Live-Stream aus Konstanz: Junge Wähler informieren sich in Onlinezeitungen

Vor dem Landesparteitag der Jusos nachgefragt bei Juso Sprechern Jan Welsch und Fabian Parsch

Konstanz. Am kommenden Wochenende, am 8. und 9. Mai, findet die Juso-Landesdelegiertenkonferenz (LDK) in Konstanz statt. Logistisch war ein Landesparteitag schon immer eine Herausforderung. In Zeiten von WLAN ist der Organisationsaufwand nicht geringer geworden. Wir fragten bei Fabian Parsch, Juso-Kreissprecher, und Jan Welsch, Sprecher der Juso AG in Konstanz, nach. Sie erzählten uns auch, dass Jugendliche und junge Erwachsene kaum noch gedruckte Tageszeitungen lesen, bei Ihnen werde das Printmedium immer mehr durch Online-Zeitungen ersetzt. Natürlich spielen auch (Wahl-)Videos und die Kommunikation in sozialen Netzwerken eine Rolle, sagen die Konstanzer Jusos.

Welchen Veranstaltungsort haben Sie für die Konferenz ausgesucht?


Jan Welsch: Wir haben uns – auf Grund der räumlichen Nähe zur Jugenherberge – für die Mehrzweckhalle Allmannsdorf entschieden.

Wie viele Delegierte reisen zum Landesparteitag in Konstanz an?


Fabian Parsch: Wir erwarten 150 Delegierte aus über 40 Kreisverbänden in Baden-Württemberg, sowie rund 80 Gäste.

Wo werden die Jusos, die übernachten, einchecken? War es ein Problem ausreichend viele Schlafplätze zu organisieren?


Jan Welsch: Sämtliche Delegierte werden in der Jugendherberge übernachten. Die Ersatz-Delegierten und Gäste sind auf Hotels, Pensionen und einen Camping-Platz in Konstanz verteilt. Leider gab es in der Tat Probleme bei Reservierungen in einem Hotel. Trotz vorheriger Zusage wurden die reservierten Zimmer anderweitig vergeben – ein Phänomen, das uns bei der Organisation in Konstanz immer wieder begegnet ist. Was die Einhaltung von Zusagen angeht, ist hier noch vieles zu verbessern, wenn Konstanz jemals Kongressstadt werden möchte. Einchecken werden alle Teilnehmer dann in der Mehrzweckhalle über unser elektronisches System.

Wie viele Jusos bringen am Wochenende Laptops mit?


Fabian Parsch: Schon in den letzten Jahren haben die Laptops immer weiter zu genommen. Gerade weil wir die diesjährige LDK über ein elektronisches KonferenzKoordinationsSystem (KoKoS) organisieren, werden sicherlich die meisten Teilnehmer mit einem Laptop teilnehmen.

War es schwer ein Netz zu organisieren? Kann man eigentlich WLAN für zwei Tage „kaufen“?


Jan Welsch: Das war gar nicht so einfach. Die einzelnen Telekommunikationsdienstleister kennen leider häufig ihre eigenen Produkte nicht. Letztendlich mussten wir jetzt zwei „normale“ DSL 1600-Leitungen legen lassen, um überhaupt eine Anbindung ans Netz zu haben. Das gesamte drahtlose Netzwerk organisieren wir selbst.

Werden die Jusos Kurznachrichten von ihrem Parteitag twittern?


Fabian Parsch (Foto): Die Jusos Konstanz (JusosKonstanz), der Landesverband (JusosBW), sowie viele Teilnehmer werden per Twitter live ihre Eindrücke von der LDK schildern. Einfach nach dem Hashtag #ldk2010 suchen.

Gibt es einen Livestream vom Parteitag oder Videos auf YouTube im Netz?


Fabian Parsch: Wir werden einen Livestream einrichten, der die gesamte LDK überträgt. Man findet ihn unter http://www.ldk2010.de.

Mit welchen politischen Themen werden sich die Jusos beschäftigen? Welche Rolle spielen Netzthemen? Bei der Juso-Kreisversammlung ging es vor ein paar Wochen um Internet und Datenschutz.


Fabian Parsch: Wie in jedem Jahr gibt es einen Leitantrag, der ein politisches Thema besonders ausführlich behandeln wird. Da das Thema des letzten Jahres der Sozialstaat war, wird ein Schwerpunkt also auf diesem liegen. Auch zu Netzthemen wird es Anträge geben, unter anderem einen aus Konstanz, der – beruhend auf den Ergebnissen unserer Kreisversammlung – das Thema „Datenschutz im Internet“ behandelt.

Jan Welsch: Ein weiteres wichtiges Thema ist natürlich die Bildungspolitik. Das politische Totalversagen der Landesregierung auf diesem Gebiet erfordert eben ein schlüssiges und sozial gerechtes Gegenkonzept. Daran werden wir am Wochenende und in den kommenden Monaten arbeiten. Ich denke, dass wir uns da auch durchaus Gehör innerhalb der Landespartei verschaffen können.

Die Konstanzer Jusos waren die ersten, die sich in der SPD gegen Netzsperren ausgesprochen haben. Die Welle lief von Konstanz über das Land bis nach Berlin. Sind die Konstanzer Jusos ein bisschen stolz darauf?


Jan Welsch: Naja, ganz so wie bei Asterix und dem einzigen wehrhaften gallischen Dorf war es dann auch wieder nicht. Die Zustimmung der SPD-Bundestagsfraktion zu den Netzsperren, dem BKA-Gesetz und zur Vorratsdatenspeicherung hat in der gesamten Partei hohe Wellen geschlagen. Die Zustimmung zum Gesetz zur Zugangserschwerung war dann für viele Anlass, sich innerhalb der SPD für eine ordentliche Bürgerrechtspolitik einzusetzen und in verschiedenen Netzwerken zu organisieren. Anträge gegen das Zugangserschwerungsgesetz gab es ausgesprochen viele, wir hatten letztlich das Glück, dass unser Antrag auf dem Landesparteitag der SPD Baden-Württemberg behandelt und mit überwältigender Mehrheit auch verabschiedet wurde.

Wir sind dennoch stolz darauf, durch unseren Antrag bewiesen zu haben, dass die SPD eine lebendige Partei ist, in der man durchaus „ganz unten“ Anträge einbringen kann, die dann relativ schnell zur Beschlusslage „ganz oben“ werden.

Apropos Internet. Welche Rolle werden das Internet und die sozialen Netzwerke Ihrer Meinung nach im Wahlkampf vor der Landtagswahl 2011 spielen?


Jan Welsch: Das ist kaum absehbar. Sicher ist nur, dass das Internet als Ganzes und die sozialen Netzwerke im Besonderen die politischen Kampagnen der Zukunft bestimmen werden. Ob 2011 ausgerechnet in Baden-Württemberg die Zeit reif sein wird für eine besonders online-lastige Kampagne, wage ich zu bezweifeln. Eine gute Netz-Kampagne wird man sicher brauchen, um besonders die Jungwähler auf die anstehende Wahl aufmerksam zu machen und sie von seinen Positionen zu überzeugen. Ich denke aber, der gewöhnliche „Straßenwahlkampf“ wird bei der Landtagswahl 2011 (noch) der zentrale Ort der politischen Auseinandersetzung sein.

Wie und wo informieren sich junge Wähler in Baden-Württemberg über Politik?


Fabian Parsch: Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Internet. Da Jugendliche und junge Erwachsene kaum noch gedruckte Tageszeitungen lesen, wird hier das Printmedium immer mehr durch Online-Zeitungen ersetzt. Natürlich spielen auch (Wahl-)Videos und die Kommunikation in sozialen Netzwerken eine Rolle.

Zu den Personen:

Fabian Parsch, 23 Jahre, Mathe-Student an der Uni Konstanz, Juso seit 2005.

Jan Welsch, 22 Jahre, Jura-Student an der Uni Konstanz, ebenfalls Juso seit 2005.

Wer die Konstanzer Jusos treffen will, findet sie unter:

http://www.jusoskn.de/ (Kreisverband)

http://www.jusos-konstanz.de/ (Juso AG Konstanz)

http://www.facebook.com/pages/Jusos-Konstanz/157046649901

http://www.twitter.com/JusosKonstanz

Die Fragen stellte Waltraud Kässer.

Ein Kommentar to “Live-Stream aus Konstanz: Junge Wähler informieren sich in Onlinezeitungen”

  1. dk
    5. Mai 2010 at 10:21 #

    @ die Kommunikation in sozialen Netzwerken eine Rolle

    Das Wort „sozial“ zu Netzwerken ist als Begriff des Web2.0 eher international zu verstehen und keinesfalls mit der engen deutschen Definition „Sozial ist, wer Arbeit schafft“, obwohl auch bei diesen Arbeitsplätze entstehen.

    „Soziales Netzwerk“ könnte man als kostenlose Dienstleistungen und Kommunikationsmittel an Internet-User ansehen, wobei die anbietende Organisation einen finanziellen Vorteil oder sonstige nicht direkten Nutzen von Dritten daraus erzielt.

    „Sozialen Netzwerke“ sind lediglich von politischem Interesse, wenn es um „private Datensicherheit und -schutz“ geht und sicher kein Anlass für Richtungen der Sozialpolitik.

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