Lärm-Stopper am Bodensee bremsen Verkehr aus

Eine Region tritt auf die Bremse – Lärmaktionsplan Bodensee-Oberschwaben startet

Bodenseekreis/Kreis Ravensburg. Insgesamt 13 Städte und Gemeinden haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam etwas gegen Lärm zu unternehmen. Basierend auf der Umgebungslärmrichtlinie der Europäischen Union und den Vorschlägen der Landesregierung Baden-Württemberg werden nun sogenannte „Lärmminderungsmaßnahmen“ umgesetzt – zunächst mit dem Schwerpunkt Verkehrslärm.

Bodensee-Oberschwaben fährt auf leise ab

„Wir fahren auf leise ab“ – unter diesem Motto startet die Arbeitsgemeinschaft Lärmaktionsplan Bodensee-Oberschwaben parallel zur Einführung der ersten Maßnahmen eine breit angelegte Informationskampagne. Ziel ist es, auf die Hintergründe, die Vorteile, aber auch auf weit verbreitete Vorurteile in Bezug auf die geplanten Aktionen – vor allem Temporeduzierungen – hinzuweisen.

Tempo 30 auf der Bundestraße

Los geht`s in Friedrichshafen und in Hagnau. In Friedrichshafen werden ab 15. September an der Ortsdurchfahrt der B 31 durch Fischbach und auf der Inneren Umgehung zwischen Landratsamt und Maybachplatz von 22 bis 6 Uhr nachts Tempo 30 statt Tempo 50 gelten. „Wir versprechen uns von dieser Temporeduzierung eine merkliche Lärmminderung in der Nacht – und damit mehr Ruhe für die Anwohner und mehr Lebensqualität“, so Friedrichshafens Bürgermeister Peter Hauswald, dessen Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt die Temporeduzierung vorbereitet und mit den zuständigen Behörden und Interessensgruppen abgestimmt hat.

Langsamer fahren kostet Kommunen wenig

Eine Temporeduzierung ist kurzfristig die wirksamste und kostengünstigste Lösung“, begründet Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amtes für Bürgerservice und der Unteren Verkehrsbehörde, die in Friedrichshafen beschlossenen Aktionen. Die Ortsdurchfahrt der B 31 in Fischbach wird täglich von 21.500 Kraftfahrzeugen befahren. Davon sind tagsüber rund 10 Prozent, nachts sogar 15 Prozent schwere Lkws. Hier wird in Kürze nachts Tempo 30 gelten. Dies bewirkt eine Verringerung des durchschnittlichen Lärmpegels um 2,5 bis 3 Dezibel. „Für die Anwohner wirkt diese ermittelte Lärmverringerung so, als würden nachts auf einen Schlag nur noch halb so viele Autos durch Fischbach fahren“, erläutert Schraitle.

Ausweichen unattraktiv gemacht

Damit sich der Verkehr nicht auf andere Strecken verlagert und somit die Belastung anderenorts erhöht, wurden alle Aktionen von einer interkommunalen Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Bodensee-Oberschwaben sorgfältig untersucht. „Ein Ausweichen auf andere Strecken lohnt sich nicht, da dadurch niemand schneller ans Ziel kommt“, so Schraitle.

Diese Städte sind dabei

Zur interkommunalen Arbeitsgruppe gehören Bad Waldsee, Biberach, Friedrichshafen, Hagnau, Markdorf, Meckenbeuren, Oberteuringen, Ravensburg, Tettnang, Überlingen, Uhldingen-Mühlhofen, Wangen im Allgäu und Weingarten.

Friedrichshafen und Hagnau Vorreiter

Nach Friedrichshafen und Hagnau werden auch die anderen Städte und Gemeinden in Kürze beginnen, aktiv Projekte umzusetzen. Von Temporeduzierungen über Lärmschutzwände bis hin zu Verlegung von Flüsterasphalt reichen die geplanten Aktionen. „Bei den heute an vielen Hauptdurchgangsstraßen erreichten Lärmbelastungen sind wir gesetzlich verpflichtet zu handeln“ begründet Hagnaus Bürgermeister Simon Blümcke die geplanten Maßnahmen.

Website informiert über Kampagne

Am Donnerstag, 15. September wurden im Rahmen der Auftaktveranstaltung in Friedrichshafen die konkreten Maßnahmen sowie die begleitende Informationskampagne vorgestellt. Dazu zählen neben Großplakaten entlang der betroffenen Straßenabschnitte auch ein Flyer und eine eigene Internetseite, die ab Ende September frei geschaltet sein wird. Unter www.leise-abfahren.de veröffentlichen alle teilnehmenden Städte und Gemeinden aktuelle Informationen zum Sachstand ihrer Lärmaktionsplanung.

Foto: Stadt Friedrichshafen/Bildunterschrift: von links: Dr. Udo Weese, Bürgermeister Peter Hauswald, Martin Albeck, Bürgermeister Simon Blümcke, Hans-Jörg Schraitle und Dr. Tillmann Stottele.

7 Kommentare to “Lärm-Stopper am Bodensee bremsen Verkehr aus”

  1. eikju
    16. September 2011 at 00:03 #

    überlingen mit rund 22.000 einwohnern hat im gegensatz zu den anderen genannten städten/orten keine gewachsene ortsdurchfahrt mehr. dank genialer planung wird der hauptverkehr seit rund 4 jahren stattdessen mitten durch reine wohngebiete gelenkt, sehr zur freude deren bürger, familien und kinder.
    was sagt ob becker zu dieser einfalt ? sie selbst wohnt weitab vom
    verkehr, fährt nur morgens rein und abends raus . bitte antworten !

  2. Herbert
    16. September 2011 at 14:48 #

    war denn Frau Becker, Oberbürgermeisterin in Überlingen, beim Fotoshooting nicht dabei?
    Sie fehlt doch sonst nie, zumindest wenn es um Fotos geht.

    @Frau Kässer: Hat denn überhaupt jemand Überlingen vertreten?

  3. Heinz
    16. September 2011 at 15:01 #

    Hätte erwartet, dass Überlingen in die Pol-Position zu diesem Thema geht. Zumal es wohl einmalig in der Geschichte sein dürfte, dass aktiv der Verkehr durch ein neues Wohngebiet geleitet und nichts dagegen unternommen wird.
    Vermutlich befürchten die anderen Städte, dass Ihnen unter einer Vorreiterschaft aus Überlingen das gleiche Dilemma bevorstehen könnte!

  4. wak
    16. September 2011 at 15:20 #

    @Herbert, nein, Frau Becker war nicht dabei. Überlingen ist hier kein Vorreiter.

  5. Loewe
    16. September 2011 at 15:45 #

    Negativstes-Beispiel dürfte Überlingen sein. Hier wird sogar bewusst gegen die Bundesimmissionswerte innerhalb eines Reines Wohngebietes verstoßen und selbst das Regierungspräsidium Tübingen bleibt dabei nur untätig!!!!!
    Der Verkehr wird seit über 3 Jahren aktiv stadtauswärts an einer Schule, an 2 Kinderspielplätzen, durch ein Reines Wohngebiet, durch ein komplettes Neubaugebiet, an einem neuen Kindergarten und an einer Diakonie vorbei geleitet. Ohne Rücksicht auf Verluste!
    68 Dezibel sind hier an der Tagesordnung. Die Bürgerinitiative WOGE ZaNeLi führt dazu bereits seit mehr als 3 Jahren Grabenkämpfe mit der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat – siehe auch http://www.woge-zaneli.de.
    Was macht die Stadt Überlingen: Sie möchte die Innenstadt sogar noch sperren und noch mehr Verkehr durch die Wohngebiete leiten.
    Liebe beteiligten Städte: Bitte helft uns hier in Überlingen!

  6. Brigitte
    16. September 2011 at 16:49 #

    Die Situation in Überlingen ist wirklich unfassbar. Vor kurzem wurde beinahe ein Kind am Kindergarten überfahren. Nicht einmal eine Straßenüberquerungsmöglichkeit ist für die Kleinen vorgesehen. Die Stadt schert sich einfach nicht darum! Nur die Touristen sind in Überlingen willkommen!

  7. Max Müller
    14. Oktober 2011 at 08:30 #

    Alles nur billige Abzocke, dadurch wird der Verkehr nicht leiser! Die Hagnauer tragen ihre Konflikte mit der Bundespolitik auf dem Rücken der Autofahrer aus und kassieren dabei noch kräftig ab.
    Am besten ist es sich in Hagnau am Tempolimit halten; im 1 Gang :-)

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