Meersburg Tourismus rechnet mit neuen Impulsen

Österreicher eröffnen 2011 modernes Gästehaus für junge Zielgruppe

Meersburg (wak) Die Jugend- und Familien-Gästehäuser Holding GmbH Graz und GmbH Nördlingen haben den Zuschlag für den ehemaligen Schussenrieder Hof mitten in der historischen Meersburger Altstadt erhalten. Die Österreicher wollen mehr als zwei Millionen Euro in das momentan leerstehende und unter Denkmalschutz stehen den Gebäude investieren und ein innovatives Gästehaus für eine junge Zielgruppe eröffnen. Stadt und Meersburg Tourismus setzen begeistert auf die Österreicher und haben dem Deutschen Jugendherbergswerk Baden-Württemberg am Dienstagabend eine Absage erteilt.

Tourismus-Chefin lobt innovatives Konzept

„Ein Stadtrat sprach von einer „Sternstunde für Meersburg’“, sagte am Tourismus-Chefin Iris Müller nach der Sitzung. Dieser Aussage könne sie sich voll anschließen. Meersburg werde für ein junges Publikum attraktiv. Außerdem planten die Österreicher einen Ganzjahresbetrieb. „Alle werden profitieren“, sagte Iris Müller. Sie rechne nach der Eröffnung im kommenden Jahr mit 25.000 bis 35.000 Übernachtungen zusätzlich. Die Häuser der JUFA in Bregenz und in Nördlingen in Bayern hätten sie persönlich überzeugt. „Das Konzept ist innovativ“, so die Tourismus-Chefin.

Politischer Erfolg von Bürgermeister Brütsch

Für Bürgermeister Martin Brütsch ist die Entscheidung des Gemeinderats vom Dienstag, den ehemaligen Schussenrieder Hof in der Vorburggasse 1-3 und bis spätestens bis März 2012 auch das Gebäude der Betreuten Seniorenwohnanlage in der Vorburggasse 9 langfristig an die Österreicher zu verpachten, der zweite große politische Erfolg seit seinem Amtsantritt. Erst vor wenigen Wochen hatte Brütsch darüber informiert, dass das 23. Augustinum bis etwa 2013 auf dem Gelände der früheren Wiedemann-Parkklinik in Meersburg eröffnet werden soll. Entstehen sollen dort mindestens 250 Luxus-Senioren-Appartements. 67 Millionen Euro möchte die Augustinum Gruppe in die Meersburger Anlage investieren. Jetzt – zwei Monate später – hat Brütsch auch noch ein Jugendhotel in die Stadt geholt.

Stadt schlägt Grundstückstausch mit Spital vor

Derzeit ist das Gebäude direkt neben dem Meersburger Rathaus, das in früheren Zeiten ein Krankenhaus und später ein Altenpflegeheim war, im Besitz des Spitalfonds. Dem Spitalfonds, der eine öffentlich-rechtliche Stiftung ist, gehört auch die Vorburggasse 9. Der eigentliche Stiftungszweck des Spitalsfonds ist die Unterhaltung eines Alten- und Pflegeheims. Ein Jugendhotel gehört eher nicht dazu. Es sei sinnvoll, die Kräfte zu bündeln, glaubt die Stadt. Deswegen will sie die beiden Gebäude in der Vorburggasse mit dem Spitalfonds gleichwertig gegen andere Immobilien tauschen. Die Stiftung könnte sich dann auf die Altenpflege konzentrieren.

Zwei Interessenten machten Angebot

Interesse am ehemaligen Schussenrieder Hof hatten anfangs das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) und die Jugend- und Familien-Gästehäuser Holding (JUFA). Beide Interessenten legten Nutzungskonzepte und auch Finanzierungsangebote vor. Fakt ist, dass erst einmal saniert und investiert werden muss – was aber keiner der Interessenten ohne die Unterstützung der Stadt bewältigen könnte. Aus einem großen Speisesaal, Zimmern und Pflegebädern soll bis 2011 ein attraktives Jugendhotel für die Zielgruppe Jugendliche, junge Erwachsene, Schulklassen, Gruppen und Familien werden. Das Preis-Leistungsverhältnis soll so sein, dass Meersburg für Familien, Jugendliche und Jugendgruppen neu touristisch interessant werde.

Mindestens 150 Betten

Um das Haus wirtschaftliche betreiben zu können sind – darin waren sich DJH und JUFA einig – mindestens 150 bis 160 Betten notwendig. Im Schussenrieder Hof ist aber nur Platz für etwa 120 Betten. Deswegen soll die betreute Seniorenwohnanlage in der Vorburggasse 9 Dependance mit weiteren 35 bis 40 Betten werden. Vor allem Familien sollen in dem Nebengebäude wohnen. Möglicherweise könnte darüber hinaus auch der leerstehende Ratskeller mit der Stadt zusammen genutzt werden – die JUFA braucht ihn für ihr Konzept aber erst einmal nicht.

Stadt setzt auf die Umwegrentabilität

Finanziell zu stemmen ist die Sanierung, die von der JUFA mit etwa 4,1 Millionen Euro veranschlagt ist, im Einzelnen aus Sanierungsmitteln für die Altstadtsanierung in Höhe von 830.000 Euro, einer Zwischenfinanzierung der Stadt in Höhe von 1,1 Millionen Euro sowie dem Anteil der JUFA in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Die 830.000 Euro Sanierungsmittel stammen zu 60 Prozent vom Land und zu 40 Prozent von der Stadt.

Mit Blick auf Umwegrentabilitätsrechnungen ist die Stadt überzeugt, von der Investition zu profitieren. So gebe eine vierköpfige Familie neben den Ausgaben für die Übernachtung noch 82 bis 98 Euro für Verpflegung, Einkauf, Freizeit und Unterhaltung sowie andere Dienstleistungen aus. Diese Zahlen stammen der deutschen Zentrale für Tourismus e.V..

Moderner Tourismusanbieter Marktführer in Österreich

Die JUFA Gästehäuser sind ein dynamischer moderner Tourismusanbieter. Die Österreicher sehen sich als Impulsgeber für die touristische, kulturelle sowie die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen. „Unsere Häuser sind für alle Menschen da“, heißt es auf der Homepage. Die JUFA Gästehäuser betreiben mehr als 40 Gästehäuser in Österreich und Bayern und sind Mitglied eines internationalen Netzwerkes. Preiswerte Unterkünfte mit hoher Ausstattungs-Qualität sind typisch für JUFA Gästehäuser, die im Segment Jugend- und Familientourismus in Österreich mit über 700.000 Nächtigungen nach eigenen Angaben Marktführer sind.

Mehr als „klassische“ Jugendherberge

Als Weiterentwicklung zu den „klassischen“ Jugendherbergen sind die Zimmer durchwegs mit Duschen und WC ausgestattet und für zwei bis vier Personen ausgelegt. „Sie erfüllen somit die höheren Ansprüche heutiger Reisender“, heißt es auf der Homepage. In den JUFA Gästehäusern können Gäste mit dem Internationalen Jugendherbergsausweis und der Smile Card des Vereins nächtigen. Neben Schulen, Gruppen und Vereinen nutzen auch sehr viele junge Familien die Angebote der Häuser.

Ein Kommentar to “Meersburg Tourismus rechnet mit neuen Impulsen”

  1. loewe
    14. April 2010 at 16:20 #

    Dieser Oberbürgermeister ist ein Segen für die Meersburger.
    Er hat in der kurzen Zeit in Meersburg schon wesentlich mehr bewegt als seine Vorgängerin in den letzten Jahren. Konnte diese eigentlich schon etwas Positives in den 1,5 Jahren in Überlingen umsetzen?

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