Li-te-ra-tur rund ums Konstanzer Münster

Bestseller und Raritäten im Schatten von Kastanien – Auf Wiedersehen im September

Konstanz. „Alles aus Papier“ – und alles unter freiem Himmel. Ein angenehmes Lüftchen wehte über den Münsterplatz, wo Trödler Bestseller und Raritäten auf Biertischen stapelten oder ihre Bände direkt aus Kisten und Kartons verkauften. Ihre Stände am Münster aufgebaut hatten die Verkäufer im Schatten mächtiger Kastanien.

Politische Philosophie in Kisten

Mit 13 Kisten und geschätzt 300 Büchern stand eine der Verkäuferinnen hinter ihrem Stand und schmökerte selbst in einem gelben Reklambändchen. Zu haben waren bei ihr Jürgen Habermas, Nietzsche oder ein Philosophisches Wörterbuch. Die „Restposten“ stammten aus der Zeit, als ihr Mann promovierte. Das ist schon lange her und jetzt will der Akademikerhaushalt auf E-Books umsteigen. In den ersten eineinhalb Stunden wechselten am Stand etwa 15 gedruckte Bücher, die meisten für zwei Euro, den Besitzer.

Venyl und Papier

Nebenan gab es viel Venyl. Pink Floyd und Jethro Tull. Thomas Manns Buddenbrooks lagen neben John Grisham und Dan Brown. Ein Ausreißer war Bruno Helmles „Zeugnisse aus heutiger Zeit“ mit persönlicher Widmung des Alt-OB von 1980.

Der Standnachbar versuchte Barclay James Hervest Berlin und Heinrich Heines Buch der Lieder loszuschlagen. Zu Deutschland ein Wintermärchen hätte der Gault Millau Wein Guide von 2002 gepasst. Freunde der Kriminalliteratur hatten eine Kiste weiter die Wahl zwischen Sherlock Holmes und Edgar Wallace.

Ein Trödler, der früher Archivar gewesen ist, hatte eine Bibel in violettem Cover, Sophokles Antigone und König Ödipus neben einer zerfledderten Universalgeschichte aus dem 19. Jahrhundert und einem Band Heimwerken und Reparieren ausgestellt. Ein paar Hundert Euro seien die Raritäten wert, sagte der Mann mit dem Strohhut.

Familien drängten sich an Ständen mit Puzzles, Kinderbüchern oder griffen nach vier Pixi Büchern für zusammen einen Euro. Wer mochte, entdeckte auch nostalgische Kinder- und Jugendbücher, einen Elke Band zum Beispiel. Daneben stand das Große Katzenbuch und Simone de Beauvoir.

Ein paar Meter weiter fanden sich – eher etwas für Sammler – schwarzweiße Autogrammkarten mit Orignalunterschriften von Gina Lollobrigida, Gustav Knut und Joachim Fuchberger oder – fast schon vom Winde verweht – Vivien Leigh.

Auf Wiedersehen im September

Aufgrund der großen Nachfrage sind nicht einmal alle Interessierten Händler zum Zuge gekommen. Fest steht auch deswegen, dass es am 17. September einen zweiten Bücherflohmarkt „Alles aus Ppaier“ organisiert vom Förderverein Niederburg Vital e.V. geben wird. Anmeldeformulare gibt’s ab sofort bei der Buchhandlung Homburger & Hepp, Münsterplatz 7. Der laufende Meter Standplatz kostet für Nichtmitglieder 6 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: wak

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