Maurizio Canestrini macht mit vier Ingrids eine lange Nase

Konstanzer Gastropreise – Carlo Karrenbauer sorgt für Spannung

Konstanz/Mainau (gro) Dem Ristorante Pinocchio ist am Montagabend zum zweiten Mal die „Dicke Ingrid“, der grosse Konstanzer Gastropreis, verliehen worden. Maurizio Canestrini kann nun sage und schreibe vier „Ingrids“ vorweisen. Denn auch zwei kleinere Ausgaben der begehrten Auszeichnung hat der begnadete italienische Kochkünstler und Gastronom inzwischen eingeheimst. Zu den Gästen im Mainauer Compturey-Keller gehörten Bestsellerautorin Gaby Hauptmann, Bildhauer Peter Lenk samt besserer Hälfte Bettina, die Journalistin Monique Würtz und das Künstlerpaar Uschi und Enzo Stragapede.

Kompliment für die Organisatoren der Gala

Der durchaus glanzvolle Abend war von Christian Schlenker („O’Lac“) und Franz Rommel („Kreuz“) umsichtig vorbereitet worden. Ohne Längen und ohne Pannen wurde im Palmenhaus und anschliessend im vollbesetzen, überwölbten Traditionslokal ein fünfstündiges Programm abgewickelt, das in einen lebhaften Tanzabend mündete. Carlo Karrenbauer, ein in solchen Dingen kundiger Mann, sah sich denn auch zu einem Kompliment veranlasst: Hier sei von einem engagierten Team beste Arbeit geleistet worden, sagte Karrenbauer, der als Jury-Mitglied wiederholt das Wort zu ergreifen hatte.

Mit Genugtuung genoss Rüdiger Niedzwietzki den Abend. Der Präsident des Konstanzer Wirtekreises hatte die Eröffnung des Abends übernommen. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass zur Ermittlung der Preise rund 8000 Flyer ausgewertet worden sind. Sie wurden ausnahmslos von Gästen ausgefüllt, die Ergebnisse dann von Juroren im Auftrag des Wirtekreises überprüft.

Von der Seezungengelatine bis zur Pestokruste

Als leidenschaftlicher Gastgeber entpuppte sich Herbert Brand, der Küchenmeister des Compturey-Kellers. Er liess eine fraglos preiswürdige kulinarische Auswahl auffahren: von der Seezungengelatine neben (unter anderem!) eingelegten Zucchini und einem Shrimpscocktail samt Tomate-Mozzarella über Lamm-Medaillons mit Pestokruste, Zanderfilet in Bärlauchsauce – bis hin zu Hechtklösschen in Krebsmousse. Dass es auch die Desserts in sich hatten, versteht sich von selbst.

Raffinierte Suppen und frische Salate

Zurück zur eigentlichen Hauptsache: In der Kategorie „Lokal für jeden Tag“ wurde erneut das „Suppengrün“ in der Sigismundstrasse prämiert. Angela Mössle-Klug und Dieter Klug sind Auszeichnungen längst gewöhnt. Mit ihrer „schnellen“, aber stets von frischen Produkten bestimmten Küche mit raffinierten und hausgemachten, kräftigen und leichten Suppen und feinen Salaten verwies das „Suppengrün“ die Konkurrenz auf die Plätze. Gabriela Ganter überzeugte mit ihrer Lobrede voll und ganz. Es ist mindestens die zweite „Ingrid“ für Angela Mössle-Klug und Dieter Klug.

Wo Fremde Gastfreundschaft erfahren

In der Rubrik „Solide und bewährt“ widmete sich Jörg-Peter Rau einem der traditionsreichsten Lokale der Stadt: der Weinstube Niederburg. Nach einer Hymne auf die Weinstube an sich sagte der aus Friedrichshafen stammende Konstanzer Lokalchef des „Südkurier“, als See-Alemanne habe er dort, in der Weinstube Niederburg, das Wesen südbadischer Gastlichkeit erst richtig kennen gelernt: In solchen Weinstuben würden sich Gäste zu unverbrüchlichen Freunden zusammenschmieden und Fremde in Gastfreunde verwandeln lassen. Die Weinstube Niederburg sei das beste Beispiel dafür, auch wenn man im ersten Moment nicht wisse, ob man „nach unten oder nach oben“ gehen solle. Im Grunde ist das nach Jörg-Peter Rau dort eigentlich egal. Unten ist man bei Andreas Fritz bestens aufgehoben, oben ebenso gut bei Jürgen Franz, einem nach eigenen Worten „dankbaren Konstanzer Neubürger“.

Reichlich Genuss an der Brotlaube

Thomas Martens, wie Rau (und übrigens auch Karrenbauer) gelernter Journalist, inzwischen aber Sprecher der Handwerkskammer, befasste sich als Jurymitglied im Auftrag des Wirtekreises mit der Rubrik „Lokale für Geniesser“. Martens fand das Abstimmungsergebnis hochzufriedener Gäste, gesichert durch eigene Erfahrung, Familie und Freunde, vollumfänglich bestätigt: In der „Krone“ an der Brotlaube kommen Geniesser sowohl geschmacklich als auch mengenmässig auf ihre Kosten. Meister Stefan und sein Team verdienten fraglos Komplimente und Preis.

Michelangelo hält Maurizio, Silvia, Olivia, Luigi und Lino den Rücken frei

Dass das Ristorante Pinocchio immer ein guter Kandidat ist für die Abteilung „Lokale für Gourmets“, versteht sich inzwischen nahezu von selbst. Es ist trotzdem im wahrsten Sinne bemerkenswert, dass dieses gastronomische Juwel von seinen Gästen erneut ganz nach oben gebracht wird, bemerkenswert auch deswegen, weil die Geschäftsführung inzwischen auch offiziell der nachfolgenden Generation übertragen wurde: von Maurizio und Silvia Canestrini an die Tochter Olivia Canestrini. Bezeichnend auch, dass am Montagabend Olivias Bruder Michelangelo nicht dabei war, sehr wohl aber Chefkellner Luigi und Maurizios Meisterschüler Lino. Michelangelo hatte am Montagabend den „Laden zu schmeissen“.

Ramazzottis canzone war reiner Zufall

Carlo Karrenbauer machte es schon fast verdächtig kurz, als es um die oben genannte, die vierte, die so genannte kleine „Gourmand-Ingrid“ ging, die dann auch erwartungsgemäss dem Ristorante Pinocchio zugesprochen wurde. Doch dann, als die „Threekingseleven“ Eros Ramazzottis „Ci vuole passione“ intonierten, glaubten Insider dringend vermuten zu müssen, dass auch die „Dicke Ingrid“, der alles überstrahlende Gesamtpreis ans „Pinocchio“ gehe. Nun, es war reiner Zufall, dass die – übrigens hervorragende – Band in diesem Moment mit jenem Schlager Ramazzottis aufwartete. Der Verdacht bestätigte sich trotzdem, auch wenn es Karrenbauer sehr spannend machte, recht schnell: Maurizio und sein „Pinocchio“ erhalten 2010, wie schon 2006, die grosse, die dicke Ingrid, den grossen Konstanzer Gastropreis des Wirtekreises.

Dieter Wäschle freut sich heute schon

Mindestens zwei Jahre wird die von Peter Lenk geschaffene Skulptur, entstanden nach einer echten, schon zu Lebzeiten legendären, inzwischen leider verstorbenen Herrenberger Wirtin einen Ehrenplatz im Ristorante Pinocchio einnehmen, dort, wo sie schon einmal ein Jahr lang stand. Zuletzt hatte Ingrid übrigens den „Petershof“ verschönt. Dieter Wäschle rückte sie „eigentlich ungern“ wieder heraus, tröstete sich aber mit der Erkenntnis, dass „nun wenigstens eine Frau weniger auf mich herunter schaut“. Davon abgesehen freut sich Wäschle heute schon auf ein weiteres Gastspiel der Reichenauer „Nebelkrähen“, die den Abend mit ihrem mutigen, heftig beklatschten Auftritt und Liedern aus den Zwanziger Jahren bereicherten.

Foto: Erich Gropper

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