Meine Bodensee Gazette

Heute möchten wir uns unserem neuen Oberbürgermeister Uli Burchard widmen. In Verwaltungssprech würden es „Sachstandbericht“ heißen. Auf dem Blog dürfen wir fabulieren.

Nur, um es noch einmal klar zu stellen: Nein, wir haben Uli Burchardt weder im ersten noch im zweiten Wahlgang gewählt, weil wir damals Wahlkampf für eine andere Kandidatin machten. „Wir“ heißt in diesem Zusammenhang natürlich nicht See-Online, sondern „wir“ steht für das Büro für Kommunikation und Presse, das zum Glück so viel abwirft, dass wir das Blog See-Online sozusagen mit über die Runden bringen können.

Sprechen wir also über Uli Burchardt. Er scheint seinen Job ganz gut zu machen. Die Konstanzer haben im Juli demnach eine sehr gute Wahl getroffen. Uli Burchardt passt zur Stadt, die sich gern bürgerlich-konservativ und gern ökologisch und am liebsten alles zusammen und auf einmal gibt.

Uli Burchardt ist kein Grüner, sondern Mitglied der CDU. Dem konservativ-grünen Milieu, das es in Baden-Württemberg in den Städten gibt, ist das aber egal.

Aus der Verwaltung war in den vergangenen Monaten zu hören, Uli Burchardt sei kooperativ und kommunikativ. Wenn wir es richtig verstanden haben, ist Uli Burchardt also weder ein Autist noch ein Besserwisser oder beratungsresistent, was schon einmal sehr gute Voraussetzungen für einen Oberbürgermeister sind. Es heißt, er kniet sich rein.

Beim Neujahrsempfang von Bündnis90/Die Grünen gab es für den neuen OB lobende Worte seitens der Freien Grünen Liste. Die Konstanzer Grünen können mit dem neuen Oberbürgermeister – nach 16 Jahren mit einem grünen OB – demnach gut leben. Auch aus der SPD war über die Person Uli Burchardt Positives zu hören, und die CDU ist logischerweise mit dem OB zufrieden. In anderen Gruppierungen dürfte die Stimmung ähnlich sein. Als ihm das Konstanzer Schülerparlament eine Mail wegen eines Jugendraums schrieb, mailte der OB persönlich zurück.

Wer Pressemitteilungen der Stadt mit persönlichen Statements des OB wie zum Beispiel zum Arbeitsplatzverlust bei Siemens liest, stellt erleichtert fest, dass er als OB selbst denkt und redet und keine Phrasen wiederholt. Auch das ist gut.

Dass Uli Burchardt kein Verwaltungsfachmann ist, ist kein Problem. Ein Oberbürgermeister soll schließlich nicht wie ein Sachbearbeiter Akten bearbeiten. Er ist eher fürs Große zuständig und er hat Ideen, wohin es mit der Stadt in Zukunft gehen könnte. Einem Intellektuellen ist das eher zuzutrauen als einem Aktenfresser. Er muss führen können, Leitplanken aufstellen, Menschen gewinnen und dafür sorgen, dass die Verwaltung an einem Strang zieht und nichts aus dem Ruder läuft.

Die Stadt Konstanz wird ihren Haushalt 2013 ausnahmsweise erst im März verabschieden, damit der neue Oberbürgermeister Zeit hat, sich einzuarbeiten. Weil er neu ist, gibt es selbstverständlich viele Wünsche und Begehrlichkeiten. Wann sollte eine Abteilung um zusätzliche Stellen und wann sollte die freie Kultur um eine Erhöhung von Zuschüssen bitten oder Stadträte über eine höhere Aufwandsentschädigung für ihr Ehrenamt nachdenken, wenn nicht jetzt?

Am kommenden Montag wir der Konstanzer Oberbürgermeister  zusammen mit seinem Friedrichshafener Kollegen Andreas Brand im Rathaus in Konstanz die „Katamaran-Bilanz 2012“ präsentieren. Andreas Brand macht bei seinen Auftritten stets eine sehr gute Figur. Wir sind also auf Montag gespannt. Die Oberbürgermeister der größten und zweitgrößten Stadt im direkten Vergleich hatten wir bisher noch nie.

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