieser Geländeskulptur wird kontrovers beurteilt. Insgesamt ist die Wahl der gestalterischen Mittel auf angenehme Weise zurück haltend und eröffnet Entwicklungmöglichkeiten für die Zukunft.

Für das Bahnhofsgebäude wird ein Fahrradhotel vorgeschlagen, an diesem Standort eine Nutzung mit ernsthafter Perspektive, die historische Verknüpfung mit der Mole wird durch eine Freistellung und mit einem durchgehenden Belag herausgearbeitet.

Die Verlegung der Bahnquerung nach Osten wird als kaum durchführbar eingeschätzt, lässt sie doch massive Eingriffe in die Molassewand vermuten, sie ist für die Entwurfsintention aber auch nicht unbedingt zwingend.

Die vorgeschlagene Nutzung der Fläche am Tunneleingang für ein Parkhaus sollte trotz denkmalschützerischer Bedenken hinsichtlich der Nachbarschaft zum Tunnelportal ernsthaft in Erwägung gezogen werden, eröffnet sie doch die Möglichkeit, den ruhenden Verkehr aus dem neuen Park heraus zu halten.

Das Pflanzenhaus wird als kompakter Bau im Kurgarten verortet, der Standort in Nachbarschaft zum Stadtgarten ist ortsnah und ergänzt die vorhandene Parkinfrastruktur, seitens des Denkmalschutzes wird die Nachbarschaft zu den Villen skeptisch beuteilt.

Der Mantelhafen wird kaum verändert, die vorgeschlagenen Rampen stellen allerdings einen Eingriff in die denkmalgeschützte Kaimauer dar. Leider werden die schönen Kastanienbäume auf dem Chantilliyplatz entfernt. Die Verbindung zum Stadtgrabensystem entspricht der bestehenden Dienstbarkeit.

Das Ausstellungskonzept ist schlüssig und berücksichtigt in einer zurückhaltenden Weise auch das Stadtgrabensystem.

Die Kosten liegen im unteren Bereich, die vorgeschlagene Planung lässt darüber hinaus eine Wirtschaftlichkeit in der laufenden Unterhaltung erwarten.

Der Entwurf präsentiert auf zurück haltende Weise eine konsequente landschaftliche Transformation, allerdings verbunden mit einem starken Eingriff in den vorhandenen Baumbestand. Das entstehende Bild berücksichtigt allerdings in besonderer Weise die Nachbarschaft des Sees und der Molassekante. Sein Manko liegt in der Tatsache, dass der parallel zum Ufer verlaufende Hauptsammler durch die Abgrabungsmaßnahmen im Bereich der Oberfläche liegen würde und mit entsprechendem Kostenaufwand verlegt werden müsste oder aber die Modellierungen würden angepasst, mit einer Minderung der Entwurfsqualität.

2. Preis, Faktorgruen, Freiburg und K9 Architekten, Freiburg

Leitidee bildet eine insgesamt landschaftliche Charakteristik, die von den Besonderheiten des Ortes ausgeht, diese weiterentwickelt. In der Mitte des Bürgerparks ist das Pflanzenhaus situiert, das zu einem Magneten dieses neuen Parkbereichs werden könnte.

Der Bürgerpark stellt sich als durchgängiges Band von der Silvesterkapelle bis zum Bahnhof dar. Dabei wird zur Bahnhofstrasse ein Rücken aus Vegetationsbändern gebildet, die den Park von der Straße abschirmen. An den Stellen mit interessanten Blickbezügen, insbesondere zum Molassefelsen, ist dieses Band unterbrochen. Großzügige Wiesenflächen durchziehen den Park ohne dezidiert Nutzungen aufzudrängen.

Die Uferpromenade verläuft von der Villenbebauung bis zum Rondellpark durchgehend in zwei Ebenen, die miteinander immer wieder durch Treppenzüge verbunden sind. Im Falle der Beibehaltung des Campingplatzes entsteht hierdurch eine Abschirmung zu diesem. Die Promenade weist an mehreren Stellen abgetreppte Wasserzugänge auf, eine eigens für Taucher mit einem direkten Zugang zur Tiefgarage.

Um das Pflanzenhaus entwickelt sich ein wohlproportionierter, großzügiger Platz, der mit Rasenstufen zum See hin abfällt. Durch das hier untergebrachte Cafe ist es gewährleistet, das dieser Ort zu einem Anziehungspunkt im Bürgerpark werden kann. Die Größe des Pflanzenhauses läßt eine Mehrfachnutzung zu. Eine Ausweisung von einigen Parkplätzen in diesem Bereich scheint ratsam.

Die Platzausbildung vor dem Thermenbahnhof verknüpft diesen durch den einheitlichen Belag mit der Mole. So entsteht ein markanter Eingangsbereich zum neuen Park, der durch die Teilumnutzung des Bahnhofs noch zusätzlich aufgewertet wird. Die Stegverbindung zur oberen Bahnhofstrasse sollte in ihrer finanziellen und denkmalflegerischen (alte Signalanlagen) Auswirkung noch geprüft werden.

Eine behutsame Parktopographie schafft dauerhaft positive Effekte: Indem der Park zur Straße hin leicht überhöht wird ergibt sich in Kombination mit den locker eingestreuten Bäumen und niederen Weidenpflanzungen ein wirksamer Sichtschutz zur Straße. Gleichzeitig erlauben die leicht geneigten Wiesen einen ungestörten Blick auf den See.

Trotz der 80 oberirdischen Stellplätze an der Nordseite (über der eingeschossigen Tiefgarage mit 320 Stellplätzen) bleibt ausreichend Platz für eine attraktive Eingangszone im Westen mit saisonalen Stauden.

Eine Freitreppe mit Sitzstufen verknüpft den Chantilly Platz mit dem Mantelhafen, womit ein neuer wassernaher Aufenthaltsbereich entsteht. Die angedachte Wegführung im Ochsengraben ist aufgrund der örtlichen Höhenlage problematisch.

Die Abtreppung am südöstlichen Eck der Mantelschanze ist fragwürdig. Für die hier an der Schanze vorgesehene befestigte Fläche, eine Art höher gelegenen Platz, besteht kein Bedarf. Indes bildet die dahinter situierte neue Liegewiese (an Stelle der Minigolfanlage) einer ruhige Zone mit schöner Aussicht.

Das Ausstellungskonzept beinhaltet – neben gärtnerischen Themen im Bürgerpark – als markante Elemente Lern- und Erlebnisboxen in der Altstadt sowie Wasserlabors (schwimmende Inseln), womit der See selbst in die Inszenierung einbezogen wird.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Das Projekt besticht durch eine unprätentiöse Eleganz (raffiniert wenig): Es ist von großer räumlicher wie konzeptioneller Offenheit gekennzeichnet, die künftigen Entwicklungen ausreichend Platz bietet. Der Umgang mit dem Bodenseeufer eröffnet attraktive neue Nutzungen, die finanziell vertretbar und technisch unaufwendig sind. Die Verbindung mit der Altstadt und den bestehenden historischen Freianlagen ist gut gelöst. Lediglich das südliche Vorfeld der Silvesterkapelle sollte zurückhaltender (ohne Sitzstufen) gestaltet werden, der bestehende Bahnübergang ist hier ausreichend. Die Herstellungskosten bewegen sich im günstigen Rahmen.

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