Mein kleiner See XXL

Heute starten wir auf See-Online mit einer neuen Kolumne, die manchmal ernsthaft, manchmal auch spöttisch daher kommen darf. Erscheinen wird „Mein kleiner See XXL“ voraussichtlich nicht täglich, sondern nur dann, wenn wir auf dem Blog etwas mitteilen möchten, was wir entweder für ausreichend berichtenswert halten und was Menschen bewegen könnte.

Heute beginnen wir erst einmal ernsthaft und, um es klar zu stellen, auf gar keinen Fall hämisch oder mit Schadenfreude. Dazu gibt es für denkende und lesende Menschen keinen Anlass.

Aber alles der Reihe nach: Die taz führte ein Interview mit bemerkenswerten Antworten des Kommunikationswissenschaftlers und Journalisten-Lehrers Lutz Kachmeister. Er vergleicht die gute alte Zeitung, zumindest die Tagespresse, mit einer Vinyl-Schallplatte. Sie könnte zum Liebhaberobjekt werden. Lutz Hachmeister fordert: „Es wird aber wohl für Recherchejournalismus indirekte öffentliche Subventionen geben müssen.“ Besonders innovativ finde wir diesen Vorschlag aber wahrlich nicht.

Wir empfinden diese Aussage eher irritierend und es ist auch den falschen Weg. Wenn die zweite Gewalt die vierte bezahlen müsste, wäre das wohl so ein bisschen wie den berühmten Bock zum Gärtner zu machen, Herr Kachmeister. Ach ja, und wären es nur Printprodukte wert, subventioniert zu werden?

Auch die Kontextwochenzeitung hatte angesichts der jüngsten Vorkommnisse in der Zeitungswelt keinen Grund zu jubeln. Sie schrieb: „Die Nachrichten aus dem deutschen Pressewesen sind schlecht.“ Die „Frankfurter Rundschau“ sei insolvent, das Szenemagazin „Prinz“ werde eingestellt, die „Augsburger Allgemeine“ habe eine Sparwelle angekündigt, die auch ihr Tochterblatt „Südkurier“ treffen werde, und im Stuttgarter Pressehaus stünden in dieser Woche „einschneidende Veränderungen“ an.

Die Kontextwochenzeitung kommt zum Schluss, dass sich die Liste beliebig verlängern ließe, weil sie in allen Verlagshäusern nach demselben Prinzip abgearbeitet werde: „Sinkende Auflagen und einbrechende Anzeigen schmälern den Gewinn, und dagegen hilft angeblich nur sparen.“

Das Medienmagazin Meedia widmet sich heute demselben Thema. Meedia schreibt: „E-Paper als Rettungsanker von Tageszeitungen kann man vergessen.“ und „Eventuell wäre es sinnvoll, über die Erscheinungsfrequenzen nachzudenken – muss jede Zeitung wirklich täglich gedruckt erscheinen?“ Das Medienmagazin zeigt ansonsten noch auf, wie Zeitungen Leser in allen Altersgruppen verlieren und empfiehlt ein Zurück zum Lokalen.

Weiter heißt es bei Meedia: „Möglichkeiten, um zu experimentieren gäbe es viele.“ Und:  „Wo sind die Initiativen von Verlagen mit Lokalblogs?“

Streng genommen haben wir uns diese Frage auch schon gestellt. In Basel gibt es übrigens die Tageswoche im Web und auf Papier, in Stuttgart erscheint die Kontextwochenzeitung – und auch die Jungfrauzeitung ist ein Experiment im Web und mit Print oder wie es Jungrfrauzeitungsverleger Urs Gossweiler formuliert, ein Produkt das siebenmal wöchentlich online erscheint und zweimal die Woche in „physikalisierter Form“.

Neulich hat die Konstanzer Werbeagentur Lorth Gessler Mittelstaedt LGM ein kleines Interview mit mir zur Zukunft der Medienwelt am See gemacht.

Das Allerletzte: Dass sich ein Medienhaus anscheinend – statt selbst ein Blog online zu stellen – heutzutage schon durch das eine oder andere lokale Blog bedroht fühlen könnte, hätten wir uns so bis vor Kurzem nicht vorstellen können, zumal zum Beispiel ein Blog wie See-Online immer nur nebenbei läuft und nur Inhalte produziert werden können, wenn neben der Auftragstexterei für PR-Kunden noch  ausreichend Zeit bleibt.

Ein schönes Leben noch und bis bald!

Waltraud Kässer

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