Marco Walter bittet um Aufschub für Bäume in Oberer Laube in Konstanz

Grüner schreibt Brief an Baubürgermeister Werner – Protest gegen das Fällen von gesunden Bäumen

Konstanz. Bitte nicht, Herr Bürgermeister. Der Konstanzer Grüne Marco Walter, der im OB-Wahlkampf aktiv die Grüne Sabine Seeliger unterstützt hatte und sich auf lokaler Ebene zum Beispiel gegen die Erweiterung des Lago-Parkhauses eingesetzt hatte,  bittet um Aufschub. Er protestiert dagegen, gesunde Stadtbäume zu fällen, um Platz für Parkplätze zu schaffen. Marco Walter meint, die Öffentlichkeit sei nicht ausreichend informiert worden. Dem hat in einem Kommentar auf See-Online der Sprecher der Stadt, Walter Rügert, bereits widersprochen. Tatsächlich hatte die Stadt rechtzeitig informiert.

Gegen das Fällen gesunder Stadtbäume

Marco Walter schreibt an Baubürgermeister Kurt Werner: „nachdem gestern (am Montag d. R.) eine 120 Jahre alte, gesunde Platane beim Kiosk an der Oberen Laube gefällt wurde, sollen morgen (am Mittwoch d.R.) weitere, zum Teil gesunde Bäume (Linden und Platanen) an der Westseite gefällt werden.“

Wusste die Öffentlichkeit Bescheid?

Marco Walter schreibt weiter: „Da in den Vorberatungen zu der dortigen Umbaumaßnahme und bei der Information der Öffentlichkeit meines Wissens nach vermittelt wurde, dass die zu fällenden Bäume stark geschädigt seien und daher deren Entfernung aus Kosten- und Verkehrssicherungsgründen sinnvoll sei, lege ich an dieser Stelle offiziell Einspruch gegen die weitere Fällung der Bäume an der Oberen Laube ein.“

Marco Walter äußert seinen Verdacht

Es bestehe aus Sicht Marco Walters ein begründeter Verdacht, dass die städtischen Gremien und die Öffentlichkeit nicht richtig über den tatsächlichen Zustand der Bäume informiert worden seien und daher andere Entscheidungen herbeigeführt worden sind als sie bei vollständiger und richtiger Information getroffen worden wären.

Knackpunkt Zustand der Bäume

Marco Walter fordert: „Bevor nun Tatsachen geschaffen werden und weitere gesunde Bäume ausschließlich für den Erhalt von Parkplätzen gefällt werden, müssen die städtischen Gremien und die Öffentlichkeit zunächst korrekt über deren Zustand informiert werden, damit sie nochmals eine fundierte Entscheidung treffen können, ob sie zum Erhalt von Parkplätzen an dieser Stelle tatsächlich gesunde Bäume im Verhältnis eins zu eins opfern wollen.“ Dies sei für ihn im Moment auch deshalb unverständlich, da die dortigen Parkplätze in der mittelfristigen Planung ohnehin wieder entfallen sollen.  Marco Walter bittet: „Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieses Einspruchs und den Stopp der weiteren Baumfällungen bis zur Klärung dieser offenen Fragen.“

Blick zurück: Die Untere Laube

Die Stadt hatte bereits im Vorfeld informiert und die Räte hatten sich für die Sanierung entschieden. Die Fällaktion ist für die  älteren Konstanzer ein Déjà Vu. Fakt ist, dass nicht zum ersten Mal Bäume in der Konstanzer Laube fallen. Einen ähnlichen Aufschrei hatte es auch gegeben, als vor vielen Jahren  die Sanierung der Unteren Laube anstand. Das passierte noch in der Amtszeit des Vor-Vorgängers von Bürgermeister Werner, in den Jahren, als Ralf-Joachim Fischer noch Baubürgermeister in Konstanz gewesen ist. Mittlerweile säumen längst wieder stattliche Stadtbäume die Untere Laube, die eine Hauptverkersstraße und ein Areal für Bewohnerparken in Konstanz ist.

Keine Kommentare bis jetzt to “Marco Walter bittet um Aufschub für Bäume in Oberer Laube in Konstanz”

  1. Marco Walter
    24. Oktober 2012 at 11:23 #

    Eine Aktualisierung:

    Die Stadtverwaltung hat auf meinen Einspruch schnell und professionell reagiert. Martin Wichmann vom Umweltamt hat mir die Sachlage ausführlich schriftlich und in einem Vor-Ort-Termin heute morgen dargelegt.

    Dadurch haben sich für mich die offenen Fragen und gestern nachmittag noch als widersprüchlich erlebten Informationen bezüglich des Gesundheitszustandes der Bäume und der Parkplatzplanungen klären lassen.

    Auch wenn ich mir an der ein oder anderen Stelle eine noch stärkere Abwägung zu Gunsten des Baumerhalts gewünscht hätte (z.B. bei der neuen Wendeschleife am Kiosk) erkenne ich die professionelle Vorgehensweise der Stadt hier an und hoffe, dass der Baumschutz auch bei zukünftigen Planungen und Maßnahmen seine hohe Priorität behält.

    Bezüglich der Information und Beteiligung der Bürger bei sehr prominenten Maßnahmen wie der an der Oberen Laube schlage ich aber vor, unabhängig von den im RIS oder der Zeitung verbreiteten Informationen einen zusätzlichen Vor-Ort-Termin in kurzem Abstand vor Maßnahmenbeginn anzubieten, auf den auch mittels Infotafeln/Plakaten am jeweiligen Ort vorab hingewiesen wird. Denn die Erläuterung von Planungen und Fällarbeiten vor Ort hat, wie ich jetzt selber erfahren konnte, einen viel besseren Aufklärungseffekt wie reine schriftliche Informationen.

    Ich bin sicher, dass hierdurch Unmut und kurzfristige „Panikreaktionen“ der Bürger besser aufgefangen werden könnten. Denn der Bürger hat, das wissen wir spätestens seit S 21, immer die Möglichkeit und wie ich finde auch die Legitimation, sich auch kurzfristig in Prozesse einzubringen, selbst wenn er sich an Vorberatungen und Planungen aus welchen Gründen auch immer nicht beteiligt hat.

  2. Walter Rügert
    24. Oktober 2012 at 11:24 #

    Lieber Herr Walter,
    hier sind Sie offensichtlich einfach schlecht informiert. Mit einem Anruf hätten wir vieles klären können.
    In der Sitzungsvorlage für den technischen und Umweltausschuss vom 11.05.2012 heißt es ganz klar: „Bedingt durch die Verschiebung des Fahrbahnrandes aufgrund des verbreiterten Gehweges auf der Altstadtseite müssen alle auf der Ostseite stehenden Bäume entfallen. Mit der Anordnung der Stellplätze auf der Westseite ist es zudem unumgänglich, auch einige der dort stehenden Bäume zu entfernen. Insgesamt aber können voraussichtlich acht vitale Platanen sowie die mächtige Platane nördlich des Kiosks erhalten werden.“

    Weniger Parkplätze statt mehr
    Die ursprüngliche Planungsvariante ist ausdrücklich nochmals unter dem Aspekt „Bäume“ überarbeitet worden. Zum heutigen Bestand fallen 11 Stellplätze weg, damit auf der Altstadtseite eine durchgängige neue Baumreihe nachgepflanzt werden kann. In der Sitzungsvorklage heißt es dazu: „Im Bereich des Mittelstreifens werden insgesamt 64 Pkw- und 13 Motorradstellplätze angeboten. Dies sind 11 Stellplätze weniger als im Bestand, dies sollte aber in Anbetracht der jetzt schon auf die spätere Gestaltung ausgerichteten Baumstandorte hingenommen werden.“

    Baumsachverständiger optimiert Planung
    Um möglichst viele Bäume erhalten zu können wurde die Fahrbahn auf der Westseite um 1 Meter verschoben, wie der Sachverständiger Herrmann Schall in seinem Gutachten feststellte: „Die westliche Fahrbahn wird um ca. 1 m nach Westen verschoben, so dass hier – sorgfältige Bauausführung vorausgesetzt – eine Schädigung der statisch wichtigen Wurzeln der sieben Platanen in unmittelbarer Nähe zum Stamm – weitgehend vermieden werden kann. Zudem ist davon auszugehen, dass die Bäume unter der Fahrbahn nur geringe Teile ihres physiologisch wirksamen Wurzelwerks angelegt haben, so dass die dort erforderlichen Eingriffe (frostsicherer und tragfähiger Strassenaufbau) zu keiner irreversible Schädigung der Bäume führen dürften.“

    Stark geschädigte Linden
    Alle Bäume wurden nicht nur von ASU und TBK sondern zusätzlich von einem anerkannten externen Baumsachverständigen untersucht und begutachtet. Jeder Baum wurde diskutiert. Zu den Linden: Alle Linden sind so stark geschädigt und in einem Zustand, der eine Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleisten kann. Bereits zwei Mal sind Bäume bzw. größere Äste abgebrochen, u.a. beim Sturm 2009 und haben Sachschaden verursacht. Der geschädigte Zustand der noch bestehenden Bäume ist leicht erkennbar. Die Fällung der Linden wird seit Jahren hinausgezögert und stark zurückgeschnitten, bis im Rahmen des Neubaus Nachpflanzungen an entsprechend vorbereiteten Standorten möglich sind.

    Alle Informationen offen gelegt
    Der Sitzungsvorlage für den Technischen- und Umweltausschuss am 10.05.12 und den Gemeinderat am 28.06.12 ist auch ein Plan beigefügt, in dem jeder Baum markiert ist, der entfernt werden muss, der bestehen bleibt und der neu gepflanzt wird. Der Projektbeschluss zum Ausbau der Oberen Laube wurde sowohl im Technischen Ausschuss wie auch im Gemeinderat einstimmig gefasst. Der Südkurier schrieb am 10.05.12 anlässlich des Projektbeschlusses zur Oberen Laube: „Die Sanierung ist dringend nötig, Anwohner berichten von starken Erschütterungen der Häuser durch den Verkehr, da die Straße in so schlechtem Zustand ist.“

    Zum Thema Grünpflege
    Niemand fällt leichtfertig Bäume, und schon gar nicht stattliche alte Bäume, im Gegenteil. Jährlich pflanzen die Technischen Betriebe rund 200 neue Bäume im Stadtgebiet. Innerhalb von 10 Jahren mussten 850 Bäume gefällt werden, aber 2000 – also mehr als doppelt so viel – neu gepflanzt.

    Sitzungsvorlage zum Projektbeschluss:
    http://www.konstanz.de/ris/www/sv_print.php?sv_id=9381

    Diskussion im TUA am 10.05.12:
    http://www.konstanz.de/ris/www/getnspdf.php?pr_id=3262

  3. Fossibär
    25. Oktober 2012 at 10:37 #

    So weit so gut. Weiß nun irgendwer, wieviel Geld für die Ersatzpflanzungen da ist und wie sie aussehen sollen? Ich fürchte die kleine Überraschung…
    http://www.see-online.info/39341/erste-baume-in-der-konstanzer-laube-unter-protest-des-bund-gefallen/comment-page-1/#comment-4224

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